Heidenheim Ausstellung im Pressehaus: Die Lahn an der Brenz

In Wetzlar gewesen: An der Stadt der Leica kommen Fotografen, die entlang der Lahn reisen, mit Sicherheit nicht vorbei.
In Wetzlar gewesen: An der Stadt der Leica kommen Fotografen, die entlang der Lahn reisen, mit Sicherheit nicht vorbei. © Foto: Werner Hertwig
Heidenheim / Manfred F. Kubiak 16.04.2018
Werner Hertwig und Richard Hummel folgen in der Fotogalerie des Heidenheimer Pressehauses in 34 Bildern einem Fluss, an dessen Ufern Weltgeschichte geschrieben wurde.

An der Brenz ist man in Heidenheim schneller als an der Lahn. Es sei denn, man hält sich im Pressehaus auf. Dort hat, mitten in der Stadt, derzeit tatsächlich die Lahn, wenn man so will, Vorfahrt. Und ein bisschen sogar auch noch der Rhein. Das ist kein Witz, sondern einer von heute an bis zum 18. Mai in der Fotogalerie zu sehenden Ausstellung geschuldet, die einen Titel trägt, der nach einer solchen Vorrede kaum noch überraschen wird: „Zwischen Lahn und Rhein“.

Gewissermaßen als Botschafter von dort fungieren mit insgesamt 34 Fotografien die Aussteller Werner Hertwig und Richard Hummel. Beide sind sie Mitglieder des Vereins „Fotofreunde Herbrechtingen“, und beide nahmen im Sommer 2017 einen mit den Familien verbrachten gemeinsamen Urlaub zum Anlass, das Lahntal zu erkunden.

Reise in die eigene Vergangenheit

Im Falle von Werner Hertwig war dies sogar eine Reise in die eigene Vergangenheit, stammt der Heidenheimer doch vom Ufer der Lahn; geboren in Diez, verbrachte er seine frühe Kindheit in Balduinstein, dem Heimatdorf der Mutter. Und nun, inzwischen Rentner, erfüllte sich Hertwig auch noch einen langgehegten Wunsch und begab sich an die Quelle der Lahn bei Netphen im Siegerland.

Ansonsten allerdings interessierten sich Richard Hummel und Werner Hertwig eher für den schließlich im Rhein endenden Unterlauf des Flusses, der auf seiner ganzen Länge von gut 245 Kilometern gleich durch drei Bundesländer fließt: Nordrhein-Westfalen, Hessen und Rheinland-Pfalz.

Und dort dokumentierten die beiden auf ihren Bildern das, wofür die Lahn in ihren Augen steht: Neben reichlich Wasser sind dies „insbesondere sehr schöne Ort- und Landschaften, enge, dicht bewaldete Täler – und nicht zuletzt ganz tolle und überaus sehenswerte Städte“. Städte wie Marburg, Wetzlar (als Wiege der Leica für Fotografen ein Muss), Nassau oder Limburg, um nur eine kleine Auswahl zu nennen.

Gogol, Offenbach, Kaiser Wilhelm

Oder Bad Ems, ein Ort, an dem, und nun schweifen wir ab, nicht nur Kaiser, Zaren und Könige zur Kur weilten, sondern Götter der russischen Literatur des 19. Jahrhunderts wie Fjodor Dostojewski, Nikolai Gogol oder Iwan Turgenjew; und kein Geringerer als Jacques Offenbach leitete zwölf Jahre lang die Kurkapelle.

Auch Weltgeschichte wurde, eigentlich sogar im Wortsinn, von dort aus geschrieben. Denn so segensreich wie Emser Salz für die oberen Atemwege sein mag, so kriegsfördernd am Ende wirkte sich 1870 die sogenannte Emser Depesche aus, eine gewissermaßen aus dem Kurpark heraus von Kaiser Wilhelm I. lancierte und von Reichskanzler Otto von Bismarck sodann absichtsvoll sinnverkürzt freigegebene Pressemitteilung.

Dies und noch mehr findet sich zwar nicht in den Texten, die die Bilder der Ausstellung begleiten, man kann sich das aber über diese hinaus vorstellen. Denn Fotografien erzählen ja bei Weitem nicht nur das Offensichtliche, sondern auch Geschichten zwischen den Zeilen und nicht selten gerade solche, die einem urplötzlich wieder einfallen.

Zwei Wege in einen Verein

Als fotografische Erzähler aus dem Hause der Herbrechtinger Fotofreunde sind die Autoren der Ausstellung auffallend unterschiedlich lange unterwegs: Hummel nunmehr schon 33 Jahre, Hertwig hingegen vergleichsweise kurze zehn. Noch unterschiedlicher wird es, wenn die Herren erzählen, wie sie in den beachtliche 55 Mitglieder im Alter zwischen 30 und 85 Jahren zählenden Klub gelangten.

Beide übrigens auf durchaus spektakulär zu nennende Art und Weise. Richard Hummels Einstieg war ein vom Verein ausgeschriebener Fotowettbewerb, den der Giengener auf Anhieb gewann. Und Werner Hertwig bekam die Mitgliedschaft, wenn man dies etwas überspitzt formulieren möchte, verschrieben. Er erschien, wenn auch letztendlich nicht auf Rezept, so doch immerhin auf Empfehlung seines Hausarztes, der ebenfalls Mitglied der Herbrechtinger Fotofreunde ist.