Heidenheim Besonderer Konzertabend mit dem „Cultura“ Kammerorchester

Boten eine reife Leistung: das Kammerorchester „Cultura“ und Flötensolist Gernot Stepper.
Boten eine reife Leistung: das Kammerorchester „Cultura“ und Flötensolist Gernot Stepper. © Foto: Hans-Peter Leitenberger
Heidenheim / Hans-Peter Leitenberger 04.12.2018
Das Kammerorchester „Cultura“ bot ein apartes Programm mit Werken vom Barock bis zur Frühklassik rund um einen veritablen Ohrwurm der Musikgeschichte.

Einen Sinn für das Besondere hatte das Cultura-Kammerorchester schon immer. Am Samstag vor dem ersten Advent konnten etwa 80 Besucher in dem inspirierenden Raum der Heidenheimer Christengemeinschaft einen feinen Konzertabend genießen.

Unter dem agilen wie einfühlsamen Dirigat von Horst Guggenberger erklang zunächst die frühbarocke Sonata „La Leona“ des Venezianers Cesare Gussago. Die Bläser Hanne Reiser und Dr. Thomas Scheunert, Oboen, Nils Thorwarth, Englischhorn und Leisa Baumann, Fagott lieferten sich einen humorvollen Dialog mit den Streichern bei diesem kurzen, prägnanten Stück, das ohne barocke Opulenz auskam.

Magischer Zauber

Mit spielerischem Feinsinn bei sanft geführten Bässen spielte das Orchester Johann Pachelbels Ohrwurm, den Kanon und die Gigue in D-Dur mit exakten Einsätzen und bestechender Taktsicherheit. Es gelang, die Wirkungsmacht dieser scheinbar einfachen Harmonik und Pachelbels unerschöpfliche Linienphantasie dezent und lebendig zu entwickeln. Der magische Zauber dieses Stücks kam durch die sorgfältige Gestaltung der Bassfiguren besonders zur Geltung. Die innere Dichte und Ausdruckstiefe im Spiel zeigte zudem den kunstvollen Kontrast, den Pachelbel in den beiden Sätzen wirksam werden ließ, besonders bei der „leichtfüßigen“ Gigue.

Mit makellosem Ansatz und eleganter Linienführung spielte der Flötist Gernot Stepper im Konzert für Flöte und Orchester G-Dur von Carl Stamitz, einem „Gute-Laune-Konzert“, wie es Horst Guggenberger nannte. Steppers präzise wie flüssig gespielte Prestofiguren beeindruckten ebenso wie seine stilgenaue und mitreißende Gestaltung der Motivik nicht nur im Allegro-Kopfsatz. Seine Solopartien waren von sanfter Kraft und Grazie gezeichnet wie auch im sanglich wirkenden Andante, wo die schwebende Eleganz der Flötenlinien und die energiegeladene, klangfarbenbewusste Spielweise des Orchesters einen echten Genuss boten.

Das Rondo-Feuerwerk am Schluss mit jubelnden Flötenpartien und temperamentvoller Streicherarbeit hatte einen faszinierend- expressiven Charakter, bei dem das stimmige Zusammenspiel von Orchester und Solist nochmals deutlich wurde. Die sprudelnden Sechzehntel-Figuren Gernot Steppers hatten etwas Übermütiges, Heiteres an sich, das in Stil und Harmonien an Mozart erinnerte. Ein gelungener Auftritt eines solide arbeitenden, tempobewussten Solisten, der auf bemerkenswerte Weise stimmig mit dem Orchester zu kooperieren verstand.

Reizvoller Kontrast

Mit Johann Sebastian Bachs erster Orchestersuite C-Dur zeigte das exakt wie temperamentvoll agierende Ensemble am Schluss nochmals seine mitreißende Eleganz im Spiel. Subtil erklangen die Oboen und das Fagott etwa in den „Grave“-Partien bei der schwungvollen Ouvertüre. Der reizvolle Farbkontrast der Tanzsätze, etwa bei der Gavotte wurde von den Streichern und Bläsern mit Präzision und kräftigem Duktus hervorgehoben. Die überwiegend in Terzen und Sexten parallel geführten Oboen erklangen mit Leichtigkeit und betörender Farbigkeit.

Ein Genuss waren die Oktavsprünge von Fagott und Bässen bei der „Forlane“, einem folkloristisch wirkenden Tanz ohne höfische Zurückhaltung. Der schwungvolle Impuls bei der Bourée und der präzise geführte Achtel-Kontrapunkt der Oboen bei Passepied zu den Violinen erfreuten durch die gewohnte Flexibilität in der Klanggestaltung. Einen „Rausschmeißer“, so Horst Guggenberger, gab es schon zu Bachs Zeiten. Die schwungvolle Bourée eignete sich hierfür vorzüglich.

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