Rettung Alarmierung von Feuerwehrangehörigen bald digital?

© Foto: Catrin Weykopf
günter Trittner 29.09.2014
Nachdem die Feuerwehren seit annähernd zehn Jahren auf einen Digitalfunk warten, sieht man nun Chancen wenigstens bei der digitalen Alarmierung der Feuerwehrangehörigen einen Schritt weiterzukommen.

Vor dem Verwaltungsausschuss des Kreistags gab Spahr diese Woche einen Sachstandsbericht zur Lage der freiwilligen Feuerwehren im Landkreis. 1412 Aktive tragen derzeit die blaue Uniform, 333 Jugendliche bereiten sich auf den ehrenamtlichen Dienst vor, der laut Landrat Thomas Reinhardt „essenziell für die Daseinsvorsorge ist“ und 602 Feuerwehrangehörigen haben den aktiven Dienst bereits hinter sich. Wie Spahrs Zehn-Jahres-Vergleich zeigte, nimmt die Zahl der Jugendlichen demografiebedingt bei der Feuerwehr ab, die Gruppe der Senioren wächst und die Zahl der aktiven bleibt konstant. Spahr warnte aber davor, sich von den Zahlen täuschen zu lassen. Bei den Aktiven sei entscheidend, wieviele Einsatzkräfte in den über 40 Abteilungen tatsächlich verfügbar seien. Und da stehe die Feuerwehr in Konkurrenz zur modernen Arbeitswelt. Die Ehrenamtlichen täten sich schwerer, vom Arbeitgeber freigestellt zu werden, andere arbeiteten auswärts und seien somit im Alarmfall nicht greifbar. „Die Tagesverfügbarkeit wird zunehmend schlechter“, so Spahr zusammenfassend.

Weniger Brandeinsätze, eine konstant hohe Zahl von technischen Hilfeleistungen und zunehmend Fehlalarme – die Wehren im Heidenheimer Landkreis liegen damit im allgemeinen Trend. Dass die Brandeinsätze zurückgehen ist für Spahr durch mehrere Faktoren begründet: Neue Baustoffe, vorbeugender Brandschutz aber auch eine schnelle Alarmierung im Gefahrenfall durch die weite Verbreitung von Handys. Die zunehmende Zahl von Brandmeldeanlagen ist wiederum ursächlich für die inzwischen fast 180 Fehlalarme im Jahr. Bei den Feuerwehrfahrzeugen bar Spahr darum, bei den Drehleitern keine Abstriche zu machen. Diese seien zwar die teuersten Fahrzeuge, mit vier Fahrzeugen aber sei man im Vergleich mit anderen Landkreisen im unteren Bereich. „Wir dürfen keine verlieren.“ Ansonsten würden verstärkt multifunktionale Fahrzeuge angeschafft, was den Rückgang bei den reinen Löschfahrzeugen erkläre, wovon noch 61 im Dienst sind. 2003 waren es noch zehn mehr gewesen.

Die Polizei hat den Digitalfunk, die Feuerwehr nicht. Spahr hatte in den Unterlagen zurückgeblättert. Bereits 2006 sei dessen Einführung seitens des Landes in naher Zukunft geplant gewesen. Das technische Problem, welches die Feuerwehr noch vom Zugang zur Netzinfrastruktur der Polizei ausschließt, liegt nach Aussage von Spahr bei den Leitstellen. Deren Anbindung sei kompliziert und führe zu enormen Mehrkosten. Voraussichtlich 2015 sollen nun die Fahrzeuge und Feststationen von Rettungsdienst und Feuerwehr auf Digitalfunk umgestellt werden. „Er wird kommen“, gab sich Spahr zuversichtlich.

Bereits Gespräche werden geführt, um die digitale Alarmierung aller Einsatzkräfte voranzubringen. Gedacht ist an ein gemeinsames Funknetz für die Feuerwehren und Rettungsdienste der Landkreise Heidenheim und Ostalb. Wenn diese integrierte Lösung zustande komme, wären beide Landkreise Vorreiter im Land. „Das wäre eine prima Sache“, meinte Spahr, zumal der Zusammenschluss auch kostenmäßig Vorteile bringe. Eine „heiße Geschichte“ bleibt es für Spahr, dass das Milliarden Euro teure Digitalnetz des Landes zu schwach sei, um damit jeden einzelnen Feuerwehrmann oder Rettungsdienstmitarbeiter zu erreichen. Von einer Privatisierung des Alarmierungsnetzes riet der Kreisbrandmeister ab. „Das ist eine hoheitliche Aufgabe.“

Im Frühjahr 2015 will Spahr dem Kreistag ein Konzept vorlegen, wie die Feuerwehr in ihrer Struktur erhalten werden kann. Schwerpunkte werden Nachwuchswerbung und Öffentlichkeitsarbeit sein.

Reservoire für Feuerwehrkräfte

Quer durch alle Fraktionen des Kreistags genießt die Feuerwehr hohe Wertschätzung. Oberbürgermeister Bernhard Ilg verband sein Lob im Verwaltungsausschuss für die „Herkulesarbeit“ mit der Bitte, Aufgabenbereiche für die noch leistungsbereiten Senioren bei der Feuerwehr zu suchen. Auch Kreisbrandmeister Rainer Spahr sieht ein Potenzial bei der Generation der über 45- und 50-Jährigen, die nicht mehr bei Einsätzen mitmachen, aber durchaus Funktionen in der Wehr übernehmen könnten.

Ein weiteres Reservoir könnten Frauen und Migranten sein, wie Spahr auf Nachfrage der Grünen-Stadträtin Margit Stumpp bestätigte. Die Kreisrätin hatte gefragt, ob der Frauenanteil bei der Feuerwehr steige. Spahr musste bedauern. „Unverändert bei drei bis vier Prozent“. Der Anteil der Migranten liege unter einem Prozent. Es würde aber eine Herausforderung darstellen, wenn gleich mehrere Nationalitäten mit unterschiedlichen Deutschkenntnissen an Einsätzen beteiligt wären. Eine Herausforderung, keine Unmöglichkeit.