Heidenheim / Joelle Schilk  Uhr
Am Freitag, 14. Juni, feiert die „West Side Story“ im Heidenheimer Naturtheater Premiere. Zeit, einen letzten Blick auf die Vorbereitungen, den Vorverkauf und die Kulisse zu werfen.

Blaue Fensterläden, mehrere Backsteingebäude, ein „Drugstore“-Schild und ein Hai, der mit weißer Farbe auf eine Mauer an der linken Seite gezeichnet wurde: So ganz ohne Leben auf der Bühne bietet das Naturtheater einfach nur ein nettes, beschauliches Bild einer Innenstadt – genauer gesagt ein Bild des New York der 1950er-Jahre, welches ab Freitag, 14. Juni, Schauplatz des diesjährigen Hauptstückes „West Side Story“ sein wird.

Diese Geschichte wiederum ist ein Stück, das auf der Heidenheimer Freilichtbühne bislang noch nie gespielt wurde – und für das man sich seitens des Vereins auch nicht gerade kleinlich zeigt. „Ich kann noch keine Zahlen nennen, aber die Produktion dieses Jahr ist sehr teuer. Wir haben keine Kosten und Mühen gescheut“, sagt Vorsitzender Norbert Pfisterer. Statt schwäbischer Bescheidenheit schöpft man also aus dem Vollen; ein 100-jähriges Bestehen wird eben nur einmal gefeiert.

Junge Talente aus den eigenen Reihen

Mühe hatten nicht nur die beiden Regisseurinnen Ulrike Valentin und Cornelia Härtner, die für das Stück viele relativ junge Mitwirkende finden mussten, sondern auch die über 100 Darsteller selbst. Die „West Side Story“ als Musical-Adaption der bekannten „Romeo-und-Julia-Geschichte“ verlangt ihnen einiges ab: schauspielerisch, tänzerisch und gesanglich. „Die ,West Side Story’ kurz zusammengefasst, das sind zwei Tage voller Liebe und Gewalt, zwei Tage Bandenkrieg, an dessen Ende drei Tote und kein Happy End stehen – was eigentlich untypisch ist für ein Musical dieser Zeit“, sagt Valentin.

Auch ohne Happy End ist das Interesse beim Publikum groß: An die 15 000 Karten wurden bereits im Vorfeld für die „West Side Story“ verkauft, beim Kinderstück „Herr der Diebe“ sind es bislang rund 12 000 Karten. „Unsere Herausforderung bestand darin, einerseits ausreichend junge Talente für die Bühne zu finden, andererseits das Stück so zu inszenieren, wie wir es uns vorgestellt haben“, sagt Härtner.

Gesungen wird auf Englisch

Seit Oktober vorigen Jahres laufen hierfür intensive Tanzproben, seit April dieses Jahres wird auf dem Schlossberg sowieso jeden Tag geprobt – intensiver Begleiter ist dabei Markus Romes, der die musikalische Leitung innehat.

„Wir spielen auf Deutsch, die Lieder werden auf Englisch gesungen; das ist eine ungewöhnliche Kombination“, verrät Romes, der das Stück bereits in Ulm und Pforzheim inszeniert hat und in Heidenheim nicht nur für die entsprechende Besetzung des 19-köpfigen Live-Orchesters gesorgt, sondern auch beim Casting über die Besetzung mitentschieden hat. „Toll ist, dass wir alle Rollen und Gesangspartien aus den Reihen des Theaters besetzen konnten“, sagt er.

Von New York nach Venedig

Viel Vorarbeit benötigte auch Manuel Meiswinkel. Er zeichnet sich fürs Bühnenbild verantwortlich und musste dabei das New York der 50er-Jahre mit dem Venedig aus dem Kinderstück vereinen. „Das Bühnenbild ist nicht so abstrakt wie voriges Jahr. Eher so, wie man es eben aus dem Film kennt“, sagt er. Für die entsprechende Atmosphäre sorgt er vor allem durch die Farbe; so will er auch die Verbindung von Venedig nach Brooklyn schaffen.

„Ich habe außerdem versucht, die Umbauten zwischen Erwachsenen- und Kinderstück und auch während der Vorstellungen so gering wie möglich zu halten. Meist wechseln einfach die Accessoires.“ Für das Kinderstück gibt es außerdem eine ganz besondere Requisite: eine Art lebendiges Karussell (ein Bericht folgt).

Seit April arbeitet Meiswinkel so gut wie jeden Tag an der Kulisse der beiden Städte – doch selbst heute noch, einen Tag vor der Premiere, gibt es die ein oder andere Kleinigkeit, die noch zu erledigen ist. „Das wird so laufen wie immer: Wir werden fertig, aber ganz knapp.“ Was kein Grund zur Sorge sein muss, denn im Naturtheater gehört das ja sozusagen zum guten Ton – und zumindest beim Bühnenbau gab es bislang stets ein Happy End.

Zahlen und Fakten rund um die „West Side Story“

Im Vorverkauf sind bereits rund 30 000 Karten verkauft worden – 15 000 davon für die „West Side Story“, 12 000 für „Herr der Diebe“.

Bei „West Side Story“ stehen über 100 Darsteller auf der Bühne: der jüngste ist gerade mal 13 Jahre alt, der älteste über 80 Jahre.

Da die „West Side Story“ nur in Originalfassung aufgeführt werden darf, gibt es ein 19-köpfiges Live-Orchester, wovon jede Partie doppelt besetzt ist.

Aufgrund der Festwoche im Juli sind es dieses Jahr etwas weniger Aufführungen: 16 reguläre Vorstellungen gibt’s vom Erwachsenenstück, plus aktuell eine Zusatzvorstellung.