Heidenheim Brenzpark-Festival: Siggi Schwarz zieht eine positive Bilanz

Mit den 7500 Besuchern beim diesjährigen Brenzpark-Open-Air zeigt sich Veranstalter Siggi Schwarz zufrieden.
Mit den 7500 Besuchern beim diesjährigen Brenzpark-Open-Air zeigt sich Veranstalter Siggi Schwarz zufrieden. © Foto: Sabrina Balzer
Heidenheim / Joelle Reimer 13.08.2018
Rund 7500 Besucher kamen am Wochenende zum zwölften Brenzpark-Open-Air. Siggi Schwarz zeigt sich als Veranstalter zufrieden mit dem Festival – obwohl Kosten und Aufwand jedes Jahr steigen.

Bereits zum zwölften Mal fand das Heidenheimer Brenzpark-Open-Air statt. Zu den Konzerten von James Blunt und „Revolverheld“ kamen sogar mehr Besucher als zunächst erwartet – und trotzdem macht Veranstalter Siggi Schwarz mit dem Festival keinen Gewinn. Im Interview spricht er über steigende Kosten, über persönliche Highlights und wie seine Vorstellungen für das nächste Open-Air im Brenzpark aussehen könnten.

Brenzpark-Open-Air 2018: Wie war's?

Siggi Schwarz: Ein großartiger Event. Viel Freude, viel Spaß, klasse Bands, bestes Wetter, Begeisterung.

Also rundherum zufrieden?

Beschweren kann ich mich überhaupt nicht. Es hat alles Hand in Hand funktioniert, alle Beteiligten waren begeistert, ich habe viel positive Rückmeldung bekommen.

James Blunt lag im Vorverkauf etwas vor „Revolverheld“. Jetzt interessieren natürlich die absoluten Zahlen.

4000 am Freitag und etwa 3500 am Samstag. Das waren doch etwas mehr als zunächst erwartet. Mitgezählt sind da aber natürlich auch meine Gäste, z.B. von der Lebenshilfe und anderen sozialen Einrichtungen. Das gute Wetter hat wider Erwarten doch einige Leute an die Abendkasse getrieben – da wurden jeweils etwa 200 Tickets verkauft.

Sie sind nicht nur Veranstalter des Brenzpark-Open-Airs, sondern selbst auch Musiker – da kann man Sie allerdings eher in der Rock-Schiene stecken. Wie passt das mit britischen Pop-Balladen oder deutschem Pop-Rock zusammen?

Es ist ganz klar: Ein zweitägiges Open-Air braucht Musik für junge Menschen. Der alte Rock, der zieht nicht, außer natürlich die Bands mit ganz großen Namen kommen. Die Scorpions, Aerosmith, das würde schon funktionieren. Bei weniger bekannten Rockbands würden aber sicher nur 1000 Leute kommen. Und bei aktuellen Pop-Bands, die auch im Radio gespielt werden, ist das Interesse einfach größer. James Blunt, Revolverheld – dafür kann man das Publikum begeistern.

Es hat also nicht unbedingt mit Ihrem persönlichen Geschmack zu tun . . .

Wenn ich das machen würde, würde Santana spielen, Eric Clapton würde spielen, Mark Knopfler wäre da – da würden mir viele einfallen. Aber da bräuchten wir dann 8000 bis 10 000 Besucher – und das wiederum wäre eine Frage der Kapazität. Aber klar ist, Revolverheld spielt klasse, wir hatten tolle Gespräche backstage, und auch James Blunt ist smart und ein hochkarätiger Musiker. Selbstverständlich genieße ich da die Musik; auch wenn es nicht die CDs sind, die bei mir im Auto laufen.

Was war Ihr persönliches Highlight am Festival-Wochenende?

Mehrere Dinge. Zum einen empfange ich ja die Lebenshilfe immer persönlich. Wenn sie mit mir ein Foto machen wollen, oder wenn ich über den Platz laufe und sehe, wie dankbar manche Menschen sind, dass ich das hier tue, und welchen Spaß sie haben – das ist einfach toll.

Sie bleiben also als Veranstalter nicht nur im Hintergrund, sondern sind während des Festivals auch auf dem Platz unterwegs?

Ich bin jemand, der sich zeigt, der sich nicht zurückzieht. Ich muss dabei sein, ich möchte das spüren. Da gibt es eine witzige Anekdote: Ich trage selbst ja keinen Bändel oder Ausweis, und als ich einmal zur Kasse raus wollte, hieß es: Stop, hier geht's nicht durch! Ich meinte dann nur: Okay, da muss ich mit dem Veranstalter mal reden. Solche Situationen sind super. Man kommt ins Gespräch. Genauso wie beispielsweise auch mit den wartenden Menschen vor dem Einlass: Da bin ich vorbei gelaufen, habe meine Späße gemacht, sie aufgeheitert.

Apropos: Die Warteschlange war ja ganz schön lang. Da gab es auch einige Beschwerden . . .

Das stimmt leider. Ich habe selbst nachgefragt, aber es ließ sich leider nicht ändern. Dadurch, dass die Sicherheitsbestimmungen einfach so hoch sind und wir nur einen Eingang haben, dauert es einfach eine Zeit lang, bis die Taschen kontrolliert sind und die Leute aufs Gelände können.

Stichwort Gelände: Man sieht ja schon fast nichts mehr. So schnell, wie der Abbau über die Bühne geht, könnte man meinen, der organisatorische Aufwand sei gar nicht so hoch?

Wir haben schon Samstagnacht um 23 Uhr angefangen, die Technik abzubauen. Bis Montagmorgen war so gut wie alles weg und der Platz schon fast wieder leer. Es ist ein super Team, unheimlich viele Leute, es ging alles Hand in Hand; sowohl mit den externen Partnern als auch mit der Stadtverwaltung. Jeder weiß, was er tun muss, und nur so kann das so schnell funktionieren. Das heißt natürlich nicht, dass es weniger Aufwand ist – im Gegenteil. Die Anforderungen steigen sogar jedes Jahr noch.

Das heißt, für Sie als Veranstalter sind die zwei Tage Festival zwei Tage voller Stress?

Die Frage ist, was Stress ist. Das Wort gibt's bei mir nicht, es kommt in meinem Wortschatz nicht vor. Wenn man so etwas macht, macht man es gerne. Mit Begeisterung. Mit Leidenschaft. Stress könnte es höchstens sein, wenn es am Ende mit den Ausgaben und Einnahmen nicht hinhaut . . .

Wie sieht es da aus? Die Kosten sind ja sicherlich nicht zu vernachlässigen . . .

Hochgerechnet sind es 200 000 Euro netto, ohne Gagen.

Welche Bereiche schlagen besonders zu Buche?

Natürlich zuallererst die Künstlergagen. Und die steigen im Allgemeinen, weil sie weniger Tonträger verkaufen, weniger durch Downloads verdienen, da das Streaming weit verbreitet ist. Deshalb wollen sie mehr Geld für die Live-Auftritte. Licht- und Showeffekte sind auch ein großer Brocken. Jeder will Las Vegas auf der Bühne – und das kostet. Genau wie die Bühne selbst, der Auf- und Abbau, und alle Sicherheitsvorkehrungen. Wir hatten 30 Security-Mitarbeiter am Tag im Einsatz. Am teuersten ist aber die Technik: Licht und Ton. Und Technik braucht Strom – das sind viele tausend Euro. Versicherungs-Policen werden immer teurer, es fallen Werbekosten und Gema-Gebühren an. Dann wird eine komplette Containerstadt mit Küche aufgebaut für die Künstler, das sind sicher auch nochmal 20 000 Euro.

Aber es gibt Zuschüsse von der Stadt, es gibt Sponsorengelder?

Die Stadt Heidenheim gibt mir einen Zuschuss, und darüber freue ich mich. Dazu habe ich ein paar kleinere Sponsoren, ja.

Trotzdem zahlen Sie als Veranstalter beim Brenzpark-Open-Air drauf?

Ja, wir machen kein Gewinn mit dem Festival. Um zumindest auf Null rauszukommen, hätte man etwas um die 1000 Karten mehr verkaufen müssen. Oder aber die Eintrittspreise pro Karte um rund zehn Euro anheben . . . Das wiederum will ich nicht machen. Natürlich gibt es Stimmen, die meinen: In Heidenheim kann man machen, was man will, da kommen einfach nicht mehr Leute. Obwohl man den Brenzpark doch bis hinten voll machen könnte.

Könnte man?

Das ist relativ. Ich finde, dass eine Besucherzahl von 4000 für eine Stadt wie Heidenheim schon passend ist. Was will ich denn noch größer machen? Die Künstler waren von großem Format. Die Location passte, das Wetter war gut . . . Klar lässt sich das leicht sagen, es hätten 1000 Besucher mehr sein können – aber wo bekommt man die her? Würde man das Festival kleiner machen, mit nicht ganz so bekannten Acts, würde es vielleicht finanziell aufgehen – aber es wäre einfach nicht so eine gute Nummer.

Denkt man aber rein wirtschaftlich, drängt sich schon die Frage auf, inwieweit es das Brenzpark-Open-Air in der Form dann überhaupt weiterhin noch geben kann . . .

Richtig. Aber ich würde nie sagen: Ich habe nichts daran verdient, ich lasse es jetzt sein. Mein Herz hängt daran. Ich will das Festival weiter machen. Manch einer hält mich jetzt vielleicht für naiv . . .

. . . oder für hartnäckig. Sie zeigen, dass Sie hinter dem Open-Air in Heidenheim stehen. Und haben ja auch schon angedeutet, dass Sie es künftig vielleicht gerne wieder etwas rockiger hätten. Haben Sie für 2019 schon Bands im Kopf?

Foreigner war ein Wunschkandidat für dieses Jahr. Für 2019 wäre es auf jeden Fall mein Wunsch, mal wieder eine richtige Rock-Band nach Heidenheim zu holen. Ein bisschen mehr Classic-Rock, ein bisschen mehr schreiende Gitarren – das würde mir auch wieder gut tun.

Kapazität für 8000 bis 10000 Besucher

7500 Besucher kamen zum Brenzpark-Open-Air 2018, 4000 davon am Freitagabend zu James Blunt, 3500 am Samstag zu „Revolverheld“. Damit hält das Konzert von „Culcha Candela“ im Jahr 2010 mit 7500 Fans an einem Abend weiterhin den Besucherrekord. Möglich wären etwa 8000 Besucher, beziehungsweise 10 000 – dann allerdings müsste das Sicherheitskonzept überarbeitet werden.

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