Heidenheim Eltern besorgt: Baulärm direkt neben der Frühchen-Station

Die Stationsmitarbeiter um Stationsleiterin Barbara Kopp (2. von rechts) versorgen die Frühchen auf der Station 56 in zwei Zimmern auch während der laufenden Baumaßnahmen.
Die Stationsmitarbeiter um Stationsleiterin Barbara Kopp (2. von rechts) versorgen die Frühchen auf der Station 56 in zwei Zimmern auch während der laufenden Baumaßnahmen. © Foto: Günther Berger
Heidenheim / Silja Kummer 03.07.2018
Die Zimmer für zu früh geborene Babys im Heidenheimer Klinikums werden bei laufendem Betrieb renoviert. Eine Familie kam mit dem Krach aufgrund der Bauarbeiten nicht klar.

Auf der Station 56 im Klinikum Heidenheim stehen sechs Behandlungszimmer für zu früh geborene Babys zur Verfügung. Vier der Zimmer werden gerade renoviert, in den anderen beiden gibt es noch insgesamt zehn Plätze für die Winzlinge.

Eine Familie, deren Baby kürzlich aufgrund eines medizinischen Notfalls in der 34. Schwangerschaftswoche per Kaiserschnitt zur Welt kam, war schockiert von den Zuständen auf der Station: „Der Lärm war unerträglich“, berichtet Ingrid Held, die Großmutter des Neugeborenen. Die Oberärztin habe gesagt, das schade dem Neugeborenen nicht – das Gespräch habe aber nur schreiend geführt werden können.

Arbeiten hinter der Folie

Eigentlich habe ihre Tochter in einer anderen Klinik entbinden wollen, sei dann aber vom Notarzt in Heidenheim eingewiesen worden, weil die Zeit drängte. Die medizinische Versorgung, so Ingrid Held, sei super gewesen, auch mit dem Pflegepersonal war die Familie sehr zufrieden.

Das Baby kam samstags zur Welt, es musste ins Wärmebett und mit Sauerstoff und einer Ernährungssonde versorgt werden. Der Schock kam am Montag, als die Bauarbeiten in den nur durch eine Baufolie abgetrennten Räumen losgingen.

Die Familie entschied sich, das Kind in eine andere Klinik verlegen zu lassen, fühlte sich aber bei diesem Wunsch nicht von den zuständigen Ärzten unterstützt. „Erst durch die Vermittlung der Chefärztin Dr. Carina Paschold konnte unser Enkel in die Kinderklinik nach Ulm verlegt werden“, schildert Ingrid Held.

Klinik-Geschäftsführer Udo Lavendel bestätigt die Umstände auf der Frühgeborenen-Station: „Die Staubemissionen können durch die Folie verhindert werden, den Lärm können wir nicht abstellen“, sagt er. Diese Situation sei für die Betroffenen unangenehm. Jedoch gebe es keine andere Möglichkeit, die Frühchen-Zimmer zu renovieren.

Sonst keine Beschwerden?

Es sei auch technisch nicht möglich, die mit Intensivmedizin ausgestatteten Zimmer für den Zeitraum der Renovierung woanders hin zu verlegen. „Wir halten zehn Plätze aufrecht, um medizinische Notfälle versorgen zu können“, so Lavendel.

Aus Sicht der Kinderärzte schade der Lärm den Babys nicht, die Eltern hingegen würden die Situation anders wahrnehmen. Allerdings hätte sich bisher bis auf die eine Familie niemand beschwert. „Die Situation ist wohl eskaliert“, meint der Klinik-Geschäftsführer.

Letztlich habe aber die Oberärztin den Transport des Kindes begleitet, obwohl es keine medizinische Notwendigkeit für die Verlegung es Babys gegeben habe.

Die Baustelle werde noch sechs bis acht Wochen andauern, wobei die sehr lauten Arbeiten im Beton bereits abgeschlossen seien, erläutert Lavendel. Die beiden Zimmer, die jetzt noch in Betrieb seien, würden zu einem späteren Zeitpunkt renoviert werden.

Rund neun Prozent der Kinder kommen mehr als vier Wochen zu früh

Von einer Frühgeburt spricht man, wenn ein Säugling vor Ende der 37. Schwangerschaftswoche zur Welt kommt. Eine normale Schwangerschaft dauert 40 Wochen. Frühchen wiegen oft weniger als 2500 Gramm.

In Deutschland werden ungefähr neun Prozent der Kinder zu früh geboren, das sind rund 63 000 Kinder pro Jahr. Bei 8000 davon handelt es sich um Frühstgeborene, die vor der 30. Schwangerschaftswoche auf die Welt kommen. die Ursachen für Frühgeburten sind vielfältig, am häufigsten sind Infektionen und Schwangerschaftskomplikationen der Grund.

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