Heidenheim / Hendrik Rupp Der immer kleiner werdende Zirkel von Gastronomen kann das beliebte Fest auf dem Schloss nicht mehr stemmen – nicht zuletzt wegen überbordender Auflagen und immer mehr Bürokratie.

Frank Widmann holt tief Luft und sagt, was gesagt werden muss: „Wir haben es uns nicht leicht gemacht“, sagt der frühere „Löwen“-Chef und Kopf des Wirtekreises: „Aber das Wirtefest wird es nicht mehr geben“.

Gemeinsam mit Lorenz Lindenmeyer („Weißes Rössle Königsbronn“), Uwe Hoffmann (Hotel Hoffmann Herbrechtingen), Melanie Maier („Kreuz“ Steinheim) und Evelyn Scherff („Pfauen“ Heidenheim) überbrachte Widmann die schlechte Nachricht gestern Abend der HZ. Das Heidenheimer Wirtefest, das 1998 seine Premiere hatte und im Vorjahr zum 20. Mal stattfand – es ist Geschichte.

Was ist passiert? Noch im vorigen Jahr kamen gut 20 000 Gäste ins Schloss, das Wetter stimmte und die Kasse stimmten auch. „Wenn es so weiter gehen würde, ginge es auch weiter“, sagt Widmann. Doch es geht nicht so weiter: Die Familie Maier muss aus Rücksicht auf den Hotelbetrieb aus dem Wirtefest aussteigen, die Familie Lindenmeyer schließt das „Rössle“ in Königsbronn. Vom einst zehn Betriebe umfassenden Wirtekreis sind dann noch drei übrig: „Und zu dritt ist das nicht zu stemmen“, so Widmann.

Bildergalerie Das Wirtefest 2017

Erst recht nicht im Jahr 2018: Reihum klagen die Gastronomen über immer mehr Auflagen und Bürokratie. Peinlich genaue Messungen des Wirtschaftskontrolldienstes sind damit nur am Rande gemeint, viel stärker wirken sich Auflagen beim Personal aus: Das erfahrene Personal darf kaum noch Überstunden machen, Aushilfen muss man tagelang vorher anmelden, falls man es denn überhaupt bekommt. „Vor drei Jahren haben wir beim Landratsamt mal gefragt, ob es für das Fest nicht eine Ausnahme geben könnte“, erzählt Evelyn Scherff. Es gab keine.

„Mit den Kollegen vom Kreuz und vom Rössle fehlt uns extrem viel Personal“, sagt Frank Widmann. Aber warum hat der Wirtekreis nicht nach neuen Mitgliedern gesucht? „Wir haben jahrelang jeden gefragt, der infrage kam“, sagt Widmann – selbst Kollegen aus Nachbarkreisen wollte man gewinnen. „Alles Fehlanzeige“, sagt Widmann: Jüngere Gastronomen seien oft vollkommen mit den eigenen Häusern beschäftigt, ein Fest, das bei schlechtem Wetter auch mal ein Reinfall sein könnte, tue sich niemand mehr an.

Keine echte Neukonzeption

Man dachte an Kooperationen mit Bäckern, erweiterte das Fest um die „Schlosswächterparty“ der HZ, was den Aufwand besser umlegte. Doch eine echte Neukonzeption kam nie zustande: „Wir hätten das nochmal geschultert, wenn wir eine Perspektive hätten, doch es kommt niemand mehr dazu.“ Da helfe dann auch die Hilfe der Stadt nicht, die den Wirten zuletzt soweit wie möglich entgegengekommen sei.

Bildergalerie Das Essen auf dem Wirtefest 2017

„Was wir mit dem Wirtefest erleben, ist ein Indikator dafür, wie es um die Gastronomie steht“, sagt Widmann, der sich wie seine Kollegen vor allem über die Bürokratie ärgert: „Unsere Arbeitszeiten bestimmt allein der Gast.“ Lorenz Lindenmeyer ergänzt: „Wenn jemand nebenher bei mir arbeitet, darf er nach einem Tag im Büro nur noch zwei Stunden aushelfen.“

Seit dem Winter hat der Wirtekreis über die Zukunft des Festes gegrübelt: „Wir haben wirklich alles überlegt“, sagt Uwe Hoffmann: Doch ein Wirtefest mit Pommesbuden sei ebenso unvorstellbar wie ein verkleinertes Fest in der Stadtmitte: „Die Idee war, in der Kulisse des Schlosses gute Küche zu bieten. Wenn das nicht mehr machbar ist, müssen wir aufhören.“

Entweder gut oder gar nicht

Allen Wirten ist es wichtig, dass sie die Entscheidung gemeinsam trafen und hinter dem Aus des Festes auch keine Zerwürfnisse stehen: „Den Wirtekreis werden wir erhalten, es gibt ja auch unsere Gutscheine, und vielleicht wächst der Kreis eines Tages ja auch wieder“, so Uwe Hoffmann, der die besondere Wehmut der Köche auf den Punkt bringt: „Es waren 20 schöne Jahre, und wir haben zumindest immer im Trockenen aufgebaut.“

Im Rathaus hat Oberbürgermeister Bernhard Ilg den Schritt der Wirte „mit größtem Bedauern“ zur Kenntnis genommen. Das Wirtefest sei ein absolutes Highlight mit regionaler Ausstrahlung gewesen.

„Für die Stadt und die Besucher des Festes ist das sehr traurig“, so Ilg. Gleichzeitig könne man die Wirte auch verstehen: „Wenn die Herausforderungen auch durch die Auflagen nicht mehr tragbar sind, kann man niemandem einen Vorwurf machen.“

Der Wirtekreis: über 20 Jahre im Dienst des guten Geschmacks

Zehn Gastronomen aus Stadt und Kreis Heidenheim hoben 1997 den Heidenheimer Wirtekreis aus der Taufe. Neben Aktionen in den eigenen Häusern und beispielsweise gemeinsamen Gutscheinen wurde das erstmals 1998 veranstaltete Wirtefest die Hauptattraktion der Vereinigung.

Eine Zukunft soll der Wirtekreis aber auch ohne Wirtefest haben: Immerhin noch vier Häuser im Landkreis stehen hinter der Vereinigung. Und deren Ziel, gute Küche bekannter zu machen, wurde in den vergangenen 20 Jahren unbestritten erreicht – auf dem Fest, aber auch über das ganze Jahr.