Kommentar Jugendliches Engagement: „Behutsam begleiten“

© Foto: Oliver Vogel
Heidenheim / Silja Kummer 07.08.2018
Einige Jugendliche wünschen sich einen Jugendgemeinderat in Heidenheim. Das ging doch schon einmal schief - lohnt sich ein neuer Versuch? Ein Kommentar:

Als Erwachsener muss man mit zunehmendem Alter aufpassen, dass man nicht ständig alles besser weiß. „Das gab es schon mal“, „das klappt eh nicht“, „wir wissen doch, wie das läuft“: Das sind mit Sicherheit alles Sätze, die man sich selbst als Jugendlicher nicht hätte anhören wollen.

Aus Fehlern lernen

Trotzdem lohnt sich ja vielleicht die Rückschau, wenn man aus den Fehlern der Vergangenheit lernen kann. Ja, einen Jugendgemeinderat gab es schon mal in Heidenheim, und er ist nach vier Jahren an mangelnder Beteiligung gescheitert. Aber die Jugendlichen haben in diesen vier Jahren auch Themen benannt und angestoßen, beispielsweise Nachtbuslinien in die Kreisgemeinden, einen Ersatz für das Jugendhaus Villa Taubenschlag, das den Schloss Arkaden weichen sollte, oder eine Skaterbahn, die im Zuge der Landesgartenschau im Brenzpark realisiert werden konnte. Und: Die Wahlbeteiligung für den Jugendgemeinderat an den Schulen lag 1998 bei der zweiten Wahl je nach Schule zwischen 75 und 86 Prozent. Die Wahlbeteiligung bei der Kommunalwahl im darauf folgenden Jahr 1999 lag bei 44 Prozent – es wäre also mehr als unfair, ausgerechnet den Jugendlichen Politikverdrossenheit vorzuwerfen.

Der Wille von Jugendlichen, sich in Heidenheim politisch einzubringen, ist jetzt wieder bekundet worden. Nun gilt es für die Stadtverwaltung, aber auch für die Schulen, dieses aufkeimende Engagement zu fördern und zu begleiten. Ob dies in Form eines „echten“ Jugendgemeinderats sein sollte oder in Form von wie auch immer gearteten Agendagruppen, das kann noch diskutiert werden.

Was man aber nicht tun sollte, ist: Die interessierten Jugendlichen für einen Agenda-2030-Prozess für eine „nachhaltige Entwicklung“ zu missbrauchen. Die Agenda wird von der Stadtverwaltung selbst als „durchaus komplexe Thematik“ bezeichnet. Und da sollen ausgerechnet die Jugendlichen vorangehen?

Natürlich ist Nachhaltigkeit ein Thema für die Jugend, schließlich werden die jungen Menschen noch länger auf diesem Planeten leben als diejenigen, die jetzt in der politischen Verantwortung stehen. Aber wie kompliziert das ist, weiß jeder, der sich schon mal mit globalen wirtschaftlichen Zusammenhängen beschäftigt hat.

Besser wäre es, die Jugendlichen können sich bei Entscheidungen einbringen, die ihr direktes Umfeld verändern, und so die Wirksamkeit von Kommunalpolitik kennenlernen. Und besser wäre es auch, wenn sie dabei so viel Unterstützung bekommen würden wie die erwachsenen Stadträte auch.

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