Heidenheim Bienen im Anflug aufs Kunstmuseum

Anflug aufs Kunstmuseum: Als Teil der dort zu sehenden Ausstellung „Bienenreich“ sind auch fleißige Originale zu betrachten.
Anflug aufs Kunstmuseum: Als Teil der dort zu sehenden Ausstellung „Bienenreich“ sind auch fleißige Originale zu betrachten. © Foto: Arthur Penk
Heidenheim / Manfred Kubiak 07.09.2018
Dem Sound im Bienenreich hat Jeanette Zippel eine eigene Abteilung ihrer derzeit im Heidenheimer Kunstmuseum zu sehenden Schau gewidmet.

Summ, summ, summ... Bienchen summ herum. Wer ganz genau hinschaut, sah und sieht in diesem Sommer in Heidenheim mitunter Bienen Richtung Kunstmuseum fliegen. Schnurstracks. Und das hat seinen Grund. Sie wohnen dort. Auf dem Dach des Museums ist nämlich parallel zu der dort seit Juli zu sehenden Ausstellung „Bienenreich“ ein Bienenvolk eingezogen.

Und während drinnen im Haus Jeanette Zippel die Biene als solche, ihr Tun und Leben und ihre Beziehung zu uns Menschen in allen erdenklichen Facetten künstlerisch reflektiert und interpretiert, gehen draußen in und rund um einen originalen Bienenkasten, den die Künstlerin, die auch Imkerin ist, ihnen zur Verfügung gestellt hat, diese sprichwörtlich fleißigen Insekten ihrem Tagwerk nach. Wobei man ihnen durch das Fenster eines der Ausstellungsräume im ersten Stock des Kunstmuseum wunderbar dabei zusehen kann, wie sie in einem schier endlosen Kommen und Gehen das Flugloch ihres Zuhauses passieren.

Der Gesang der Königinnen

Das Zimmer mit Ausblick beinhaltet freilich nicht nur diesen, sondern birgt einen speziellen und ganz Erstaunlichen Aspekt dieser Ausstellung. Es geht dort, grob formuliert, um Kommunikation. Nun hat man vielleicht noch aus der Schule parat, dass Bienen sich mittels Schwänzeltänzen verständigen. Dass Bienen freilich auch miteinander sprechen, obwohl sie über keinerlei Sprachwerkzeuge verfügen, und dass sie gleichzeitig einander auch verstehen, ohne im Besitz von Ohren zu sein, hört sich schon weniger bekannt an.

Und klingen tut es, legt man die Messlatte menschlicher Begriffe an, absolut exotisch. Wer jemals Nächte im tropischen Regenwald verbracht hat, wird sich unweigerlich daran erinnert fühlen, wenn er den mit drei in Alter und Ehren ergrauten Bienenkästen bestückten Raum im ersten Stock des Kunstmuseums betritt. Es keckert, gackert, quakt und kreischt dort. Allerdings nicht fortissimo, sondern eher wie durch einen weichzeichnenden Filter gehört.

Und überstrahlt wird die aus den Kästen dringende Klangkulisse vom Gesang der Bienenkönigin, wahrzunehmen als eine Art Fiepen, das sich in der Tonhöhe über die anderen Geräusche emporschwingt und von eher dumpf klingende Antworten grundiert wird. Der hohe Ton, in der Fachsprache das Tüten genannt, kommt von der zuerst geschlüpften Königin, die über die Waben läuft, gegen die sie ihren Hinterleib presst, wobei durch den hierdurch entstehen Luftdruck dieser spezielle Ton erzeugt wird. Der dumpfe Ton, das sogenannte Quaken, ist die Reaktion der nach wie vor in ihren Wabenzellen steckenden, noch nicht geschlüpften anderen Königinnen, die, wenn sie Pech haben und die Arbeiterinnen es zulassen, was von der Schwarmstimmung des Volkes abhängt, von der zuerst geschlüpften Königin in ihren Zellen abgestochen werden.

Der, wenn man so will, Soundtrack dieser Ausstellung setzt sich aber nicht nur aus dem Tüten und Quaken der designierten oder nur potenziellen Königinnen zusammen, sondern wird durch Stimmgeräusche oder Gesänge aus dem Munde von Jeanette Zippel abgeschmeckt, die wiedergibt, was sie als Imkerin schon selber von Bienen gehört hat oder wozu sie vom Gesang der Königinnen inspiriert worden ist. Und wie so oft macht's dann auch hier die Mischung.

Jeanette Zippel über „Bienenreich“

Das passende Lied zur Biene

„Summ, summ, summ“ ist eines der bekanntesten deutschen Kinderlieder. Den Text verfasste um das Jahr 1835 August Heinrich Hoffmann von Fallersleben, von dem auch der Text der deutschen Nationalhymne stammt. Die Melodie des Liedes folgt wohl einer Volksweise aus Böhmen, die erstmals 1825 aufgezeichnet worden sein soll:

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