wahlkreis:Heidenheim (24) AfD ist gegen den Bildungsplan und für mehr Polizei

Der Bildungsplan als wichtigstes landespolitische Thema: Dr. Heiner Merz, Landtagskandidat der „Alternative für Deutschland“ (AfD), kommt eigentlich aus Fellbach.
Der Bildungsplan als wichtigstes landespolitische Thema: Dr. Heiner Merz, Landtagskandidat der „Alternative für Deutschland“ (AfD), kommt eigentlich aus Fellbach. © Foto: Sabrina Balzer
Kreis Heidenheim / Silja Kummer 23.02.2016
Dr. Heiner Merz gibt sich als konservativer, gemäßigter Kopf der Alternative für Deutschland (AfD). Erste Politikerfahrungen sammelt er seit zwei Jahren als Stadtrat in Fellbach. Jetzt tritt er für die AfD bei der Landtagswahl im Kreis Heidenheim an.

Vor der Wahlveranstaltung mit Prof. Dr. Jörg Meuthen kommt Merz im Pressehaus vorbei, im Anzug und mit Aktenkoffer. Am 24. Februar feiert er den 53. Geburtstag, Sternzeichen Fische. „Ich bin ein typischer Fisch – man sagt, ich schlängle mich so durch“, so Merz über sich selbst.

Das wichtigste landespolitische Thema ist für Merz der Bildungsplan. „Ich bin als Vater und Opa fassungslos, was da zwischen den Zeilen steht“, sagt der Landtagskandidat. Natürlich wisse man nicht, was in der Umsetzung aus dem Bildungsplan werde. Er distanziere sich auch von der Diskriminierung Homosexueller, er habe selbst schwule Freunde im Studium gehabt. Aber: Die gängige Art zu leben sei es nicht, und Merz hält es auch für falsch, „kleinen Kindern in der Grundschule Oral- und Analverkehr als gängige Praktiken zu vermitteln.“

Das dreigliedrige Schulsystem habe sich bewährt, und man sehe an anderen Bundesländern, die Gemeinschaftsschulen haben, dass dort das Bildungsniveau niedriger sei als in Baden-Württemberg. Man dürfe schwache Kindern nicht abhängen, aber fleißige und intelligente Kindern dürften auch nicht durch Nivellierung gebremst werden, so Merz.

Das zweite große Thema ist für Merz die Polizei, die personell ausgedünnt und überbelastet sei. „Fremde Aufgaben wie die Bewachung von Fußballspielen müssen weg oder von den Vereinen vergütet werden“, sagt Merz. Wie sich aus dem Landeshaushalt heraus mehr Personal für die Polizei finanzieren ließe, sei dann konkret zu entscheiden. „Ich weiß, dass wir für viel Blödsinn einen Haufen Geld haben“, so seine Erfahrung aus der Kommunalpolitik.

Seine Partei werde auf die Flüchtlingsfrage reduziert, sagt Merz – gleichwohl widmet die AfD Baden-Württemberg acht Seiten ihres 60-seitigen Landtagswahlprogramms diesem Thema. „Wenn jemand verfolgt wird, kann er unseren Schutz beanspruchen“, sagt Merz. Jedoch müsse man differenzieren, denn ein großer Teil der Flüchtlinge komme aus wirtschaftlichen Gründen. Integration über Arbeit, diese Möglichkeit sieht Merz durchaus, jedoch fehle in Deutschland der Niedriglohnsektor, in dem Flüchtlinge arbeiten können. „Wir haben ein Problem mit jungen, kräftigen, testosterongesteuerten und erlebnishungrigen Männern“, glaubt Merz.

Die Aussage der AfD-Parteichefin Frauke Petry, ein Grenzpolizist müsse den illegalen Grenzübertritt von Flüchtlingen verhindern und dabei notfalls auch von der Schusswaffe Gebrauch machen, versucht Merz einzuordnen – es sei Gesetz, dass ein Grenzbeamter zur Waffe greifen müsse, wenn jemand illegal die Grenze übertreten wolle. „Gleich wurde gesagt, Frauke Petry wolle, dass man auf Flüchtlinge schießt – das ist doch absurd.“ Allerdings habe daraufhin ihre Stellvertreterin Beatrix von Storch Öl ins Feuer gegossen.

Der rechte Rand der Partei? Man habe eben als junge Partei auch einen großen Anteil von Menschen, die sonst nirgendwo eine Heimat gefunden hätten. Von den 50 Mitgliedern der Partei im Kreis Heidenheim gebe es nur eines, das seiner Meinung nach besser bei den Republikanern aufgehoben sei. Die „Nazi-Keule“ sei ein Reflex des Establishments, das seine Pfründe verteidigen wolle. „Wir haben heute zum Teil die gleichen Forderungen, die die CDU vor 15 Jahren hatte“, meint Merz.

Lange sei er politikfrei gewesen, sein Wahlverhalten eher links der Mitte. „Um so bürgerlicher und älter ich wurde, um so mehr habe ich die konservativen Werte entdeckt, die ich früher bei meinem Vater verachtet habe“, sagt Merz. 2012 ärgerte er sich so sehr über die Entwicklungen in der EU, dass er die AfD für sich entdeckte.

Heute verortet sich Merz im bürgerlichen, gemäßigten Lager seiner Partei. „Ich bin zu 90 Prozent mit dem Parteiprogramm einverstanden, aber ich muss auch Positionen mittragen, die ich so nicht gut finde – etwa die Wiedereinführung der Wehrpflicht.“

Merz ist gelernter Groß- und Außenhandelskaufmann, hat über den zweiten Bildungsweg das Abitur gemacht, dann zuerst Vermessungswesen, später Informatik studiert. 1994 schloss er sein Studium an der Universität Stuttgart ab und arbeitete einige Jahre in der boomenden IT-Branche. Mehr als drei Jahre lang leitete er eine kleine Niederlassung einer IT-Firma in Irlands Hauptstadt Dublin. Danach ging es zurück nach Stuttgart, Merz arbeitete bei Bosch, pflegte aber weiterhin den Kontakt zur Uni Stuttgart und promovierte 2005 im Fach Betriebswirtschaftslehre. Er ist als BWL-Dozent an den Hochschulen in Esslingen und Nürtingen tätig.

In Fellbach wurde Merz vor zwei Jahren für die AfD in den Gemeinderat gewählt. „Furchtbar parteipolitisch“ gehe es dort zu, sagt Merz. Seine Anträge würden von den Ratskollegen grundsätzlich abgelehnt – auch wenn sich auf privater Ebene durchaus nähere Beziehungen ergeben hätten.

Seine Chancen, in den Landtag zu kommen, schätzt Merz auf 1:5. Sollte es nicht klappen, könnte er sich auch in Heidenheim ein kommunalpolitisches Engagement vorstellen – denn er plant aus beruflichen Gründen ohnehin einen Wechsel auf die Ostalb.

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