Treff Auf dem Zanger Berg sollen Nachbarn zusammenkommen

Heidenheim / Nadine Rau 11.01.2018
Wie können sich Bürger gegenseitig besser unterstützen? Auf dem Zanger Berg bietet Evi Lattermann einen offenen Treff an.

Oberbürgermeister Bernhard Ilg betonte jüngst beim Bürgerempfang, dass das Konzept der „Caring Community“ mit einer funktionierenden Nachbarschaft auf die gesamte Stadt ausgedehnt werden soll – dafür muss es aber erst einmal funktionieren. In Großkuchen und im Mittelrain hat das in der Vergangenheit schon gut geklappt, der erweiterte Wochenmarkt und das gemeinsame Mittagessen sind bei den Bürgern beliebt.

Jetzt ist der Zanger Berg an der Reihe. Dort hat Evi Lattermann als Projektkoordinatorin die Räume des ehemaligen „C-Punkt“ der Caritas renoviert und mit größtenteils gespendeten Möbeln einen gemütlichen Stadtteiltreff eingerichtet.

Im November hat die 48-Jährige erstmals die Türen geöffnet, jetzt nach Weihnachten lockt sie mit dem Angebot, dass die Nachbarn ihre Geschenke tauschen können. „Vorhin kam eine Dame und hat ein Bastelset abgegeben. Sie sagte, dass sie als Handarbeitslehrerin schon genug im Leben gebastelt habe und sich freuen würde, wenn jemand anderes mehr damit anfangen könne“, erzählt Lattermann.

Zweimal pro Woche geöffnet

Zweimal pro Woche ist der Stadtteiltreff ab jetzt geöffnet, immer donnerstags und montags zwischen 14.30 und 17 Uhr. Die Anwohner können auf einen Kaffee oder einen Plausch vorbeikommen und im Raum nebenan, wo sich mittlerweile viel angesammelt hat, ungenutzte Dinge abgeben und andere mitnehmen. Es gibt auch eine Küche und im Keller einen weiteren großen Raum, den die Besucher bald nutzen können.

Denn: Auf lange Sicht soll es am Zanger Berg nicht beim Kaffee bleiben. „Bald ist eine Tanzgruppe hier und Seniorengymnastik wird auch stattfinden“, erzählt Lattermann. Ein gutes Stichwort – denn um Senioren geht es der Koordinatorin neben der Herausforderung, unterschiedliche Kulturen an einen Tisch zu bringen, ganz besonders. „Wir sind eine alternde Gesellschaft und müssen deshalb mehr füreinander da sein. In zwei Generationen sollte alles so perfekt sein, dass ältere Leute mit der Hilfe ihrer Nachbarn noch lange zu Hause wohnen bleiben können.“ Aufeinander achten, so sagt sie weiter, könne man nur, wenn man sich kenne – und deshalb sei der Stadtteiltreff so wichtig.

Senioren im Fokus

Seit Juli 2017 ist Lattermann, die als Einkäuferin aus der Textilbranche kommt, nicht nur für den Treff am Zanger Berg, sondern auch für Großkuchen und den Mittelrain zuständig. Eigens für einen solchen Posten hat die 48-Jährige dafür 2011 noch damit angefangen, Sozialmanagement zu studieren.

Gemeinsam mit Emma Sapper hat sie während des Studiums den Kleiderladen des Roten Kreuzes in der Giengener Marktstraße gegründet, außerdem hat sie schon mehrmals den „Sozial-Adressführer“ der Stadt Heidenheim herausgebracht und sich etwa beim Freundeskreis Asyl engagiert. Damit ist Lattermann gut vernetzt und versucht nun, verschiedene Leute zusammenzubringen und ihr Wissen weiterzuvermitteln. Die Ideen, das merkt man sofort, gehen ihr dabei nicht aus.

„Ich informiere die Bürger über alles mögliche, über praktische Gegenstände im Alltag zum Beispiel, die nicht immer viel Geld kosten müssen, ich will mit einer Gruppe eine barrierefreie Musterwohnung in Stuttgart anschauen gehen, ich will es schaffen, dass Senioren und Kinder gemeinsam basteln – bisher machen das nur die Kinder –, ich berichte den Bürgern von Ehrenamtlichen wie den Herz- und Zeitverschenkern und ich habe hier schon zig Platten aus den 70er Jahren bekommen. Jetzt fehlt nur noch der Plattenspieler – dann könnten wir sie gemeinsam anhören.“

Ehrenamtliche Helfer gesucht

Kurz gesagt: „Man kann das hier auf jede Art mit Leben füllen.“ Weil Lattermann nicht alles alleine machen kann, ist sie auf ehrenamtliche Helfer angewiesen. Ein paar Studentinnen haben ihr beim Streichen geholfen, auch Übungsleiter für die Seniorengymnastik hat sie bereits gefunden. Es waren auch schon Bürger da, die sich vorstellen können, etwas anzupacken, das Problem sei Lattermann zufolge, dass keiner Verantwortung übernehmen wolle.

Gut, dass das zumindest für den kleinen Tausch-Laden nicht nötig ist, der deshalb auch schon einwandfrei läuft. Die Anwohner bringen Bücher, Puzzles, Blumentöpfe, Bettwäsche und Spielzeug für kleine Kinder. Vor allem ältere Damen kommen vorbei und holen davon etwas für ihre Enkelkinder.

Auch wenn es jetzt eigentlich schon ganz gut läuft, ist das für Evi Lattermann noch lange nicht genug. Als nächstes hängt sie eine große Pinnwand auf, über die die Anwohner mittels Zetteln auch größere Gegenstände suchen und anbieten können. Sie ist ein großer Fan davon, nachhaltig zu wirtschaften und deshalb viel untereinander zu teilen. „Das funktioniert in der Großstadt – und das soll auch hier möglich werden.“

Was ist die „Caring Community?“

„In guter Nachbarschaft – Caring Community“ ist Teil eines großen Programms, an dem ausgewählte Städte teilnehmen und das von Stiftungen sowie vom Bundesfamilienministerium bis Ende 2019 mit zwei Millionen Euro gefördert wird. Vor Ort ist dieses Konzept von der Dualen Hochschule und der städtischen Koordinierungsstelle für bürgerschaftliches Engagement erarbeitet worden und wird aktuell in Großkuchen, im Mittelrain und auf dem Zanger Berg umgesetzt.

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