Heidenheim Heidenheimer legen Buch zur Nachkriegszeit neu auf

Mutter, Kauffrau, Betriebs- und Gemeinderätin – Elvira Muschler hat in ihrem Leben viel erreicht. Auch ein Buch hat die 84-Jährige herausgegeben.
Mutter, Kauffrau, Betriebs- und Gemeinderätin – Elvira Muschler hat in ihrem Leben viel erreicht. Auch ein Buch hat die 84-Jährige herausgegeben. © Foto: Tina Lischka
Heidenheim / Tina Lischka 14.08.2018
In „1944 - 1955 . . . und trotzdem: Weiter!“ schreiben Elvira Muschler und andere Mitglieder der Seniorenakademie über die Nachkriegszeit.

Elvira Muschler lehnt sich zufrieden in ihrem Sessel zurück. „Ich genieße mein Leben, so wie es ist“, sagt die 84-Jährige. Sie ist mit sich im Reinen, hat nach eigenen Angaben im Leben nie ein Blatt vor den Mund genommen. Beleidigen wolle sie damit nie jemanden – aber, wenn etwas gesagt werden musste, dann hat sie es getan.

Erstauflage erschien 2001

Das hat Muschler bis heute beibehalten. Aus diesem Grund ist nun das Buch „1944 – 1955 . . . und trotzdem: Weiter!“ in seiner zweiten Auflage erschienen. Muschler und andere Mitglieder der Seniorenakademie Heidenheim haben hier ihre Erinnerungen an den Krieg und die Nachkriegszeit bis zum Wirtschaftswunder niedergeschrieben. 2001 erschien bereits die Erstauflage.

Ein Bekannter hat sie nun ermutigt, eine zweite Auflage drucken zu lassen. Von den 1000 Exemplaren der Erstauflagen war nämlich keines mehr übrig. Jetzt sind es nur 300 Neudrucke. Sagen will Muschler damit aber immer noch etwas: Sie will erneut erinnern.

Oftmals schlafe sie abends mit den Gedanken an aktuelle Themen, wie Flüchtlinge, die AfD und den Asylstreit ein. „Wir waren auch mal darauf angewiesen, flüchten zu können“, sagt Muschler. Deshalb könne man nie oft genug sagen: „Da war doch mal was. Das darf nie wieder passieren.“ Jeder Einzelne müsse verhindern, dass sich die Geschichte noch einmal wiederhole.

Verarbeiten durch Schreiben

Das Schreiben des Buches war für Muschler ein emotionales Erlebnis. Schon bevor es fertig war, sei sie von den einzelnen Manuskripten der anderen Mitglieder berührt gewesen. Vor allem aber beim Schreiben ihres eigenen Beitrags sei ihr bewusst geworden: „Ich hatte das alles in mir, die ganze Zeit. Und ich hatte es noch nicht verarbeitet.“ Die Erinnerung an Krieg, Armut und Not aufzuschreiben, habe ihr dabei geholfen, das Erlebte zu verarbeiten. Die Lehre, die sie daraus gezogen hat: „Über alles offen reden. Immer mit dem Willen, zu einem guten Ende zu kommen.“

Neben den Erfahrungen und Erlebnissen der Mitglieder der Seniorenakademie sind auch Beiträge von Hanns Voith und Ernst Linse im Buch aufgenommen. Außerdem folgen auf den letzten Seiten Notrezepte und Überlebensstrategien.

Bei Lesungen, die in nächster Zeit starten sollen, will Muschler Interesse am Buch wecken. „Ich werde überall lesen, wo es gewünscht wird“, sagt sie und lacht.

Zur Person

1934 wurde Elvira Muschler in Kitzingen geboren.

1943 zog sie mit ihrer Familie nach Schnaitheim und begann 1950 eine Ausbildung zur Kauffrau.

Sie ist Mutter von sechs Kindern und zog diese nach ihrer Scheidung allein groß.

1965 begann sie mit der Arbeit bei der Firma Siemens und trat der IG Metall bei. Als Betriebsrätin beschäftigte sie sich unter anderem mit Frauenfragen.

1974 bis 1982 war sie SPD-Gemeinderätin und engagierte sich kommunalpolitisch.

2007 erhielt Muschler als erste den Clara-Zetkin-Preis.

In der Seniorenakademie ist sie seit 1998 aktiv.

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