Totenberg Baum verstößt wegen Größe gegen die Friedhofssatzung

Entspricht wegen ihrer Höhe nicht der Friedhofssatzung: die Konifere auf einem Familiengrab am Totenbergfriedhof.
Entspricht wegen ihrer Höhe nicht der Friedhofssatzung: die Konifere auf einem Familiengrab am Totenbergfriedhof. © Foto: Christian Thumm
Heidenheim / Karin Fuchs 07.11.2018
Gewächse auf Gräbern dürfen nicht höher sein als 1,60 Meter. Das betrifft auch solche, die viel älter als die Friedhofsatzung sind. Angehörige werden aufgefordert, zur Säge zu greifen.

Einige Meter hoch ist die Konifere, die seit 30 Jahren auf einem Familiengrab auf dem Totenbergfriedhof wächst. Damit ist der Baum nicht der einzige, der auf dem Friedhof eine große Statur hat. Dort befinden sich Gräber etlicher bekannter Heidenheimer, auch viele alte Gräber mit stattlichem Bewuchs.

Doch jetzt soll die Konifere weg. Der Grund: Sie verstößt wegen ihrer Größe gegen die Friedhofssatzung, die der Gemeinderat im Jahr 2014 beschlossen hat. Darin gibt es den Passus: „Pflanzen, die über das Grabmaß hinauswachsen, sind nach vorheriger Aufforderung durch die Stadt unverzüglich zurückzuschneiden oder zu entfernen. Die Höhe der Bepflanzung darf maximal 1,60 Meter betragen.“

Diesen Sommer scheinen die Heidenheimer Friedhöfe dementsprechend kontrolliert worden zu sein. Denn im August erhielt eine Heidenheimer Unternehmerfamilie einen Brief, in dem sie aufgefordert wird, den Baum auf dem Familiengrab zu entfernen. Er stand auch im Jahr 2014 schon dort und war größer als die Maximalhöhe. Laut Stadtverwaltung war der Brief kein Einzelfall. „Wir haben etwa 40 vergleichbare Fälle auf unseren sieben Friedhöfen.“ In der Regel kämen die Grabbesitzer der Aufforderung problemlos nach, heißt es vonseiten der Stadt.

Und wenn nicht? Dann folgt ein weiteres Schreiben, in dem die Familien nochmals an ihre Pflicht erinnert werden. Dann wird auch ein fixer Termin genannt, bis wann die Gärtnerarbeit zu erledigen ist.

Beim Blick über die Gräber sieht man einige Bäume, die das Schultermaß deutlich übersteigen. Das hat auch der besagte Grabbesitzer bemerkt, der vorerst die Säge nicht ansetzen möchte. „Dieser von Ihnen beanstandete Baum hat lange gebraucht, um so hoch und schön zu wachsen“. Wenn alle anderen Bäume gekürzt seien, würde man das auch machen. „Bis dahin lassen wir den Baum in Ruhe wir er ist.“

Frist läuft ab

Sechs Wochen hat die Stadt dem Besitzer Zeit gegeben, auf die Aufforderung zu reagieren. Die Frist würde Ende der Woche ablaufen. Die Stadt hat angekündigt, das Kürzen dann zu erledigen und die Kosten für die Arbeiten in Höhe von 300 Euro in Rechnung zu stellen. „Der Baum wird am Freitag nicht gefällt“, beruhigt Birgit Baumann im Namen der Verwaltung. Dennoch scheint es für den Baum keine Ausnahme zu geben.

Warum dieses strenge Vorgehen? „Die Wurzeln der zu hohen Pflanzen unterwandern die benachbarten Gräber und beschädigen und beeinträchtigen diese regelmäßig“, heißt es vonseiten der Verwaltung, die zudem auf die Standsicherheit und Umsturzgefahr im lockeren Grabboden verweist. Letztlich sei der Grabverkauf umliegender Gräber deutlich schwieriger. Aus diesem Grund sei die Baumregel 2014 in der Satzung neu aufgenommen worden. Das gilt für alle städtische Friedhöfe und auch für alle Bäume, die schon vor 2014 gepflanzt wurden.

Sicherheit contra Bestandschutz

Wer also früher gepflanzt hat, konnte nicht wissen, dass sein Baum einmal regelwidrig sein wird. Warum gibt es deshalb keinen Bestandschutz? Bei der Verwaltung verweist man darauf, dass in die Verkehrssicherungspflicht wichtiger und der Bestandschutz deshalb nachrangig sei. Bei einer Höhe von 1,60 Meter gehe man davon aus, dass dann vom Gewächs keine Gefahr ausgehe.

Kapelle steht unter Denkmalschutz

Der Totenberg gehört zu den markantesten und geschichtsträchtigsten Stellen im Stadtgebiet. Die Peterskirche, heute Totenberg-Kapelle, ist das älteste sakrale Bauwerk Heidenheims und steht unter Denkmalschutz.

Jahrhundertelang endete das Leben jedes Heidenheimers auf dem Totenberg. Bereits die Römer hatten hier ihre Grabstätten. 1894 stieß man an der Friedensstraße auf alamannische Reihengräber.

Geformt wurde der Totenberg durch die Urbrenz. 1863 wurde erstmals Fels vom Totenberg abgesprengt, um Platz für die Bahnlinie von Aalen zu schaffen.

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel