Heidenheim / Joelle Schilk  Uhr
Am 2. August wird die neue Ausstellung „Unterwasserwelt – Tauchfahrt im Museum“ zum 30-jährigen Bestehen des Kunstmuseums eröffnet. Das Herzstück bildet ein sechs Meter langes U-Boot.

Ein Citroën 2 CV. Eine Waschmaschine. Lüftungsgitter aus dem Heizungsbau. Kanalrohre. Russische Funkertechnik. Und schließlich eine blaue Regentonne.

All diese Gegenstände haben auf den ersten Blick keinerlei Gemeinsamkeiten. Außer vielleicht der Tatsache, dass sie alle einen bestimmten Zweck erfüllen – beziehungsweise erfüllt haben. Und, dass sie sich seit dieser Woche verteilt und doch mitten im großen Saal des Heidenheimer Kunstmuseums wiederfinden. Wozu das Ganze? Nun, zum Zwecke der Kunst, natürlich.

Zweck und Kunst, diese beiden Begriffe in einem Atemzug zu nennen, will gut überlegt sein. Doch bei dem, was sich Dr. René Hirner als Leiter des Kunstmuseums zusammen mit dem Aalener Bildhauer Andreas Welzenbach und den Voith-Azubis des zweiten Lehrjahres da überlegt haben, ist diese Kombination durchaus erlaubt.

Youtube

Beim Namen Welzenbach mag der eine oder andere Leser bereits stutzig geworden sein – da war doch was? Richtig. Stichwort: „Trash Train“. Mehr muss eigentlich nicht gesagt werden, hat doch ein Großteil der Heidenheimer das spektakuläre Gefährt, das vor fünf Jahren durchs Kunstmuseum tuckelte, noch allzu gut vor Augen. Und ja, Andreas Welzenbach war damals der Kopf hinter dem „trashigen“ Museumsbähnchen – genau wie er auch jetzt wieder als kreativer Kopf hinter der Ausstellung „Unterwasserwelt – Tauchfahrt im Museum“ steht, die zur Feier des 30-jährigen Bestehens des Kunstmuseums am 2. August eröffnet wird.

Womit nun trotzdem noch der Zweck des scheinbar wahllos zusammengewürfelten Sammelsuriums geklärt werden müsste, das anfangs erwähnt wurde. „Der Kotflügel der Ente, der ist hier im Heck verbaut. Und hier, an den Seitenteilen, sind die Fenster und Türen. Ah, und hier drüben ist die Trommel der Waschmaschine“, sagt Welzenbach, während er zwischen einem guten Dutzend Voith-Azubis hin und her läuft und den Aufbau beaufsichtigt. Den Aufbau von – ja, wovon eigentlich?

Acht Einzelteile

Wir machen’s kurz: Statt in einen Zug können die Besucher dieses Jahr in ein U-Boot steigen und damit tatsächlich auf eine Art Tauchfahrt gehen. Dieses U-Boot, das in den vergangenen eineinhalb Jahren erst in den Köpfen von Welzenbach und Hirner, später dann auf Papier und als Modell im Maßstab 1:7 und schließlich in der Werkstatt des Voith-Ausbildungszentrums entstanden ist, wurde am Mittwoch in acht Einzelteilen zum Kunstmuseum transportiert und wird seither dort wieder zusammengebaut. Am Ende, sprich bis Anfang August, soll das sechs Meter lange, dreieinhalb Meter breite und über zwei Meter hohe U-Boot das Herzstück der Ausstellung werden; ergänzt um zahlreiche Kreationen, die in den „Kinder-und-Kunst“-Kursen entstanden sind.

Doch bleiben wir beim U-Boot. Alle acht Einzelteile, die zusammen übrigens rund 620 Kilogramm wiegen, bestehen nicht nur aus Holzgerüst, Schrauben und Blechteilen, sondern auch aus Fundsachen oder wieder verwerteten Gebrauchsgegenständen. Kabine, Seitenteile, Bug, Heck und Dach: mal dient der Kotflügel der Ente als Nase, mal wird die Motorhaube zum Kiel oder die Waschmaschinenluke zum Bullauge. „Wir haben unheimlich viele Details eingebaut. Eine Schaltzentrale mit Knöpfen für Licht- und Toneffekte, ein altes Telefon, einen Propeller, der über eine Handbohrmaschine bedient wird, einen vorgetäuschten Atomantrieb oder auch ein Periskop mit Überraschungseffekt“, sagt Welzenbach.

Letzteren sollen die Besucher vor allem auch dann erleben, wenn sie ins Unterwassergefährt einsteigen – und in knapp 20 Sekunden mit Hilfe einer Scherenhubbühne nach oben fahren. „Dort stoßen sie ja sozusagen durch die Wasseroberfläche und haben nochmal eine ganz andere Perspektive auf die Unterwasserwelt“, erklärt Welzenbach. Die Galerie im Museum wird dabei zur Hafenstadt, und auch ein Vulkan soll sichtbar werden. „Zu viel wollen wir aber natürlich noch nicht verraten“, sagt er.

Jede Idee erlaubt

Immerhin, und da kommt wieder der Zweck ins Spiel, soll die „Unterwasserwelt“ ja neugierig machen; sie soll zum Ausprobieren, zum Mitmachen und zum Erleben einladen. „Das Abgehobene, die museale Atmosphäre wird verdrängt. Kinder und auch Erwachsene bekommen dadurch einen ganz anderen Zugang zur Kunst“, sagt Welzenbach. Auch deshalb hat er die Voith-Azubis zum Anfang des Projektes angewiesen, ihren Ideen freien Lauf zu lassen – „und so viel herumzuspinnen wie möglich“.

Nichts sei zu abgefahren, nichts verboten gewesen; die einzigen Grenzen, die es gegeben habe, lauteten „zu großer Aufwand“ und „zu hohe Kosten“. Apropos Kosten: rund 160 000 Euro wird für die komplette Ausstellung veranschlagt, die bis Mitte April 2020 zu sehen sein wird. „Und natürlich musste das U-Boot mit all seinen Ideen und Extras so sicher und seriös gebaut werden, dass es am Ende von der Dekra abgenommen wird“, so Welzenbach – schließlich führt die Tauchfahrt mitten in der ehemaligen Schwimmhalle die Besucher ganze zweieinhalb Meter in die Höhe.

„Trash Train“ und „Unterwasserwelt“

Zur Feier des 25-jährigen Bestehens wurde im Heidenheimer Kunstmuseum 2014 mit dem „Trash Train“ eine außergewöhnliche Ausstellung gezeigt: Rund 11 000 Besucher haben sich damals das Museumsbähnchen und die dazugehörige, verfremdete Eisenbahnwelt angeschaut.

Zum 30-jährigen Bestehen lädt das Kunstmuseum nun zur Fahrt mit dem U-Boot ein, und wie auch schon 2014 betreut der aus Aalen stammende, freischaffende Künstler Andreas Welzenbach auch die „Unterwasserwelt“ gesamtkünstlerisch.

Neben dem U-Boot, das in Zusammenarbeit mit den Voith-Azubis aus dem zweiten Lehrjahr entstand, lebt die Ausstellung vor allem von all den bunten Unterwasserdingen, die die Teilnehmer der „Kinder-und-Kunst“-Kurse, mehrere Künstler und auch Schulklassen in den vergangenen Monaten erschaffen haben.

So können die Besucher beispielsweise auch in Höhlen kriechen, Fische fangen, im Taucheranzug oder im Fischkostüm durch die Ausstellung gehen, Schuppenshampoo kaufen oder Wal-Musik hören.