Heidenheim Nach Tötungsdelikt: Beschuldigter begeht in U-Haft Selbstmord

Vor dem Landgericht Ellwangen wird wegen des Tötungsdelikts vom Juni verhandelt.
Vor dem Landgericht Ellwangen wird wegen des Tötungsdelikts vom Juni verhandelt. © Foto: Andreas Uitz
Heidenheim / Michael Brendel 31.08.2018
Einer der beiden Männer, die Anfang Juni an der Nördlinger Straße einen 48-Jährigen getötet haben sollen, hat sich das Leben genommen.

Entwicklung im Fall des Tötungsdelikts in der städtischen Obdachlosenunterkunft an der Nördlinger Straße: Einer der beiden Beschuldigten hat sich in der Untersuchungshaft das Leben genommen. Das bestätigte der Pressesprecher der Staatsanwaltschaft Ellwangen, Erster Staatsanwalt Armin Burger, jetzt auf Anfrage.

Kein Fremdverschulden

Laut Oberstaatsanwalt Michael Bischofberger, dem Pressereferenten der Ulmer Staatsanwaltschaft, hat der 28-Jährige seinem Leben bereits Anfang August in einer Einzelzelle der Ulmer Justizvollzugsanstalt ein Ende gesetzt. Im Zuge des Todesermittlungsverfahrens hätten sich keine Anhaltspunkte für Fremdverschulden oder einen Unfall ergeben, „sodass wir zu dem Ergebnis gekommen sind, dass es sich um Suizid handelt“.

Wie berichtet, war in der Nacht zum 3. Juni dieses Jahres in dem Gebäude an der Nördlinger Straße ein 48-Jähriger zu Tode gekommen. Burger zufolge wurden Spuren stumpfer Gewalteinwirkung gegen Kopf, Rumpf und Extremitäten festgestellt. Ein Mitbewohner hatte den blutenden Mann gegen 2.30 Uhr in dessen Zimmer gefunden und verständigte daraufhin telefonisch die Rettungsleitstelle. Versuche des Notarztes, den 48-Jährigen wiederzubeleben, blieben erfolglos.

Aufgrund des dringenden Verdachts, an der Tat beteiligt gewesen zu sein, wurden in der Heidenheimer Innenstadt bereits nach wenigen Stunden drei Bekannte des Getöteten festgenommen. Während einer von ihnen wieder auf freien Fuß kam, erließ der zuständige Richter am Heidenheimer Amtsgericht auf Antrag der Staatsanwaltschaft Ellwangen Haftbefehle gegen die anderen beiden – einen 32-Jährigen und eben den jetzt in der U-Haft gestorbenen 28-Jährigen. Burger will nicht sagen, ob die Beschuldigten ebenfalls in der Unterkunft wohnten. Wohl aber, dass einer in der Vergangenheit bereits strafrechtlich in Erscheinung getreten ist, und dass beide zum Zeitpunkt der Tat alkoholisiert waren.

Anklage erhoben

Unterdessen hatte die Ellwanger Staatsanwaltschaft gegen die zu diesem Zeitpunkt noch zwei Beschuldigten bereits Anklage zur Schwurgerichtskammer des Ellwanger Landgerichts wegen gemeinschaftlichen Totschlags erhoben. Der Prozess geht damit möglicherweise noch im Lauf des Herbsts über die Bühne.

Hilfe bei Suizidgedanken

Wenn Sie daran denken, sich das Leben zu nehmen, versuchen Sie, mit anderen Menschen darüber zu sprechen. Es gibt eine Vielzahl von Hilfsangeboten, bei denen Sie – auch anonym – mit anderen Menschen über Ihre Gedanken sprechen können.

Das geht telefonisch, im Chat, per Mail oder persönlich.

Die Telefonseelsorge ist anonym, kostenlos und rund um die Uhr erreichbar. Die Telefonnummern sind 0 800 / 111 0 111 und 0 800 / 111 0 222.

Der Anruf bei der Telefonseelsorge ist nicht nur kostenfrei, er taucht auch nicht auf der Telefonrechnung auf, ebenso nicht im Einzelverbindungsnachweis.

Ebenfalls von der Telefonseelsorge kommt das Angebot eines Hilfe-Chats. Die Anmeldung erfolgt auf der Webseite der Telefonseelsorge. Den Chatraum kann man auch ohne vereinbarten Termin betreten, mit etwas Glück ist ein Berater frei. In jedem Fall klappt es mit einem gebuchten Termin.

Das dritte Angebot der Telefonseelsorge ist die Möglichkeit der E-Mail-Beratung. Auf der Seite der Telefonseelsorge melden Sie sich an und können Ihre Nachrichten schreiben und Antworten der Berater lesen. So taucht der E-Mail-Verkehr nicht in Ihren normalen Postfächern auf.

Totschlag ist von Mord zu unterscheiden

Laut Paragraph 212 des Strafgesetzbuchs ist Totschlag eine Tat, bei der jemand eine Person tötet, ohne ein Mörder zu sein. In diesem Fall ist keines der Mordmerkmale erfüllt: Mordlust, Befriedigung des Geschlechtstriebs, Habgier, niedrige Beweggründe, Heimtücke, Grausamkeit, Verwendung gemeingefährlicher Mittel, Ermöglichung oder Verdeckung einer anderen Straftat.

Bei Totschlag handelt es sich um ein Verbrechen, das vorsätzlich begangen wird. Die Mindestfreiheitsstrafe beträgt fünf Jahre, die Obergrenze liegt bei 15 Jahren. In besonders schweren Fällen ist eine lebenslange Freiheitsstrafe zu verhängen. Bei minder schweren Fällen sind es zwischen einem und zehn Jahren.

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