Heidenheim Wegen Schlägerei am Eugen-Jaekle-Platz vor Gericht

Gerichtlich geklärt wurde jetzt eine Schlägerei vom April.
Gerichtlich geklärt wurde jetzt eine Schlägerei vom April. © Foto: Markus Brandhuber
Heidenheim / Michael Brendel 06.10.2018
Eine nächtliche Kneipenschlägerei fand jetzt vor dem Jugendschöffengericht ein juristisches Nachspiel.

Weggehen, Freunde treffen, feiern: Viele dürften vom 27. April dieses Jahres erwartet haben, was man sich von einem Freitag eben so verspricht. „Es sollte ein guter Abend werden“, brachte es zum Beispiel ein 22-Jähriger rückblickend auf einen einfachen Nenner. Allerdings nahm der Abend eine Wendung, die den jungen Mann und einen 20 Jahre alten Bekannten jetzt als Angeklagte vors Jugendschöffengericht führte. Vorwurf der Staatsanwaltschaft: Die beiden sollten zu Beginn des gerade angebrochenen Samstags wahllos mehrere Personen geschlagen haben.

Widersprüchliche Aussagen

Schnell wurde allerdings klar, dass sich längst ein Nebel des Vergessens und der Widersprüche über das Monate zurückliegende Geschehen gelegt hat. War zunächst eine Massenschlägerei vor mehreren nebeneinander gelegenen Gaststätten am Eugen-Jaekle-Platz mit etwa 15 beteiligten Personen gemeldet worden, hatten bis zum Eintreffen der Polizei offenkundig die meisten bereits das Weite gesucht. Und auch jetzt war kaum noch eine Rede davon. Keine Spur zudem von einem Geschädigten, der angeblich einen Schlag auf die Brille und dabei eine blutende Verletzung erlitten hatte.

Kein einheitliches Bild ergab sich auch aus den Aussagen der Zeugen. Einer konnte weder mit Bestimmtheit sagen noch ausschließen, von einem der Angeklagten attackiert worden zu sein. Ein anderer wollte zuerst drei Ohrfeigen vom Jüngeren gefangen, nun aber auch eine vom Älteren erhalten haben. Bemerkenswert seine gelassene Einschätzung, die Erstaunen auf das Gesicht von Amtsrichter Dr. Christoph Edler zauberte: „Mich juckt so was nicht.“ Ohnehin hätten sich die beiden anschließend bei ihm entschuldigt.

Freispruch mangels Beweisen

Am Ende stand die Einlassung des 22-Jährigen, zuerst selbst einen Schlag eingesteckt und dann im allgemeinen Durcheinander seinerseits eine Ohrfeige verteilt, aber keine maßgebliche Rolle gespielt zu haben. Ein Geschädigter war nicht auszumachen, und so blieb's bei der von Verteidiger Thomas Jordan formulierten Feststellung, der bereits mehrfach strafrechtlich in Erscheinung getretene und unter Bewährung stehende Angeklagte sei „zur falschen Zeit am falschen Ort gewesen“. Das Gericht sprach den 22-Jährigen frei, während die Staatsanwältin „als letzte Chance“ eine dreimonatige Bewährungsstrafe und eine Geldauflage von 750 Euro gefordert hatte.

Nicht so glimpflich kam der 20-Jährige davon. Wegen vorsätzlicher Körperverletzung in zwei Fällen, und damit zweier Backpfeifen, die nachweislich auf sein Konto gingen, wurde er zu einer Jugendstrafe von sechs Monaten auf Bewährung verurteilt. Außerdem muss er 900 Euro an den Hilfs- und Wohltätigkeitsverein überweisen, während die Staatsanwaltschaft 1500 Euro verhängt wissen wollte. Der Angeklagte hatte zum Tatzeitpunkt zwar ebenfalls unter Bewährung gestanden, allerdings bescheinigte ihm das Gericht, mittlerweile „auf einem guten Weg“ und in einer Festanstellung zu sein. Zusammenfassend wies sein Verteidiger Dieter Mathes darauf hin, entgegen dem sich aus der Anklageschrift ergebenden Eindruck sei in jener Aprilnacht „niemand marodierend durch Heidenheim gezogen“.

Mutter beleidigt

Ungeachtet dessen lieferte der 20-Jährige die vielsagende Begründung, wie schnell es mitunter zu Handgreiflichkeiten kommen kann: „Einer hat meine Mutter beleidigt. Erst habe ich seine auch beleidigt, dann habe ich zugeschlagen.“

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