Heidenheim Rhythmische Sportgymnastik: Eine Gala voll Adrenalin und Eleganz

Rund 100 Akteure traten bei der großen Gala der Rhythmischen Sportgymnastik im Heidenheimer Congress-Centrum auf.
Rund 100 Akteure traten bei der großen Gala der Rhythmischen Sportgymnastik im Heidenheimer Congress-Centrum auf. © Foto: Christian Thumm
Heidenheim / Manuela Wolf 03.12.2018
Anja Schadhauser hat für ihren „Winterzauber“ im Heidenheimer Congress Centrum sportliche Glanzleistungen mit Eleganz, Adrenalin und Stimmung kombiniert.

Schon mal an einer Kletterstange festgehalten und den gesamten Körper in die Waagerechte gebracht? Oder auf dem Bauch gelegen, während die eigenen Füße um den Kopf herumspazieren? Ein wirbelndes Diabolo im Flug eingefangen und wieder in die Spur gebracht? Nicht?

Der Einwand, dass das nur absolute Sportskanonen können, ist berechtigt. Der Beifall, den die rund 100 Akteure bei der großen Gala der Rhythmischen Sportgymnastik im Heidenheimer Congress-Centrum am Sonntagabend bekamen, war es auch.

Egal ob Mini oder Profi, allesamt zeigten sie ein hohes Maß an Konzentration und Kraft, an Körperbeherrschung, Fitness und Ausdauer. Wie viele Stunden, wie viele Jahre Training gar für manch gezeigte turnerische und akrobatische Glanzleistungen nötig sind, konnten die Zuschauer nur erahnen. Initiatorin Anja Schadhauser beispielsweise eröffnete den Abend mit einem elfengleichen Tanz auf dem Klavier. Wunderschöner Anblick, beeindruckende Leistung.

Stimmungsvolle Auftritte wie dieser dominierten das Programm. So sorgte Alina Rupel, die, einer Raubkatze gleich, mehrere Meter über dem Boden mit einer gigantischen, aufklappbaren Kugel spielte, für atemberaubende Momente. Und wie süß die kleinen Mädchen der Nachwuchsgruppe auf der Bühne mit ihren und um ihre Papas herum tanzten. Sorgfältig ausgewählte Kostüme und eine fein abgestimmte Bild-, Licht- und Tontechnik machten den „Winterzauber“ an vielen Stellen perfekt.

Langweilig wurde es keine einzige Minute. Denn die rhythmische Sportgymnastik ließ auch anderen Formen von Tanz und Kunst Raum auf der Bühne. Malte Gerhardt gab mit seinem Diabolo richtig Gas und zeigte verblüffende Tricks.

Um ein Vielfaches grobmotorischer, aber nicht weniger anspruchsvoll war der Auftritt der Hip Hop-Gruppe „Keraamika“. Mal bewegten sich die sechs Tänzer steif wie Roboter, dann zeigten sie, dass sie ordentlich Power und Schwung in den Hüften haben.

Beatboxer „Robeat“ führte ganz lässig durch den Abend. „Alles, was ihr hört, kommt aus meinem Mund oder meiner Nase“, sagte er. Der junge Mann schaltete binnen Sekunden um von Rap auf Volksmusik, und spätestens nach einer Strophe „Stille Nacht“ mit Tönen ausschließlich aus den Nasenlöchern hatte er das Publikum auf seiner Seite.

Mit Abstand den wildesten Applaus bekamen die Bundesligaturner vom TV Wetzgau. Zuerst schälten sich die Muskelpakete zu passender Musik die Hemden von den Oberkörpern, dann ließen sie es krachen auf der Bühne. Sie wirbelten beinahe aus dem Stand zwei Meter hoch und höher durch die Luft, drehten Schrauben und schlugen Salti und warfen dabei auch noch lachend Luftküsse ins Publikum.

Lauras Tanz an der Stange hatte da weitaus weniger Tempo. Aber er zeugte von ähnlich viel Kraft, Beweglichkeit und Ausdauer. Geschmeidig wickelte sie ihren Körper um die Stange, klemmte sich mit Zehenspitzen und Fingern in schier undenkbaren Positionen fest.

Wettkampfrichter hätten vermutlich einige Wertungspunkte nicht vergeben. Hier rollte ein Gymnastikball herrenlos über die Bühne, dort endete der vierte Salto in Folge auf dem Hosenboden, ein paar Minis verpassten bei einer größeren Nummer mit Dutzenden Akteuren ihren Einsatz. Aber mit wie viel Spaß die Kinder und Jugendlichen sichtlich bei der Sache waren, das machte jeden Patzer doppelt wett.

Zwei Stunden lang folgte also ein Highlight dem anderen, und es wäre kaum möglich gewesen, das Finale mit noch mehr Anmut, Herzklopf-Momenten oder Akrobatik zu gestalten. Wohl deshalb hatte sich Organisatorin Anja Schadhauser für ein Kontrastprogramm entschieden.

Kostüme in Schwarz und Neonfarbe, wummernder Bass, dazu der inzwischen weltweit bekannte Zahnseidentanz: Alle Akteure zappelten sich gemeinsam die Anspannung aus Kopf und Knochen, übermütig, lachend, glücklich – schöner hätte dieser Abend nicht zu Ende gehen können.

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