Treffen Archäologen aus ganz Deutschland in Heidenheim

Der Weg ins Metallzeitalter: Dr. Martin Burkhardt, Vorsitzender des Heimat- und Altertumsvereins, bei seinem Vortrag.
Der Weg ins Metallzeitalter: Dr. Martin Burkhardt, Vorsitzender des Heimat- und Altertumsvereins, bei seinem Vortrag. © Foto: Jennifer Räpple
Erwin Bachmann 08.11.2013
Wenn Vor- und Frühgeschichte rufen, löst das immer ein beachtliches Echo aus. Hochkarätige Archäologen aus dem gesamten Bundesgebiet kamen am Freitag nach Heidenheim, wo sich einmal mehr zeigte, dass auf diesem geschichtsträchtigem Boden die Vergangenheit eine glänzende Zukunft hat.

Zum 16. Mal schon geriet der Heidenheimer Ratssaal zum Hörsaal. Mit mehr als 200 Anmeldungen war das Publikumsinteresse sehr beachtlich, was zeigt, dass die im Jahre 1977 ins Leben gerufene Vortragsreihe alles andere als eine verstaubte Angelegenheit ist. Nach wie vor bildet die vom Heimat- und Altertumsverein kreierte akademische Veranstaltung, die eng mit den Namen des inzwischen verstorbenen Heidenheimer Ehrenbürgers und Archäologen Kurt Bittel verbunden ist, eine sowohl in der Öffentlichkeit beliebte als auch von der Fachwelt geschätzte Plattform.

Als Mitveranstalterin ist die Stadt Heidenheim ebenso an der Erfolgsgeschichte dieses wissenschaftlichen Treffens beteiligt, bei dem diesmal „die frühe Metallurgie in Mitteleuropa“ beleuchtet wurde. Allein schon das Stichwort „Bohnerz“ zeigt die lokale Bedeutung dieses vorgeschichtlichen Kapitels. „Denn mit der Metallurgie verabschiedeten sich die menschlichen Gesellschaften aus der Steinzeit und traten ein ins Metallzeitalter, in dem wir noch heute leben,“ so die Standortbeschreibung von Dr. Martin Burkhardt, dem ersten Vorsitzenden des Heimat- und Altertumsvereins Heidenheim.

High Tech in der Vorgeschichte. Das Thema selbst wurde von mehreren Wissenschaftlern aus verschiedenen Blickwinkeln beleuchtet. Prof. Dr. Martin Bartelheim von der Universität Tübingen erläuterte die soziale und ökonomische Bedeutung der frühen Metallurgie. Aus Südfrankreich, von der Université de Toulouse, war Privatdozentin Dr. Barbara Regine Armbruster gekommen, um Fragen der Gestaltung, Herstellung und der sozialen Funktion prähistorischer Goldschmiedearbeiten zu behandeln. Speziell die Wege des Eisens von ihren Herstellungszentren zu den früheisenzeitlichen Siedlungen beschrieb Dr. Roland Schwab vom Curt-Engelhorn-Zentrum Archäometrie in Mannheim. Und Assistenzprofessor Dr. Gert Goldenberg von der Universität Innsbruck war's, der über neueste Forschungen über den prähistorischen Kupfererzbergbau in den Alpen zu berichten wusste.

Im fachlichen Auditorium fanden sich gleich reihenweise die Koryphäen dieses vor- und frühgeschichtlichen Fachgebiets sowie wissenschaftliche Prominenz: Professor Dr. Dieter Planck beispielsweise – ein renommierter, gerade in Heidenheim von früheren Ausgrabungskampagnen her gut bekannter Archäologe. Und Dr. Jörg Biel aus Esslingen, langjähriger Landesarchäologe, der mit Heidenheims Unterwelt ebenfalls bestens vertraut ist, darüber hinaus das weltberühmte Fürstengrab von Hochdorf ausgegraben hat. Nicht zuletzt stand auch der Name Nicholas Conard auf der Teilnehmerliste – jener Professor, der für die Entdeckung und Präsentation der bislang ältesten Kunstwerke der Menschheit aus dem Lonetal und von der Blaubeurer Alb verantwortlich ist.

All diese und andere Prominenz mischte sich am gestrigen Abend dann mit vielen gesellschaftlichen Größen der Stadt, als Oberbürgermeister Bernhard Ilg die in den Wissenschafts-Gipfel eingebundene Verleihung des Kurt-Bittel-Preises vornahm.