Heidenheim / Andreas Uitz  Uhr
Mit einem großen Masterplan wurden 2017 große Visionen für die Zukunft Heidenheims gezeichnet. Nach zwei Jahren sind schon etliche Schritte hin zur Veränderung eingeleitet, auch wenn sie noch nicht sichtbar sind.

Würde, wer sich Anfang 2017 in eine Zeitmaschine gesetzt hätte und 2024 wieder in Heidenheim landet, die Stadt noch wiedererkennen? „Wiedererkennen schon, aber es hätte sich sehr viel verändert“, ist sich Oberbürgermeister Bernhard Ilg sicher.

Bei einer Zwischenlandung im Hier und Jetzt wäre das wohl nicht der Fall, denn in den vergangenen zwei Jahren hat sich in der Innenstadt kaum etwas getan. „Aber die wichtigsten Veränderungen sind angeschoben und wir sind auf einem guten Weg“, betont Ilg.

Zahlreiche Handlungsfelder

Gemeint sind damit die Visionen für Heidenheim, die Verwaltung und Gemeinderat im sogenannten „Leitbild Innenstadt 2014“ manifestiert haben, und das im Januar 2017 vorgestellt wurde. Das umfasst ganz konkrete Ziele und Handlungsfelder, wie sich die Stadt verändern soll. Ein dazugehöriger Masterplan soll dazu dienen, die richtigen Schritte hin zum Ziel zu beschreiben. Denn wichtig war bei den Überlegungen, dass alle Veränderungen gut koordiniert und ineinander verzahnt sind.

Klingt alles sehr theoretisch und wenig greifbar. Doch die Ziele sind recht schnell benannt: Weniger Verkehr in der Innenstadt, neue Wegeverbindungen und Achsen in die Innenstadt, mehr Grün- und Freiraum, ein DH-Campus, die Vermeidung von Leerständen, attraktiveres Wohnen in der Oststadt und eine attraktivere Innenstadt mit mehr Aufenthaltsqualität für die Menschen.

Einzelhandelskonzept ist fertig

Viel gelobt wurden damals die ehrgeizigen Pläne, das Gesicht Heidenheims über Jahrzehnte hinaus zu verändern und zu prägen. Doch was ist bisher geschehen? „Das neue Einzelhandelskonzept wurde erfolgreich zum Abschluss gebracht“, sagt Ilg. Das schaffe die rechtliche Grundlage, die es der Verwaltung ermöglicht, die Ansiedlung von Gewerbe zu steuern. „Manche Branchen sollen eher in die Peripherie, andere in die Innenstadt“, erklärt Ilg. Mit dem Gutachten wolle man einen Beitrag leisten für einen attraktiven Einzelhandel. Aber auch hier ist die Stadt nicht allmächtig, kann nicht selbst attraktive Geschäfte eröffnen. „Wir sind in Gesprächen mit dem Handel um die Situation zu verbessern. Aber wir können nur die Voraussetzungen schaffen, am Ende muss jeder sein Wohnzimmer selbst einrichten“, so der OB. Er verweist jedoch auch darauf, dass alle Städte in der Liga Heidenheims aber auch größere mit den gleichen Problemen in ihren Innenstädten zu kämpfen hätten.

Einer der Punkte aus der Planung ist jedoch nicht mehr aktuell: Auf dem ehemaligen Stowe-Woodward-Areal hatte man sich vor zwei Jahren noch Handel vorstellen können. „Davon haben wir uns verabschiedet“, so Ilg. Doch was soll mit den Hallen geschehen, die schon seit Jahren in städtischem Besitz und weitgehend ungenutzt sind? „Derzeit gibt es keine Überlegungen wir warten ab, bis jemand kommt und eine gute Idee hat“, sagt der OB. Einen langen Atem zu haben, habe sich auch bei der Neuplanung für das WCM-Areal gelohnt.

Mehr Freiräume

Zur Verbesserung der Gesamtsituation soll auch ein weiterer Pfeiler im Leitbild beitragen: die städtebauliche Veränderung in der Innenstadt. Mit dem Plan, das Rathaus zu sanieren und parallel dazu ein neues Umfeld, Plätze und Freiräume hin zur Hauptstraße zu schaffen, sei man auf einem guten Weg. Diese Ziele umzusetzen werden zwar Jahre dauern, aber die richtigen Schritte seien eingeleitet, so Ilg.

Als sehr bedeutend bezeichnet der Oberbürgermeister die Aufstellung eines neuen Verkehrsentwicklungsplans. Auch der sei bereits angelaufen. Voruntersuchungen und Analysen der Verkehrsströme bildeten wichtige Grundlagen für einen neuen Plan. „Ich denke, dass wir hier noch im Laufe des Jahres Ergebnisse haben werden, mit denen wir dann weiter arbeiten können“, sagt Ilg. Bei den Untersuchungen geht es auch darum, wie sich Schwerlastverkehr weitgehend aus der Innenstadt verbannen lässt, ob ein Tunnel Sinn machen könnte und ob die Verkehrsströme komplett neu gelenkt werden sollen. Im Fokus steht dabei natürlich auch der Fuß- und Radverkehr.

Mit einem großen Masterplan wurden 2017 große Visionen für die Zukunft Heidenheims gezeichnet. Nach zwei Jahren sind schon etliche Schritte hin zur Veränderung eingeleitet, auch wenn sie noch nicht sichtbar sind.

Duale Hochschule spielt große Rolle

Einen weiteren Punkt in der Liste sieht Ilg schon abgearbeitet: Die Entwicklung des Ploucquet-Areals und des Bereichs an der Stadtwaage. Hier fehle noch die Neugestaltung des Brenzufers, denn die Brenz soll als Achse vom künftigen DH-Campus auf dem WCM-Areal in die Innenstadt dienen. Eine weitere Verbindung, so die Überlegung, soll eine Brücke schaffen, die vom künftigen Neubau der DH in Richtung Innenstadt führt. „Dadurch, dass die Planung für die Duale Hochschule und die angrenzenden Bereiche jetzt immer konkreter werden, sind wir auch hier auf einem sehr guten Weg zu einer städtebaulichen Neuordnung“, sagt Ilg.

Vieles sei angestoßen und auf den richtigen Weg gebracht, bilanziert Ilg die ersten beiden Jahre seit Verabschiedung des städtebaulichen Leitbilds. Gleichzeit betont er, dass der Weg zur Veränderung noch lang ist. „Aber wir wollen alles richtig machen, sodass am Ende alles stimmig ist“, sagt der OB. Auch an den Gedanken, dass nicht alles funktioniert, wie es gedacht war, werde man sich gewöhnen müssen. Denn vor allen Dingen wenn Gebäude, die städtebaulich eine Rolle spielen, nicht im Eigentum der Stadt sind, sei die Verwaltung nicht Herr des Handelns.

Stadtverwaltung und Händler sorgen sich um die Attraktivität der Heidenheimer Hauptstraße und wollen gemeinsam handeln. Kurz- und längerfristige Veränderungen sollen die Situation verbessern.

Fünf Säulen und 21 Handlungsfelder

Das städtebauliche Leitbild „Innenstadt 2024“ beruht im Wesentlichen auf fünf Säulen, die parallel zueinander entwickelt werden sollen und somit ein gemeinsames Ganzes bilden: Verkehr, Einzelhandel, Wohnungsbau, Wirtschaft und neues Stadtbild.

Umgesetzt werden sollen die einzelnen Ziele mit Hilfe eines Masterplans, der wiederum 21 Handlungsfelder definiert. Ziel ist, nicht an einzelnen Stellen Veränderungen vorzunehmen, sondern einen Korridor von 800 Metern Breite rechts und links der Brenz im Auge zu behalten und als Ganzes zu betrachten.

Hier soll es gelten, durchbrochenes zusammenzuführen, neue Verbindungen zu schaffen und Zusammenhänge herzustellen. Das Leitbild soll der Stadt grundsätzlich Orientierung geben und darf nicht scheitern, wenn einzelne Vorhaben nicht wie geplant umgesetzt werden können. ui