Heidenheim Apotheker beleidigt Postbotin: 2000 Euro Strafe

Das Amtsgericht Heidenheim verurteilte einen Apotheker.
Das Amtsgericht Heidenheim verurteilte einen Apotheker. © Foto: Archiv
Heidenheim / Sandra Gallbronner 06.12.2018
Weil er ausfallend geworden war, muss ein 61-Jähriger eine Geldauflage in Höhe von 2000 Euro bezahlen.

Mit einer solchen Reaktion hatte die Postbotin nicht gerechnet: Als sie an der Bergstraße eine Sendung zustellen wollte, beschimpfte der Empfänger sie mit Ausrufen wie „Verpiss dich“, „Unmögliches Weib“, „Blöde Kuh“ und beschädigte ihr Dienstfahrrad. Dabei ging die 46-Jährige lediglich ihrer Arbeit nach. Aufgrund des Vorfalls musste sich der 61 Jahre alte Apotheker nun wegen Beleidigung vor dem Amtsgericht verantworten. Das Urteil: eine Geldauflage in Höhe von 2000 Euro.

Der Vorfall ereignete sich Ende August. Die Postbotin betrat die Apotheke und ging auf den Angeklagten zu, um ein Einschreiben zuzustellen. Dafür war eine Unterschrift erforderlich. Doch anstatt zu unterschreiben, reagierte der Mann ungehalten. „Er sagte, ich soll meinen Scheißdreck wieder mitnehmen“, beschrieb die Frau vor Gericht die Situation. „Also habe ich gefragt, ob er die Annahme verweigert.“ Statt einer vernünftigen Aussage, hagelte es jedoch Beleidigungen. Zudem verhängte der Apotheker ein Hausverbot.

Doch auch vor der Tür hatte das Spiel kein Ende: Der Mann schimpfte weiter auf die 46-Jährige ein, begann nach ihrem Dienstfahrrad zu treten, wodurch das Rücklicht beschädigt wurde. Die Postbotin radelte schließlich davon. Zurück blieb ihre Frage nach dem Warum: „Das konnte ich nicht erkennen.“

„Ein einmaliger Ausraster“

Auf diese Frage hat auch der Angeklagte selbst keine Antwort: „Ich weiß nicht, was mich dazu bewogen hat. Ich kann mich nicht mehr genau erinnern.“ Die Tat gab er damit zu, auch, dass er sich abfällig verhalten habe. „Es war eine Reaktion aus gewissen Emotionen heraus“, versuchte er sein Handeln zu erklären. Dabei kam ihm Verteidiger Kai Fuhrmann zu Hilfe: Der Angeklagte habe aufgrund einer schwerwiegenden Krebserkrankung mit enormen psychischen Spannungen zu kämpfen. Eine solche Reaktion sehe ihm nicht ähnlich, so der Rechtsanwalt weiter: „Ich kenne ihn selbst seit einigen Jahren. Er ist ein ausgesprochen ruhiger, ausgeglichener und freundlicher Mensch. Es tut ihm unendlich leid.“ Und der Apotheker ergänzte: „Es war ein einmaliger Ausraster.“

Den Schaden am Fahrrad in Höhe von 50 Euro habe der Apotheker bei der Post bereits bezahlt, sagte Fuhrmann. Zudem habe er sich schriftlich bei der Postbotin entschuldigt. „Ich nehme die Entschuldigung an“, so die Klägerin.

Von der Geldauflage in Höhe von 2000 Euro, die Richter Eberhard Bergmeister verhängte, geht die Hälfte an die Staatskasse. Die übrigen 1000 Euro müssen einem wohltätigen Zweck gespendet werden. Dabei entschied sich der Angeklagte für eine Tierschutzorganisation.

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