Heidenheim / Marita Kasischke  Uhr
Eines der wichtigsten Opernwerke des 20. Jahrhunderts wurde am Samstagabend als Live-Übertragung von der Metropolitan Opera New York im Kinocenter gezeigt.

Eines der wichtigsten Opernwerke des 20. Jahrhunderts wurde am Samstagabend als Live-Übertragung von der Metropolitan Opera New York im Kinocenter gezeigt: Francis Poulencs „Dialogues des Carmélites“. Rund 70 Zuschauer folgten dem Geschehen, das auf den historischen Ereignissen beruht: In den Wirren der französischen Revolution wurden Karmeliterinnen des Ordens in Compiègne verfolgt und letztlich auf der Guillotine hingerichtet, weil sie ihr Gelübde nicht brechen wollen.

Geschichte und Musikwerk verlangen viel, und zwar von allen: Die Sängerinnen müssen die ganze Bandbreite von gefühlvollem Piano bis zum Schrei in höchster Not bieten, der Dirigent ist gefordert, dem Erzählton der Musik atmosphärische Dichte zu verleihen, und der Zuschauer muss die Tragik der Geschichte verdauen, ohne sich an irgendwelchen Schnörkeln oder Melodien im Musikwerk festhalten zu können.

Und alle geben nichts weniger als ihr Bestes. Die Sängerinnen Karita Mattila als Madame de Croissy, Karen Cargill als Mutter Maria, Adrienne Pieczonka als Madame de Lidoine und allen voran Erin Morley als Constance und Isabel Leonard in der Rolle der Blanche zeigen in der sicheren Stimmführung jene Zerrissenheit, in der sie als Karmeliterinnen stecken. Alle ernten dafür Beifallsstürme.

Diese kann auch Yannick Nézet-Séguin am Pult für sich gewinnen: Es ist geradezu atemberaubend, wie viel er aus dem schweren Stoff herausholt, um die darin steckende Unerträglichkeit noch zu steigern. Vom Komponisten ist das durchaus gewollt. Seine Absicht war es, die Sinnlosigkeit von Glaubensvorschriften vor Augen zu führen.

Die Inszenierung in der Met hat exakt das auf den Punkt gebracht und sie verzichtet auf alles Beschönigende und Weichzeichnende. Das Bühnenbild besteht neben wenigen Requisiten lediglich aus einem gepflasterten Kreuz, auf dem die Spieler agieren und auf dem sie letztlich ihren Gang zur Guillotine antreten. Bis zum letzten Fallbeil, das hier akustisch angedeutet wird, ist nahezu jeder Moment angefüllt mit Zweifel, Angst und Tod. So hart es ist, dies zu verfolgen, so ist doch beeindruckend, wie hier alles, vom Gesang über Orchester bis zu Bühnenbild und Kostüm, genau ein Ziel verfolgt, nämlich Poulencs Absicht in jedem Detail herauszuarbeiten.

Das ist absolut gelungen. Das betroffene Schweigen der Zuschauer nach der Übertragung beweist dies auf das Beste, und auch das ist eine Form von Beifall. In diesem Fall vielleicht die angemessenste. Marita Kasischke