Heidenheim / Silja Kummer Die weltweite Aktion „Fridays for Future“ erreicht auch Heidenheim: Anna Prasser organisiert eine Veranstaltung am 15. März, bei der sie auf Zulauf von vielen jungen Menschen hofft.

Als sich im August 2018 die 15-jährige Schülerin Greta Thunberg vor dem schwedischen Reichstag in Stockholm mit einem Schild „Schulstreik für das Klima“ platzierte, ahnte noch niemand, dass dieses Thema auch einmal in Heidenheim eine Rolle spielen könnte. Sieben Monate später ist aus der Protestaktion einer einzelnen Schülerin eine weltweite Bewegung geworden.

Und am Freitag, 15. März, soll es auch in Heidenheim soweit sein: Die 23-jährige Anna Prasser hat eine „Fridays for Future“-Demo angemeldet, bei der die jungen Menschen sich um 11 Uhr am Bahnhof treffen und dann im Demonstrationszug zur Kundgebung vors Rathaus gehen. „Mir ist aufgefallen, dass es in Heidenheim keine politische Jugend gibt“, sagt die ehemalige Waldorfschülerin. Ihr Wunsch ist es, dass auch in Heidenheim sichtbar wird, dass die Jugendlichen sich eine Veränderung in Bezug auf den Klimaschutz wünschen.

Von fünf auf über 1000

Anna Prasser, die Mutter eines fünfjährigen Sohnes ist, lebt derzeit in Ludwigsburg und hat die Stuttgarter „Fridays for Future“-Demos mitorganisiert. „Anfangs haben wir zu fünft demonstriert, jetzt kommen über 1000 Teilnehmer“, erzählt sie.

Die wichtigsten Forderungen der jungen Menschen sind die Einhaltung des Übereinkommens von Paris bezüglich des Klimas, mit dessen Hilfe die Erderwärmung begrenzt werden soll. Der Ausstieg aus der Verwendung von fossilen Brennstoffen gehört ebenso zu den Wünschen der Jugendlichen für ihre Zukunft wie ein Umdenken in der Nutztierhaltung und die Vermeidung von Plastikmüll. „Ich habe Verantwortung für mein Kind und möchte nicht in 50 Jahren gefragt werden, wieso wir damals nichts gegen die Zerstörung der Umwelt getan haben“, sagt sie.

Der politischen Meinung Ausdruck verleihen

Der 18-jährigen Schülerin Jasmin Hmaidi, die das Hellenstein-Gymnasium besucht, geht es genauso: „Der Klimawandel ist kein Thema in der Schule“, beklagt sie. Schon dort könnten die Schüler lernen, wie man ein klimafreundliches Leben führt. „Außerdem haben die Lehrer uns gesagt, dass wir eine politische Meinung brauchen.“

Der könnten die Schüler nun Ausdruck verleihen. Vor schulischen Konsequenzen hat sie keine Angst, dafür findet sie das Anliegen zu wichtig. „Außerdem unterstützt meine Familie das auch“, sagt Jasmin Hmaidi.

Die geschäftsführende Schulleiterin der Gymnasien Ingeborg Fiedler hatte bislang noch nichts von der Heidenheimer „Fridays for Future“-Demonstration gehört. Laut Regierungspräsidium gelte die Schulbesuchspflicht und es gebe keine Genehmigung für Schüler, an den Veranstaltungen teilzunehmen. „Natürlich finden wir es gut, wenn die Schüler sich fürs Klima engagieren, aber nicht während der Unterrichtszeit.“

„Das muss jeder Schulleiter für sich entscheiden, wie er sich verhält“, sagt Gemeinschaftsschulrektor Werner Weber, der geschäftsführender Schulleiter aller übrigen Schulen ist. Wenn die Veranstaltung in Heidenheim stattfinde, müsse man noch einmal thematisieren, ob man Schüler freistellen oder die Demo als Schulveranstaltung deklarieren könne.

Zuspruch bekommen die Schüler von der Freien Waldorfschule: „Wir sind sehr daran interessiert, dass sich Schüler zu mündigen Bürgern unserer Gesellschaft entwickeln und freuen uns darüber, dass sie gesellschaftspolitische Themen von sich aus aufgreifen“, sagt Geschäftsführer Klaus Peinelt-Jordan. Jedoch beachte man als Schule das Neutralitätsgebot und rufe nicht zur Teilnahme an der Veranstaltung auf.

„Wenn Schüler um Befreiung vom Unterricht bitten, prüfen wir diese unter den üblichen Gesichtspunkten und beachten die Einhaltung der Schulpflicht und die Sicherung des Lernerfolges“, so Peinelt-Jordan.

Globaler Streik am 15. März

Zum Schulstreik unter dem Motto „Fridays for Future“ (Freitage für die Zukunft)verabreden sich die Jugendlichen per Whatsapp-Gruppen oder über die App Instagram. Am Freitag, 15. März ist ein globaler Streik geplant, der auf allen Kontinenten und in Deutschland in über 100 Städten stattfinden soll – auch in Heidenheim. Die Schüler hoffen, dass Millionen Teenager protestieren.

Anna Prasser würde gerne noch Mitstreiter für die Organisation in Heidenheim gewinnen. Sie können unter der E-Mail-Adresse heidenheim@fridaysforfuture.de mit ihr Kontakt aufnehmen.