Heidenheim Bald mehr Blumenwiesen in Heidenheim

Wie hier entlang der Zanger Straße gibt es übers Stadtgebiet verteilt bereits etliche öffentliche Flächen, auf denen bewusst für eine Blütenvielfalt gesorgt ist.
Wie hier entlang der Zanger Straße gibt es übers Stadtgebiet verteilt bereits etliche öffentliche Flächen, auf denen bewusst für eine Blütenvielfalt gesorgt ist. © Foto: Christian Thumm
Heidenheim / Michael Brendel 20.06.2018
Die Verwaltung nimmt einen Vorschlag der SPD-Gemeinderatsfraktion auf, um dem anhaltenden Insektensterben entgegenzuwirken.

Gewisse Zusagen im politischen Bereich gehen mit der Gefahr einher, schnell als unwahr gebrandmarkt zu werden. Man erinnere sich an die Vision blühender Landschaften in den neuen Bundesländern. Verbirgt sich hinter einer solchen Ankündigung aber die pure Absicht, der Natur wieder mehr Raum zu lassen, dürfen sich die Urheber einhelligen Applauses sicher sein. Das gilt für die Verwaltung, die zusätzliche Flächen im Stadtgebiet für Blumenwiesen zur Verfügung stellt. Und natürlich für die SPD-Fraktion im Gemeinderat, von der die Idee stammt.

Wenn die Mitarbeiter der Städtischen Betriebe den Rasenmäher auspacken, dann lohnt es sich: Auf 228 Hektar bringen es die sogenannten mähbaren Flächen. Davon entfallen 22 Hektar auf intensiv genutztes Gelände wie Sportplätze und Rasenflächen rund um Schulen und Kindergärten sowie beim Waldbad. Auf 166 Hektar bringen es Extensiv-Flächen, zu denen auch Heiden und Wiesen gehören.

Nach Ansicht der SPD-Stadträte dürften es gerne noch mehr sein, weshalb sie bei den jüngsten Haushaltsplanberatungen den Antrag stellten, mit Blumenwiesen etwas gegen das Insektensterben zu tun. Die Verwaltung erklärte jetzt, wie sie diesem im Technik- und Umweltausschuss einstimmig begrüßten Ansinnen entsprechen will.

Einmal mähen pro Jahr

Eine Möglichkeit besteht darin, nur noch einmal – im November – zu mähen, und das Mähgut abzutransportieren. Auf derart abgemagertem Gelände machen sich Wiesenpflanzen und mit ihnen heimische Insekten breit. Ausgewiesen werden sollen solche Areale im Salztäle, zwischen Iglauer- und Zanger Straße, im Knupfertal und in den Seewiesen.

Denkbar ist zudem, Rasenflächen umzugraben und Blumenwiesensamen auszubringen. Ins Auge gefasst hat die Stadt Gelände nördlich des Sonnen- und Zeitpfades, zwischen Bussardweg und Knupfertal, im Salztäle, am Riesengebirgsweg und am Rehbergfeld.

Auf Vorbehalte stieß die Anregung Sabine Bodenmüllers (SPD), auch den Waldfriedhof in die Überlegungen einzubeziehen. Die Praxis zeige, so Gunter Bergmann, Leiter des Geschäftsbereichs Grünflächenpflege und –unterhaltung, dass die meisten der Besucher dort gepflegte Flächen erwarteten.

OBBernhard Ilg berichtete von ähnlichen Erfahrungen: „Bei Beerdigungen werde ich immer wieder darauf angesprochen, dass naturbelassene Ecken gar nicht schön aussehen.“ Zudem müsse berücksichtigt werden, dass Friedhöfe hohe Kosten verursachten. Kämen für eine veränderte Begrünung weitere hinzu, so schlügen sich auch diese in den Gebühren nieder.

Grundsätzlich halten sich Ilg zufolge auf längere Sicht die Kosten für die herkömmliche Pflege und für den künftigen Aufwand die Waage. Für Hans Kurowski (Grüne) zählt in erster Linie eine andere Währung: „Es muss in die Köpfe rein, dass eine Wiese wie eine Wiese aussieht, und nicht wie ein Rasen.“ Im Laufe der Zeit, so seine Überzeugung, wachse in der Bevölkerung die Akzeptanz dafür, dass wieder mehr Flächen der Natur überlassen werden müssten.

Gleichgewicht der Ökosysteme ist in Gefahr

Die Insekten sind in den vergangenen Jahren immer weniger geworden. Manche Experten sprechen von einem Rückgang um mindestens 75 Prozent. Der Naturschutzbund (Nabu) macht dafür unter anderem die intensive Landwirtschaft und den Einsatz von Pestiziden verantwortlich.

Die Vogelarten, die ausschließlich Insekten fressen, oder zumindest ihre Jungen damit füttern, teilen das Schicksal der Insekten, geht doch ihre Nahrungsgrundlage verloren. Nach Angaben des Nabu weisen sieben der 15 häufigsten Gartenvogelarten heuer den niedrigsten je registrierten Bestand auf.

Der Nabu bezeichnet Insekten als systemrelevant. Da 90 Prozent der Pflanzen weltweit - und damit ein Großteil unserer Lebensmittel - auf Bestäubung angewiesen seien, drohe ohne umfassende Gegenmaßnahmen eine Nahrungsmittelkrise, sagt Nabu-Bundesgeschäftsführer Leif Miller.

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