Heidenheim Brenzbahn: Anschlüsse an ICE in Ulm werden schlechter

Bis 2022 wird es schwer bleiben, in Ulm unmittelbar von der Brenzbahn auf einen ICE in Richtung Stuttgart zu wechseln.
Bis 2022 wird es schwer bleiben, in Ulm unmittelbar von der Brenzbahn auf einen ICE in Richtung Stuttgart zu wechseln. © Foto: Oliver Vogel
Heidenheim / Günter Trittner 23.10.2018
Da der ICE-Takt nicht zu ändern ist, wird der Übergang von der Brenzbahn auf den überregionalen Verkehr in Ulm schlechter. Landrat Reinhardt macht Hoffnung auf 2022.

Ist es ein Kompromiss, ein Scheitern, ein Erfolg? Im Kreistag gingen die Meinungen über das große Bahn-Treffen am 16. Oktober in Stuttgart auseinander – auch je nach persönlicher Betroffenheit. Angereist war Landrat Thomas Reinhardt bei Verkehrsminister Winfried Hermann mit einer gewissen Wut im Bauch, weil wegen der Bauarbeiten an der Neubaustrecke Ulm-Wendlingen der ICE nach Stuttgart im Ulmer Bahnhof anders getaktet und damit für Umsteiger von der Brenzbahn nicht mehr zu erreichen ist.

Die Sicht der Bahnvertreter

Zurückgekehrt ist Landrat Reinhardt nach intensiver Diskussion mit Sven Hantel, dem Konzernbevollmächtigten der Deutschen Bahn AG für Baden-Württemberg, und dem Fahrplan-Chef der Bahn, mit der Einsicht dass man sich als Brenzbahn-Anlieger für eine Übergangszeit ins Unvermeidliche schicken muss und es nach 2022 besser werden soll. Nur mit massiven Verschlechterungen für andere ICE-Anschlüsse hätten die Züge für die Brenzbahn angepasst werden können, gab Reinhardt die Sicht der Bahnvertreter. Und von dieser Seite wird auch in einem schriftlichen Ergebnisvermerk festgehalten, dass letztlich nur Reisende in Richtung Hamburg oder Berlin betroffen seien, da Reisende nach Stuttgart anstelle des ICE die wenige Minuten später fahrenden IRE oder IC-/EC Linien nutzen könnten.

„Das werden wir wohl hinnehmen müssen“, meinte Landrat Reinhardt zu den Kreisräten, versprach aber ein wachsames Auge zu haben, dass das erneuerte Versprechen von besseren Anbindungen auch gehalten werde. „Es hat sich wieder gezeigt, dass wir immer wieder in Stuttgart unseren Finger heben müssen.“

Aber reicht ein Finger? Heidenheims Oberbürgermeister Bernhard Ilg hätte sich ein lautstarkes Trommeln gewünscht. Und zwar von allen Heidenheimer Abgeordneten in Land und Bund bei den dafür zuständigen Stellen – und über die Fraktionen hinweg. „Wenn man will, dann geht das auch.

SPD-Kreisrat Rainer Domberg legte noch eine Schippe drauf. „Mit der Brenzbahn sind wir wirklich auf dem Abstellgleis gelandet“, schilderte der frühere Heidenheimer Bürgermeister eigene Erfahrungen, „wenn von vier Zügen im Fahrplan überhaupt nur noch zwei fahren.“ Wer eine längere Reise plane, dem riet Domberg erst in Aalen, Ulm oder Geislingen die Bahn zu nehmen. „Ich habe nicht den Eindruck, dass uns die Bahn ernst nimmt, wir werden hier wie im Hinterland behandelt.“

Effekt von Stuttgart 21

Landrat Reinhardt wollte dieser Einschätzung grundsätzlich nicht widersprechen, brachte aber seine vielen Eingaben bei der Bahn bis hin zu Forderungen nach Fahrgast-Entschädigungen in Erinnerung. „Damals hieß es, es sei bei der Brenzbahn nicht schlimm genug.“ Ein Lob für den Einsatz des Landrats kam vom Grünen-Abgeordneten Martin Grath. Er habe in Stuttgart einen guten Kompromiss verhandelt.

Auf eine ganz gute Brenzbahn, die ab Juni 2019 bereits von der Hohenzollerischen Landesbahn betrieben wird, wird man im Brenztal freilich noch etwas länger als 2022 warten müssen. Denn der Effekt von Stuttgart 21 wird erst greifen, wenn der Knoten Stuttgart in Betrieb geht. Und das wird erst 2025 erfolgen.

Dazu passte bei der Sitzung des Kreistags eine weitere Nachricht von Landrat Reinhardt. Beim Stresstest der Brenzbahn hinsichtlich des zweigleisigen Ausbaus kommt es zu einer weiteren Verzögerung.

Ausbau verzögert sich

Das Testat soll erst Ende dieses Jahres vorliegen. Ohne dieses kann aber nicht das Vorplanungspaket ausgeschrieben werden. Bei dieser Ermittlung des baulichen und technischen Aufwands für die Optimierung der Strecke werden auch die Grundlagen für eine Wirtschaftlichkeitsprüfung gelegt. Und es wird zum ersten Mal eine belastbare Kostenberechnung für den gesamten Ausbau geben. Nun mit einem halben Jahr Verspätung.

Zwei Wochen kein Fernverkehr in Ulm

Am Ulmer Hauptbahnhof halten von Freitag, 26. Oktober, bis Donnerstag, 8. November keine Schnellzüge (ICE, IC, EC). Die Neubaustrecke nach Stuttgart wird mit den bestehenden Gleisen in Ulm verknüpft. Zwischen Donnerstag, 25. Oktober, 23 Uhr, und Freitag, 9. November, kommt es deshalb zu Änderungen im Zugverkehr:

Fernverkehr (ICE-Linien): Die Züge zwischen Berlin und München sowie Dortmund und München werden über Aalen und Nördlingen umgeleitet, die Halte in Ulm entfallen. Teilweise fallen Züge zwischen Stuttgart und München aus.

Fernverkehr (IC-Linie): Die Züge zwischen Karlsruhe und München, Frankfurt (Main) und Salzburg, die TGV-Linie zwischen Paris und München sowie weitere Einzelzüge fallen zwischen Stuttgart und München größtenteils aus.

Der Regionalverkehr zwischen Stuttgart und Ulm kann den Ulmer Hauptbahnhof über den Abstellbahnhof Ulm anfahren. Dadurch verlängert sich die Fahrzeit um rund 15 Minuten. Der Fahrplan einiger Linien verschiebt sich.

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