Paul Hartmann AG Andreas Joehle räumt Ende 2018 seinen Chefsessel bei Hartmann

Andreas Joehle verlässt zum Jahresende 2018 Hartmann. Das Unternehmen braucht dann einen neuen Vorstandsvorsitzenden
Andreas Joehle verlässt zum Jahresende 2018 Hartmann. Das Unternehmen braucht dann einen neuen Vorstandsvorsitzenden © Foto: Archiv
Heidenheim / Günter Trittner 15.12.2017
Auch für den Aufsichtsrat kommt das geplante Ausscheiden überraschend, das der Vorstandsvorsitzende mit persönlichen Gründen erklärt.

Andreas Joehle wird die Paul Hartmann AG zum 31. Dezember 2018 verlassen. Der Vorstandsvorsitzende strebt keine Verlängerung seines Vertrags an, der zu diesem Zeitpunkt ausläuft.

Für den Abschied von Hartmann führt Joehle ausschließlich private Gründe an, die mit seiner Lebensführung zu tun haben. Die Entscheidung sei ihm nicht leicht gefallen.

Hartmann sei für ihn eine Herzenssache. „Das bewegt mich sehr.“ Bis zum Ende des nächsten Jahres werde er seine Aufgaben voll erfüllen.

Unternehmen sofort informiert

Aufsichtsrat und Vorstand, so Joehle, seien von ihm sofort informiert worden, nachdem die persönliche Entscheidung getroffen worden war. Auch betriebsintern sei sein geplantes Ausscheiden inzwischen kommuniziert. „Ich will da keine verdeckten Übungen machen.“

Joehle, der die Gesundheitsbranche von der Pike auf kennt, war Anfang des Jahres 2013 zu Hartmann gekommen. Als Nachfolger von Dr.Rinaldo Riguzzi, dessen Amt als Vorstandsvorsitzender er am 1. Juli 2013 antrat, übernahm Joehle die noch von Riguzzi ehrgeizig gesteckten Umsatzziele, krempelte Hartmann aber in der Art der Unternehmensführung völlig um. Joehle war von Beginn an daran gelegen, den Markenwert Hartmann zu steigern, und anders als sein Vorgänger, der das Kerngeschäft in Europa sah, will Joehle Hartmann auf dem Weltmarkt etablieren. Bei seinem seinem erste n Auftreten auf der Aktionärsversammlung im Jahr 2014 hatte Joehle die Paul Hartmann AG als schlafenden Riesen bezeichnet, den er gerne wecken würde.

Beruflicher Werdegang

Andreas Joehle wurde 1961 in Berlin geboren. Nach seiner Fachausbildung in medizinischen Pflegedisziplinen in Düsseldorf und Duisburg trat er 1985 in die 3M Deutschland GmbH ein und absolvierte berufsbegleitend Weiterbildungsprogramme. Bei 3M Europe übernahm Joehle Aufgaben mit nationaler und internationaler Verantwortung, zuletzt als General Sales und Marketing Manager für das Krankenhausgeschäft. 1998 wechselte er zu Coloplast A/S als Managing Director Deutschland, Österreich und Schweiz. Später übernahm Joehle dort ergänzend die Leitung der HSC Unternehmensgruppe im Bereich Home Care. Berufsbegleitend hat er sich an der Insead Business School in Fontainebleau/Frankreich und Shanghai/China weitergebildet.

2005 wechselte Joehle zur Medtronic International in der Schweiz und übernahm die Leitung der europäischen Diabetes Division. Im Rahmen eines Weiterbildungsprogramms der Duke Universität, Durham/USA, vertiefte er sein Wissen in den Bereichen Emerging Markets und Global Mergers & Acquisitions.

„Ich bin heute da, wo ich hin wollte“, hatte Joehle 2014 Fragen aus dem Aktionärskreis wegen seiner mehrfachen Unternehmenswechsel beantwortet und von Lehrjahren gesprochen, die nötig gewesen seien, um seine jetzige Aufgabe erfüllen zu können. „Und die lautet, dem Buch Hartmann einige Kapitel hinzuzufügen, damit es ein Bestseller wird.“

Reaktion des Aufsichtsrats

Dass Joehle nur noch ein Jahr an diesem Buch weiterschreiben will, hat auch Aufsichtsratsvorsitzenden Fritz-Jürgen Heckmann überrascht. „Wir hätten es uns ganz anders gewünscht“ sagt Heckmann, der Joehle bescheinigt, das Unternehmen in den vergangenen Jahren „richtig gut“ voran gebracht zu haben. Heckmann spricht von einer zielorientierten Zusammenarbeit zwischen Vorstand und Aufsichtsrat, die auch das kommende Jahr so fortgesetzt werde. „Wir stehen weiter Seite an Seite“.

Unternehmen steht glänzend da

Als besonders verdienstvoll sieht es Heckmann an, dass Joehle die Internationalisierung des Unternehmens vorantreibe. Das führe zu einer Risikoteilung, wenn man an vielen Märkten präsent sei. Heckmann sieht aber auch, dass einige Projekte noch nicht abgeschlossen sind und er weiß, dass die Umstellung der Firmensprache auf Englisch nicht jedermanns Sache gewesen war. In Summe aber stehe das Unternehmen Hartmann unter der Führung von Joehle glänzend da.

Dankbar ist der Aufsichtsratsvorsitzende, dass Joehle frühzeitig sein Ausscheiden angekündigt habe. „Wir haben noch ein volles Jahr Zeit einen Nachfolger zu finden.“

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel