Theater Aus dem Ei im Eis in die Mupfel

Heidenheim / Marita Kasischke 04.12.2017
Das Wintermärchen des Naturtheaters ist „Urmel aus dem Eis“ nach Max Kruse. Die Inszenierung hatte jetzt Premiere im Konzerthaus und geht nun auf Tournee.

„Kinder, können Tiere sprechen?“ Mit dieser Frage begrüßte Thomas Jentscher von der „Heidenheimer Zeitung“ die Besucher der Premiere des Wintermärchens des Naturtheaters im Konzerthaus.

Und siehe da – das junge Publikum war sich uneins: Das überzeugte „Nein“ erschallte ebenso häufig wie ein nicht minder überzeugtes „Ja“.

Bei letzterer Gruppe dürfte es sich wohl um die ausgesprochenen „Urmel“-Kenner handeln, denn schließlich ist das berühmte Kinderbuch „Urmel aus dem Eis“ von Max Kruse (übrigens der Sohn von Käthe Kruse) bereits mehrfach für Bühne und Film umgesetzt worden, zunächst von der „Augsburger Puppenkiste“ bis hin zur modernen Computeranimierung.

Nun also das von der Heidenheimer Zeitung präsentierte Wintermärchen des Naturtheaters, in Szene gesetzt von Ulrike und Christoph Valentin und Cornelia und Arjann Härtner.

Das Vierergespann hat sich der noch immer allerliebsten und witzigen Geschichte liebevoll angenommen und auch bei den Entwürfen für Bühnenbild, Kostüm und Maske mitgewirkt.

Und natürlich hat die Regie auch dafür gesorgt, dass die schon fast legendär zu nennenden Sprachfehler der Tiere in Professor Habakuk Tibatongs Tiersprechstunde auch hier für Lacher sorgen können.

Da ist natürlich vor allem die „Mupfel“, die Pinguin Ping mit neidischem Blick auf Waran Wawas kuschelige, pardon: natürlich „kupfelige“ Muschelbehausung nachdrücklich einfordert. Da ist das bestimmte „Öfföff“, mit dem Haushälterin Wutz ihre Sätze mit gebotener Autorität beendet, da ist der stets trübsinnige See-Elefant oder besser Seele-Fant, der seine Klagelieder nur mit den klagendsten aller Vokalen singt. Und Schuhschnabel Schusch kann kein „i“ und muss auf „ä“ ausweichen, während Wawa Schwierigkeiten mit dem „Z“ hat, das bei ihm nur als „tsch“ über die Lippen will.

Das versetzt die Kinder immer wieder in helles Vergnügen – ein Glück also, dass der Professor mit seinem Sprachunterricht bei den Tieren nicht vollends erfolgreich war.

Muttergefühle für Urmeli

In diese Schar stößt nun das Urmel, nein, es stößt nicht, es schlüpft, liebevoll von seiner künftigen Tierfamilie aus seinem Ei im Eis ausgebrütet. Sogleich wird es ins Herz geschlossen; und Haushälterin Wutz entdeckt gar Muttergefühle für ihr „Urmeli“.

Alles könnte so schön sein, wäre da nicht der König Pumponell von Pumpolonien, der, Tücke der Demokratie, grad vom Thron gestoßen ward und dem gar nichts geblieben ist außer Diener Sami und gähnender Langeweile.

Da kommt die Nachricht vom Urmel wie gerufen, der König stürzt sich ins Großwildjäger-Outfit und ins Abenteuer – und die wilde Jagd beginnt.

Tierfamilie und Publikum zittern vor Sorge um das Urmel, aber, ganz wie es sich für ein Märchen gehört, geht die Geschichte gut aus und alle werden Freunde.

Die drollige Geschichte um das Zusammenleben von Mensch und Tier verfehlte auch hier ihre Wirkung nicht, zumal ein effektives Bühnenbild und einfallsreiche Kostüme und Maske dem Spiel die passende Würze gaben.

Die Spieler haben sichtlich Freude an der Umsetzung: Stephan Fritz zeigt einen schillernden König, der sowohl als Bösewicht als auch als guter Freund taugt, Steffen Vogel als See-Elefant klagt schaurig-schön zum Vergnügen des Publikums. Und das „Urmeli“ (Moritz Holzapfel) ist herzallerliebst in seiner Kindlichkeit.

Tolle junge Akteure

Respekt vor den jugendlichen Schauspielern, die die Tierschüler bei Professor Tibatong (Ralf Käpplinger) und ihre Sprachfehler konsequent umsetzen: Ping Pinguin (Pauline von Fürich) pferzt nicht mit Pfnick-Pfnack um die Mupfel, Waran Wawa (Julian Törke) lässt das „z“ zischen und kümmert sich beherzt um die Urmel-Rettung. Schusch (Manuel Bosch) ist immer wieder hilfreich zur Stelle. Und Corinna Schob als Wutz ist herrlich in ihrer mütterlichen Sorge und Bestimmtheit.

Auch Königsdiener Sami (Harun Bayik) und der Junge Tim Tintenklecks (Jan Cimander) sind mit Feuereifer bei der Sache und machen diese ausgesprochen gut.

Das „Urmel aus dem Eis“ ließ denn auch die Besucher im Konzerthaus keineswegs kalt. Einzig die Laustärke im Sprechen darf noch ein bisschen angehoben werden und vielleicht ist so manche Überleitung, die freilich mit Schautafeln liebevoll gestaltet sind, ein wenig lang geraten.

Ansonsten ist das Wintermärchen des Naturtheaters abermals bestens geeignet, die Adventszeit zu versüßen.

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