Heidenheim / hz Leserbrief zum Artikel „Besserer Arbeitsschutz für Fernfahrer“ in der Ausgabe vom 5. April 2019.

Krabben werden zum Auspulen von der Nordsee nach Marokko transportiert und wieder zurück, Kartoffeln aus Nordrhein-Westfalen werden in Spanien zu Pommes frites verarbeitet und als fertiges Produkt zurückgebracht. Das alles geschieht, um die Produktion um Centbeträge billiger zu machen.

Das mag sich betriebswirtschaftlich für das einzelne Unternehmen rechnen, aber mit Sicherheit ist das weder volkswirtschaftlich noch ökologisch sinnvoll. Enorme Verkehrsinfrastrukturen müssen aufgebaut und unterhalten werden, die LKW-Fahrer leiden unter ihrer Arbeit.

Das EU-Parlament hat zwei Jahre nach einer Initiative der EU-Kommission gegen den erbitterten Widerstand der osteuropäischen Staaten endlich beschlossen, deren untragbare Arbeitsbedingungen aus schlechter Bezahlung, miserablen Übernachtungsbedingungen in den Kabinen und extremem Zeitdruck zu verbessern. Nun muss noch der EU-Ministerrat zustimmen.

Bis zur Umsetzung werden wohl noch mindestens weitere zwei Jahre vergehen. Schlimm genug! Sollte dann aber das Vorhaben doch noch scheitern, bleibt nur zu hoffen, dass es in Zukunft einfach nicht mehr genügend Fahrer gibt, die unter solch unwürdigen Arbeitsbedingungen ein Leben führen müssen, das diesen Namen nicht verdient.

Dann wäre das Pferd eben von hinten aufgezäumt. Viel besser aber wäre, wir alle würden das vehement ablehnen und dafür einige Cent tiefer ins Portemonnaie greifen.

Bernd Alexander Lorenz, Dischingen