Heidenheim / hz Der Bezirksrat der AOK Ostwürttemberg spricht sich gegen die Zentralisierung im Gesundheitswesen in dem von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn vorgelegten Gesetzentwurf zur Kassenwahl aus.

„Gesundheitsversorgung wird vor Ort im lokalen und regionalen Rahmen gestaltet“, erklärt Josef Bühler, Geschäftsführer der AOK Ostwürttemberg den Arbeitgeber- und Versichertenvertretern des Bezirksrates. Das „Faire-Kassenwahl-Gesetz“ würde diese Gestaltung der Gesundheitsversorgung massiv gefährden. Im Gesetzentwurf von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn ist vorgesehen, dass sich alle regionalen Krankenkassen bundesweit öffnen müssen. Das hätte zur Folge, dass sich der Wettbewerb für die Versicherten nur noch um den Preis, sprich um die Höhe des Beitragssatzes drehen würde, so Bühler.

„Die Gestaltung und Steuerung regionaler Versorgung wird es in Zukunft dann aus Kostengründen und fehlender regionaler Verantwortung wohl nicht mehr geben“, warnt Roland Hamm, Vorsitzender des Bezirksrats der AOK Ostwürttemberg.

In der Region Ostwürttemberg hat die Gesundheitskasse schon einiges auf den Weg gebracht. So gibt es beispielsweise ein strukturiertes Behandlungsprogramm für Menschen mit schweren Essstörungen. Die AOK hat diesen Integrierten Versorgungsvertrag zusammen mit Neo entwickelt. „Vor etwas mehr als zehn Jahren kam dieses Angebot zustande, weil Akteure am Werk waren, die die regionalen Strukturen und die Versorgungsdefizite kannten“, erinnert Hamm. Ähnlich gelagert sei es bei dem Integrierten Versorgungsvertrag mit der Belegklinik für Homöotherapie am Klinikum Heidenheim. „Ohne eine regional handelnde Kasse würde es dieses Angebot der anthroposophisch erweiterten Medizin in der Form mit ziemlicher Sicherheit nicht mehr geben“, bestätigt Karl Groß, alternierender Vorsitzender des Bezirksrat der AOK Ostwürttemberg.

Ansprechpartner in der Nähe sollen bleiben

„Vor allem chronisch Kranke und ältere Menschen brauchen eine qualifizierte Betreuung und Beratung mit einem Kundencenter als Anlaufstelle in der Nähe“, so Hamm. Die großen bundesweit geöffneten Kassen hätten diesen Ansatz schon längst aufgegeben.

Der Bezirksrat der AOK Ostwürttemberg beschloss, sich der Resolution des höchsten Selbstverwaltungsgremiums bei der AOK Baden-Württemberg, dem Verwaltungsrat, gegen das geplante ‚Faire-Kassenwahl-Gesetz‘ anzuschließen und fordert eine grundlegende Überarbeitung des Gesetzentwurfs.

„Wir wollen den Erhalt regionaler Versorgungsstrukturen und die Stärkung des Regionalprinzips und keine Schwächung durch Zentralisierung“, zitiert Roland Hamm, der auch Mitglied im Verwaltungsrat der AOK Baden-Württemberg ist, die Forderungen an die Gesundheitspolitiker. „Der Wettbewerb muss um die beste qualitativ hochwertige Versorgung geführt werden und nicht um den Preis von wenigen Zehnteln Zusatzbeitrag.“