Bahnhof Anwohner wünschen sich Wohngebiet statt Getto

Mehrere Schnaitheimer aus dem Wohngebiet Hagen und der Umgebung sammelten fleißig Ideen zur Verschönerung des Bahnhofsareals und waren sich einig: Anstelle des in die Jahre gekommenen Fußgängerstegs sollte ein barrierefreier Bahnübergang her.
Mehrere Schnaitheimer aus dem Wohngebiet Hagen und der Umgebung sammelten fleißig Ideen zur Verschönerung des Bahnhofsareals und waren sich einig: Anstelle des in die Jahre gekommenen Fußgängerstegs sollte ein barrierefreier Bahnübergang her. © Foto: Laura Strahl/privat
Laura Strahl 10.11.2013
Das Gebiet rund um den Bahnhof muss schöner werden - unter diesem Motto trafen sich am Samstag etwa 40 Bürger in der Hirscheckschule, um gemeinsam Ideen zur Umgestaltung des Areals zu sammeln.

Wohnbebauung, Schrebergärten, Parkplätze – hätten die Schnaitheimer bei der Verschönerung des Bahnhofsareals freie Hand, so wäre das Quartier wohl bald schon nicht mehr wiederzuerkennen. Denn wie sich bei einer vom Heidenheimer SPD-Ortsverein organisierten Bürgerwerkstatt zeigte, mangelt es den Anwohnern nicht an Ideen für das schon seit Jahren brachliegende Gebiet entlang der Gleise. „Wir können die Attraktivität Heidenheims nur steigern, wenn sich die gesamte Stadt weiterentwickelt“, stellte Manfred Bleil, Vorsitzender des SPD-Ortsvereins, fest. „Wir müssen das Augenmerk auch auf die Teilorte legen.“

Gesagt, getan: Eingeteilt in fünf Gruppen ließen die Schnaitheimer ihren Gedanken freien Lauf. Grenzen waren seitens der Organisatoren nicht gesetzt. Schließlich sei das Gebiet weitgehend im Besitz der Stadt, hieß es zur Begründung. Ganz oben auf der Ideenliste der Anwohner stand ein barrierefreier Bahnübergang. Denn momentan sei das Wohngebiet Hagen vom restlichen Schnaitheim zu stark isoliert. Als positives Beispiel wurde mehrfach die Brücke beim ehemaligen WCM-Areal genannt. Dort könne man Gleise und Straße problemlos mit Kinderwagen, Koffer oder Fahrrad überqueren.

Einen Aufzug oder eine Unterführung hielten die Anwohner im Schnaitheimer Fall ebenfalls für denkbar. Sinnvoll sei außerdem ein Überquerungsschutz, sagte Claudia Zanzinger-Knies, stellvertretende Leiterin der Hirscheckschule. Man habe schon mehrfach Schüler beim Überqueren der Gleise erwischt.

Ebenfalls zur Debatte standen überdachte Abstellmöglichkeiten für Fahrräder. Hierfür würde sich nach Ansicht der Anwohner das Areal eignen, auf dem momentan das Jugendhaus Bluebox steht. Jugendräume könne man stattdessen auf dem Schulgelände unterbringen. Auch für Autos müsse man zusätzliche Parkmöglichkeiten in Bahnhofsnähe schaffen.

„Die Brenz erlebbar machen“, lautete ein anderer Vorschlag. Momentan stünden die Bäume am Ufer viel zu hoch und dicht. Ein Bootssteg oder gar ein Lokal am Brenzufer, eventuell ein Biergarten, seien wünschenswert. Im Bereich der Hirscheckschule könne man außerdem einen neuen Ortsmittelpunkt schaffen. Denn ein zentraler Dorfplatz für Feste und andere Veranstaltungen fehle in Schnaitheim schon lange.

Für das westlich der Bahngleise liegende Gebiet gab es ebenfalls viele Anregungen. Das Grundstück der einstigen Zigarrenfabrik Schäfer eigne sich zur Wohnbebauung, hieß es. Denkbar seien alternative Wohnformen für Senioren, junge Familien oder Studenten.

Einig waren sich die Anwohner auch hinsichtlich der Fabrikstraße. Sie sei in miserablem Zustand und müsse dringend saniert werden. Neben Parkplätzen seien entlang der Straße auch Bäume denkbar. „Der Hagen soll wieder mehr nach Wohngebiet aussehen – und nicht mehr nach Getto“, sagte ein Anwohner. Für den brachliegenden Streifen zwischen Fabrikstraße und Bahngleisen schwebte den Anwohnern ein Grüngürtel mit Schrebergärten, Spielplatz oder Skaterpark vor.

„Jetzt brauchen wir nur noch einen Geldscheißer“, scherzte SPD-Fraktionsvorsitzender Rudi Neidlein, nachdem alle Gruppen ihre Ergebnisse vorgestellt hatten. Der nächste Schritt sei nun, die Ideen in der Fraktionssitzung und gegebenenfalls auch im Gemeinderat einzubringen. Eventuell werde es dann eine ähnliche Veranstaltung seitens der Stadtverwaltung geben.

Wann und ob überhaupt die Änderungswünsche umgesetzt werden, konnte Neidlein nicht sagen. „Demokratische Prozesse brauchen ihre Zeit“, sagte er und stieß damit bei einigen Anwohnern auf Unverständnis. Alles in allem war das Fazit der Bürger aber sehr positiv: „Wir sind froh, dass uns überhaupt mal jemand nach unserer Meinung fragt.“