Heidenheim / Silja Kummer  Uhr
Auch Waldbesitz verpflichtet: Private Eigentümer müssen aktiv werden, wenn ihre Bäume von Schädlingen befallen werden. Die Forstbehörde kann sonst eine Anordnung erlassen.

Der Borkenkäfer fragt nicht, wem der Baum gehört, in dem er sich niederlässt. Der winzige Käfer lebt unter der Rinde und kann dort das Bastgewebe der Bäume schädigen. Tritt der Schädling in Wäldern privater Besitzer auf, können diese verpflichtet werden, etwas gegen den Befall zu unternehmen. „In den allermeisten Fällen reicht ein Anruf des Försters, damit die Waldbesitzer tätig werden“, berichtet Franziska Maurer vom Fachbereich Wald und Naturschutz im Landratsamt.

In einzelnen Fällen komme es aber vor, dass eine forstaufsichtliche Anordnung ergeht. Das heißt im Klartext: Der Waldbesitzer wird schriftlich aufgefordert, die befallenen Bäume zu fällen und aus dem Wald zu schaffen. Wenn er dieser Aufforderung bis zu einer genannten Frist nicht nachkommt, kann die Forstbehörde die entsprechenden Maßnahmen entweder selbst ausführen oder einen Unternehmer damit beauftragen. Für die Kosten muss der Waldbesitzer aufkommen.

Rechtlich stützt sich diese Anordnung auf das Landeswaldgesetz. In Paragraf 14 ist bestimmt, dass Waldbesitzer dafür Sorge tragen müssen, dass der Wald „pfleglich bewirtschaftet wird“. Tierischen und pflanzlichen Forstschädlingen muss vorgebeugt werden. Treten sie doch auf, ist der Waldbesitzer verpflichtet, sie „rechtzeitig und ausreichend zu bekämpfen“.

Der Borkenkäfer hatte im vergangenen Jahr optimale Lebensbedingungen in hiesigen Wäldern. In diesem Jahr könnte es mindestens genauso schlimm werden, prognostizieren Experten. Rund 43 Prozent der Fläche des Landkreises besteht aus Wald. Von den 26 500 Hektar Wald gehört fast die Hälfte dem Land Baden-Württemberg: 12 400 Hektar sind Staatswald.

Weitere 6100 Hektar gehören den Gemeinden. 8000 Hektar Wald sind in Privatbesitz, wobei 5500 Hektar sogenannten Großwaldbesitzern gehören, die oft auch eigene Forstverwaltungen haben. Diese besitzen jeweils mehr als 200 Hektar. Ein Beispiel dafür ist die Blauwald GmbH, der unter anderem Wald auf dem Härtsfeld zwischen Dischingen und Ebnat gehört.

2500 Hektar Wald im Landkreis teilt sich auf rund 2000 private Besitzer auf. Das bedeutet, dass jeder Kleinwaldbesitzer im Durchschnitt nur eine 1,25 Hektar große Fläche hat. „Dies erschwert oft eine sinnvolle Bewirtschaftung“, sagt Franziska Maurer. Manche Privatwaldbesitzer, die ihren Wald beispielsweise geerbt haben, haben weder forstliche Kenntnisse noch entsprechende Arbeitsgeräte zur Bewirtschaftung.

Deshalb können sich Eigentümer von Kleinprivatwald kostenlos von den staatlichen Forstrevierleitern beraten lassen. Auch die Betreuung des Waldes kann man in die Hände der Unteren Forstbehörde legen, diese Leistungen muss der Waldbesitzer dann aber bezahlen.

Borkenkäfer-Seminar für Waldbesitzer

Ein Seminar für private Waldbesitzer bietet die Untere Forstbehörde am Mittwoch, 8. Mai, von 8 bis 16 Uhr an. Es findet im Forstwirtschaftlichen Hauptstützpunkt Wental in Bartholomä statt. Vermittelt werden dabei Kenntnisse über rindenbrütende Borkenkäfer. Es geht um die Entwicklung der Populationen, die wirtschaftlichen Auswirkungen, darum, wie man den Befall kontrolliert und den Wald vor den Schädlingen schützt. Anmeldungen sind möglich unter Tel. 07321.321-1371 oder per E-Mail: ufb-heidenheim@landkreis-heidenheim.de