Heidneheim / Patrick Vetter  Uhr
Jan Mayer half schon etlichen Spitzen- und Profisportlern dabei, Leistung genau auf den Punkt zu bringen. Über seine Erkenntnisse aus dieser Arbeit spricht er in Heidenheim.

Als Sportpsychologe hat Jan Mayer schon mit zahlreichen Nationalteams gearbeitet, darunter Skispringer, Sportschützen, Boxer, Auswahlmannschaften des DFB und viele mehr. Seit 11 Jahren ist er Sportpsychologe bei der TSG Hoffenheim. Seine Erkenntnisse aus dem Spitzensport verpackt er in Strategien für jedermann. Mit ihnen sollen Stresssituationen im Job oder im täglichen Leben besser bewältigt werden. Am Freitag, 5. Juli, kommt der 46-Jährige ab 19 Uhr in den „Sparkassen-Buisnessclub“ der „Voith-Arena“ und hält einen Vortrag. Für Teilnehmer von „Lauf geht’s“ ist der Eintritt frei.

Herr Mayer, Sie beraten Spitzensportler und unterstützen sie dabei, ihre optimale Leistung abzurufen. Machen Sie denn selbst auch Sport?

Ich habe früher Handball in der Oberliga gespielt. Dann haben mir zwei Kreuzbandrisse das Knie aber zerstört, Spielsport kommt also nicht mehr in Frage. Allerdings habe ich es mir zur Leidenschaft gemacht, jedes Jahr zwei oder drei Halbmarathons zu laufen.

Helfen Ihre eigenen Tipps Ihnen dabei weiter?

(Lacht) Ja klar! Sonst wäre das ja alles sinnlos. Die Leute fragen sich immer bei Vorträgen wie in Heidenheim: Ist das nur was für Profisportler? Wenn das so wäre, könnten wir uns die ganze Veranstaltung sparen. Man kann das alles auch im Breitensport einsetzen oder in einer beruflichen Situation. Immer dann, wenn Leistung gefordert ist, kann ich davon profitieren zu verstehen, wie mein Kopf funktioniert und kann Strategien aus dem Vortrag anwenden. Egal ob man in einer Fußball-WM einen Elfmeter schießt, beim Halbmarathon über die letzten Meter kommen muss oder eine Prüfung oder ein Vorstellungsgespräch bewältigen soll.

Was dürfen die Heidenheimer denn dann bei Ihrem Vortrag auf dem Schlossberg erwarten?

Erwarten kann man erstmal, dass es unterhaltsam wird. Es gibt viele Geschichten aus dem Leistungssport zu hören. Das wird aber nie so weit weg sein, dass man nicht selbst davon profitieren könnte. Mein Anspruch ist, dass der Zuhörer nach der Veranstaltung denkt: „Das ein oder andere nehme ich mit und kann ich direkt morgen einsetzen.“

Auch Ihr neues Buch „Wenn’s drauf ankommt“ richtet sich nicht nur an Profisportler. Worum geht’s denn darin?

Genau um diese alltäglichen Themen. Man kommt immer wieder im Alltag in Situationen in denen es drauf ankommt. Das bedeutet, man möchte Leistung bringen, und zwar nicht irgendwann später, sondern genau jetzt. Das sind mentale Anforderungssituationen wie Vorträge, Verkaufsgespräche, Konzerte, die man spielen muss, oder eben auch sportliche Situationen. Da ist die Idee, dass man die Strategien, die im Sport wissenschaftlich etabliert sind, auch außerhalb des Sports anwenden kann.

Wie sind Sie dazu gekommen, Spitzensportler zu beraten?

Das habe ich eigentlich nie gewollt (lacht). Eigentlich habe ich Mathe und Sport studiert und wollte Lehrer werden. Im Studium war ich aber schon fasziniert von Prof. Hans Eberspächer, einem der frühen praktisch tätigen Sportpsychologen in Deutschland. Bei ihm durfte ich arbeiten und dann war klar, dass ich das auch beruflich mache. Das war damals noch überhaupt kein entwickeltes Berufsfeld.

Wie ist es heute? Sie haben schon ganz unterschiedliche Nationalteams betreut. Sind Psychologen also mittlerweile in der Sportwelt etabliert?

Heute ist die Sportpsychologie normaler Bestandteil der Betreuung von Spitzensportlern. In den letzten 20 Jahren hat sich mehr und mehr das Interesse an den mentalen Komponenten der Spitzenleistung entwickelt. Man wusste, wie man im physiologischen Bereich an sein Limit kommt. Dann war die Frage: Wie klappt es, dass austrainierte Sportler ihre Leistung auf den Punkt bringen?

Sie versuchen also Sportler dazu zu bringen, Leistung im Wettkampf wirklich abzurufen. Wie können Sie Ihre Erfolge dabei messen?

Das ist natürlich immer die Frage: Wie viel bringt das? Laktat schießt keine Tore, wieso soll dann Konzentration Tore schießen? Von den multifaktoriellen Bedingungen, die eine sportliche Leistung darstellen, ist nur eine das Mentale. Wir versuchen mit objektiven Messungen zu zeigen, dass sich relevante Komponenten der sportlichen Leistung verbessert haben.

Und das verallgemeinern Sie in Ihrem Vortrag für den Alltagsgebrauch.

Genau. Wenn man am Abend vorher eine Präsentation noch draufhat, am nächsten Tag aber vor einer Jury nichts mehr hinbekommt, dann ist das bitter. Ich möchte mit meinen Strategien den Leuten helfen, mit so einem Leistungsdruck umzugehen.

Schaffen Sie es, Ihre Strategien auch immer selbst umzusetzen?

Das hängt viel mit Energie zusammen. Wenn ich Denkmechanismen einhalten möchte, dann muss ich relativ ausgeruht sein. Auf bestimmte Situationen bereitet man sich also vorher schon vor und geht nicht im Vollstress hinein. Mir selber helfen die Strategien, trotzdem klappt natürlich nicht immer alles. Es wäre aber auch vermessen, das zu erwarten.