Heidenheim Auf Behinderte kommt riesige Papierflut zu

Hilfe für Pflege: Die Ausgaben für den Landkreis steigen weiter.
Hilfe für Pflege: Die Ausgaben für den Landkreis steigen weiter. © Foto: Archiv
Heidenheim / Günter Trittner 03.12.2018
Die neue Art der Selbstbestimmung von Menschen mit Handicap beschert Arbeit. Die Sozialhilfekosten im Landkreis Heidenheim bleiben auf hohem Niveau.

Das im Bundesteilhabegesetz rechtlich stärker verbriefte Selbstbestimmungsrecht von Menschen mit Behinderung hat auch Folgen für die Landkreisverwaltung. Um ihren Hilfebedarf zu verdeutlichen, müssen Menschen mit Behinderung einen 60seitigen Fragebogen ausfüllen. Dies alle zwei Jahre. Ausgewertet wird dieser im Landratsamt Bei gut 900 Personen, welche derzeit Eingliederungshilfe beziehen, macht das 54 000 Seiten Papier für die Verwaltung je Durchgang.

Ein zweiter Blick lohnt sich

Matthias Schauz, der Dezernent für Jugend im Soziales im Landratsamt, erntete beim Ausschuss für Bildung und Soziales bei diesen Zahlen keinen Widerspruch auf seine Forderung nach mehr Personal. Zusätzliche Stellen aufgrund veränderter Schlüsselvorgaben und Tariferhöhungen sind es denn auch, welche den Sozialhaushalt wieder auf das schon gewohnt jährliche Rekordniveau hieven.

Auf 45,89 Millionen Euro steht der Planansatz für 2019. Das macht ein Plus von 2,8 Prozent zum Vorjahr. Laut Matthias Schauz lohnt aber ein zweiter Blick. Denn zieht man die Leistungen für Flüchtlinge ab, welche dem Landkreis im wesentlichen erstattet werden, dann liegen die Sozialausgaben um 400 000 Euro unter dem Vorjahr und damit bei etwa 44,2 Millionen Euro.

Weniger Fallzahlen, dennoch mehr Ausgaben

Dank dem Pflegestärkungsgesetz gehen die Fallzahlen bei der Hilfe zur Pflege leicht zurück. In 428 Fällen wurde eine solche im vergangenen Jahr gewährt. Zeitgleich steigt aber wegen der oben angeführten Gründe (Tarif und mehr Personal) der finanzielle Aufwand auf nun 6,03 Millionen Euro.

Ganz andere Werte ergeben sich bei der Eingliederungshilfe für Menschen mit Behinderung. Der erwartete jährliche Rekordwert bei den Nettoausgaben liegt 2019 bei 25,77 Millionen Euro (Vorjahr 24,51 Millionen Euro. Dabei sind die Fallzahlen nahezu konstant und seit 2014 sogar deutlich gefallen. Bei den Aufwendungen, so Schauz, habe man sogar „äußerst konservativ gerechnet“.

Zu den steigenden Kosten tragen laut Schauz die zunehmend komplexeren Anforderungen, hohe Einzelfallkosten und die vermehrte Inklusion von Kindern in Kitas und Schulen bei. Es stecken aber auch zwei zusätzliche Personalstellen für das Fallmanagement drin.

Und dann gibt es auch noch Erfreuliches

Als erfreuliches Zeichen nahm es das Gremium, dass die Fallzahlen bei den Bedarfsgemeinschaften von 3356 auf 3132 deutlich gefallen sind. „2019 wird das konstant bleiben“, war Schauz zuversichtlich. Nachdem das Land bei seinen Zuwendungen noch nachgebessert hat, muss der Landkreis noch zirka 7,8 Millionen Euro für die Kosten der Unterbringung für diesen Personenkreis aufwenden.

Generell versicherte Schauz, nutze man alle Stellschrauben, um die Zahlen im Sozialetat positiv zu beeinflussen. Angesichts einer im Raum stehenden Kürzung bei den Personalausgaben bei der Frühförderstelle wünschte sich SPD-Kreisrätin Birgit Koepsel einen Bericht über diese. Just hier sollte man nicht sparen. „Denn hier fängt es an“. Wenn Kinder gut aufwachsen, könnten viele spätere Hilfezahlungen vermieden werden.

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel