Postkarten Ansichtssache: Heidenheim grüßt auf Postkarten

Heidenheim / Clara Resch 02.09.2017
Unter Heidenheims Touristen gibt es klare Vorlieben für die Post in die Heimat.

Bekommt man Besuch aus der Ferne, möchte man seine Stadt natürlich immer von den schönsten Seiten präsentieren. Vielen alteingesessenen oder auch frisch zugezogenen Heidenheimern fallen da bestimmt so einige Ecken ein, die sie dann zeigen würden. Die Brenz vielleicht, oder ein nettes Café, vielleicht geht man auch auf einen Spaziergang durch den Wildpark. Und was natürlich nicht fehlen darf: das Schloss Hellenstein.

Schäferlauf ist noch präsent

Letzteres erfreut auch als Motiv auf sämtlichen Ansichtskarten von Heidenheim größter Beliebtheit. Logisch, das Schloss lässt sich sehen und ist mit Sicherheit auch unter Touristen einer der ersten Anlaufpunkte. Aber sieht man sich weiter in Heidenheims Postkartenlandschaft um, bleiben die Bilder doch stark auf wenige Motive begrenzt: Die Knöpfleswäscherin, sämtliche Blumen und Schafe der Landesgartenschau und Fußballspieler des 1. FC Heidenheim, sowie die Voith Arena. Dazu kommen das Schloss von oben, das Schloss bei Sonnenuntergang, das Schloss im Herbst, im Winter, sogar im Frühjahr und bei Nebel - die Liste ist lang. Sogar der vor vielen Jahren eingestampfte Heidenheimer Schäferlauf grüßt noch als Postkartenmotiv.

Da gibt es doch wohl noch mehr, was sich an Heidenheim sehen lassen kann. Das sieht Bettina Kruse, Leiterin der Tourist-Information im Elmar-Doch-Haus genau so. Dort findet man modern gestaltete Postkarten mit dem „romantischen Winkel“ in der Hinteren Gasse, dem Kutschenmuseum auf dem Schlossberg oder besonderen Ausstellungsstücken aus dem Kunstmuseum. Auch die jährlichen Opernfestspiele werden gezeigt – vielleicht weil sie Lust machen sollen, selbst einmal bei dem kulturellen Event dabei zu sein.

Doch die Nachfrage nach Motiven kultureller Veranstaltungen bleibt weit hinter Schloss und Co. zurück. Aus welchem Grund auch immer, am besten verkauft werden eben doch jene kitschigen und althergebrachten Postkarten, auf denen eine kleine Collage aus Schloss, Knöpfleswäscherin und ein bisschen Brenzpark zu finden ist. Auch hier nicht zu vergessen: Der FCH.

Und genau deshalb will die Tourist-Information jetzt wieder neue Karten nach altem Muster fertigen lassen. Dabei gibt es eine klare Regel: „Das Schloss muss auf jede Karte“, findet Bettina Kruse.

Ein weiterer Verkaufsschlager sind übrigens historische Motive der Stadt, so zum Beispiel ein Kupferstich, der um 1700 angefertigt wurde. Die sind an sich zwar interessant, bilden aber mehrheitlich auch ein und dasselbe Motiv ab - man kann es sich denken.

Spaßkarten: Fehlanzeige

Und noch etwas fällt bei den Heidenheimer Ansichtskarten auf: Ein Phänomen, das an den Kartenständern unzähliger Ferienorte dieser Welt auftaucht, wird man in Heidenheim vergeblich suchen: die Spaß-Postkarten. Natürlich, Humor ist immer Geschmackssache, aber der wird – so heißt es – hierzulande eh im Keller praktiziert: Halbnackte Menschen beim Radler trinken an der Brenz? Fehlanzeige. Drei alte Damen auf einer Parkbank in den Georges-Levillain-Anlagen und ein netter Spruch darüber? Nicht in Sicht. Nicht einmal Männer in Trekking-Sandalen und Tennis-Socken oder dickbäuchige sonnenverbrannte Waldbad-Badegäste.

Doch schicken in Zeiten von Whatsapp, Facebook, Instagram und Twitter überhaupt noch viele einen handschriftlichen Gruß in die Heimat? Die Nachfrage sei nach wie vor bei jüngern und älterne3 Besuchern da, wenn nicht sogar stärker als früher, so Kruse.

Mit einer handgeschriebenen Postkarte hebt man sich eben von massenhaft verschickten Urlaubs-Emails und per Messenger versandten „Selfies“ ab. Egal, welches Motiv sie nun abbildet.