Heidenheim / Marita Kasischke  Uhr
Das Blechbläser-Quintett des Leipziger Gewandhausorchesters begeisterte in Heidenheim.

Eine Lokomotive, ein Bach, ein Kletterfelsen, viele Clowns, noch ein Bach, – das sind nur einige der Zutaten, die den Montagabend in der Waldorfschule zu einem besonderen Genuss machten. Die Hauptzutat freilich war Blech: Blech in Form von Trompeten, Posaune, Tuba, Horn oder auch einfach „Brassissimo“, wie das Gewandhaus-Brass-Quintett sein Konzert betitelt hatte.

Dieser Ausdruck des Respekts fasst zusammen, was das Publikum am Ende des Konzerts empfunden haben mag – die vielen Begeisterungsrufe, der stürmische und langanhaltende Applaus der rund 380 Zuhörer sprachen eine deutliche Sprache.

Aparte Mischung

Stürmisch also der Ausklang, stürmisch auch der Auftakt, denn mit „Escape“ des kalifornischen Komponisten Kevin McKee legten die fünf Bläser gleich mal richtig los. Der Komponist vertont in diesem Werk eine Kletterpartie vom Felsen „Castle Crags“, und die wurde geradezu aufregend umgesetzt von den Virtuosen des Abends, in einem Tempo, das jederzeit auch Absturz hätte bedeuten können, aber nein, sehr sicher gelangten alle zum Ziel, der rasante Kletterer ebenso wie die nicht minder rasanten Musikanten.

Schnell haben sie vorgelegt, und schnell machten sie weiter, mit einem Klassiker dieses Mal, und zwar nicht irgendeinem, sondern wohl dem Klassiker für Orgel, Bachs Toccata und Fuge, die sich auch unter Blechbläsern glänzend ausnahmen. Bachs „Contrapunctus IX“ aus der „Kunst der Fuge“ gehörte ebenso zum Programm wie die „Suite für Bläserquintett“ von Weltenbummler Igor Strawinsky und das flirrende, von Wechseln wie Humor gleichermaßen geprägte Quintett des für seinen „River-Kwai-Marsch“ oscarprämierten Malcolm Arnold.

Allein diese drei Stücke zeigen schon, welche aparte Mischung sich Hornist Jan Wessely, Posaunist Tobias Hasselt, Tubist David Cribb und die beiden Trompeter Lukas Beno und Jonathan Müller zurechtgelegt hatten. Obendrein vermittelten die Künstler nicht nur ihr großes Können, sondern auch jede Menge Spaß an der Freude, im Spiel ebenso wie in den heiteren Moderationen.

Die Clowns schicke man immer dann in die Manege, wenn was schiefgegangen sei oder das Publikum aus sonstigen Gründen wieder gnädig gestimmt werden müsse, sagten sie. So gesehen hätte das Quintett die Clowns nicht nötig gehabt, aber was hätte das Publikum versäumt, wäre „Send in the clowns“ nicht im Programm gewesen! Stephen Sondheims Ballade ließ nach den schnellen Höllenritten eine träumerische Sehnsucht durch den Saal schweben – herrlich ließ sich darin schwelgen.

Sonne und Eis

Alexander Arutiunians „Szenen aus Armenien“ boten beides: ausgeglichene Ruhe und fröhliche Ausgelassenheit wechselten sich in den vier Szenen ab. Nach Andalusien ging es mit Enrique Granados‘ Danza Espagnola Nr. 5 voller Sinnlichkeit, nach New Orleans mit dem Jazz-Standard „Ain’t Misbehavin‘“, und durchs sonnige Kalifornien fuhr Kevin McKees „Iron Horse“, die Lokomotive, ebenso wie durch das eisige Alaska, und wer hätte gedacht, dass sich eine Lokomotive so viel aus dem Wetter macht, dass sie einerseits so elegant dem Horizont entgegensteuert und dann wieder so eckig und kantig durchs Eis zieht.

Groß war das Vergnügen des Publikums an diesen Virtuosen und ihrem glänzenden Vortrag, groß war der Applaus nach dem Traditional „Just a closer walk“, groß war die Spannung, was denn wohl die Zugabe nach dieser wilden Mischung sein könnte. Und siehe da, es war etwas ganz Sanftes, Zärtliches: Brahms‘ Wiegenlied. Schöner hätte man gar nicht „Gute Nacht“ sagen können.

Russischer Schlusspunkt

Das nächste und letzte Meisterkonzert der Saison 2018/19 wird gleichzeitig auch das Eröffnungskonzert der Opernfestspiele sein: Am Samstag, 22. Juni, werden dann ab 20 Uhr die Deutsche Staatsphilharmonie Rheinland Pfalz unter der Leitung von Łukasz Borowicz mit Nikolai Rimsky-Korsakows „Mlada-Suite“ und der Suite „Märchen vom Zaren Saltan“ sowie mit Peter Tschaikowskys Konzert für Klavier und Orchester Nr.1 in b-Moll auftreten. Als Solist wird der italienische Pianist Federico Colli erwartet. Eintrittskarten sind im Vorverkauf im Ticketshop des Pressehauses in Heidenheim und in allen HZ-Geschäftsstellen im Landkreis erhältlich.