Auto ADAC fährt ab auf Rallye-Hochburg Heidenheim

Heidenheim / Erwin Bachmann 05.10.2014
Es muss diese Mischung von Adrenalin und Benzin sein, die sie antreibt. Und Heidenheim wiederum muss irgendetwas haben, auf das Motorsportler so richtig abfahren - denn die Besten unter den Schnellsten drückten hier am Wochenende bei der ADAC-Rallye Baden-Württemberg kräftig aufs Gas.

Was gerade Heidenheim prädestiniert, nun schon zum dritten Mal in Folge zum Schauplatz dieses Rallye-Spektakels geworden zu sein? Wolfgang Plank muss nicht lange überlegen, zumal ihm gleich mehrere Gründe einfallen. „Grundsätzlich ist es die hohe Akzeptanz, die uns diese Stadt, ihr Oberbürgermeister und die hier lebenden Menschen entgegenbringen,“ erklärt der Pressesprecher der Veranstaltergemeinschaft, deren motorsportliches Anliegen sich hier auch von Seiten der Wirtschaft befördert sieht. „Das ist ein gedeihliches Miteinander, und wir fühlen uns hier richtig gut aufgehoben.“

Wir: Das waren am Wochenende neben mehr als 300 ehrenamtlichen Helfern und Funktionären insbesondere die 51 an den Start gegangenen Teams. Dass es letztendlich weniger waren als die zunächst 70 gemeldeten Teilnehmer, lag denn auch keineswegs am Veranstaltungsort, sondern war nach Einschätzung von Insidern vielmehr der Jahreszeit geschuldet. So spät in der Saison hat manches hart auf die Probe gestellte Rallye-Gespann bereits sein Fahrzeug eingebüßt – und überdies spart sich der eine oder andere den Start und damit auch Geld, weil auf den vorderen Plätzen schon alles entschieden und nichts mehr zu holen ist.

Wer immer bei diesem zur Deutschen Rallye-Meisterschaft, zum Rallye-Master und zum Citroen-Cup zählenden Wettbewerb ins Rennen geht, dem ist sein Sport nicht nur lieb, sondern auch teuer. Was da abseits vom eigentlichen Sportgerät noch alles im Spiel ist, spiegelt sich am besten im Fahrerlager wieder, das auch in diesem Jahr wieder auf dem Festplatz an der Nördlinger Straße aufgeschlagen war. Dort hatte sich jede Menge Bodenpersonal versammelt, um den Überfliegern der deutschen Rallye-Szene einen Tag lang freie und sichere Fahrt zu gewährleisten – ob sie nun im Super 2000-Boliden, im Porsche 911 Gt3, im Trabant 601 oder mit dem Skoda Octavia angereist waren.

Geschraubt wurde auf allenthalben hohen und doch unterschiedlich ausgestatteten Niveau. Top-Teams, die mit hohem Budget und dem Rückenwind von Sponsoren gesegnet sind, pflegen bei solchen Events mit High-Tech-Sattelschleppern anzureisen. Schon etwas bescheidener kommt die zweite Liga der ambitionierten Privatfahrer daher, die dank der Unterstützung von Firmen immerhin noch auf einen Teil ihrer Kosten kommen. Im Gegensatz zum großen Feld jener Fahrer, die jede Schraube und jeden Reifen aus der eigenen Tasche bezahlen müssen und sich trotzdem in ihrer Leidenschaft nicht bremsen lassen.

So macht sich bei einer Rallye also eine Art Drei-Klassengesellschaft auf den Weg – mit dem entscheidenden Unterschied, dass die Solidarität nicht auf der Strecke bleibt. „Man hilft sich gegenseitig,“ erzählt Pressesprecher Plank, und ein in der Service-Pause stark beanspruchter Monteur, der bei näherem Hinsehen auch gleichzeitig Fahrer ist, bestätigt diese Haltung und spricht aus bereits langjähriger Erfahrung: „Wenn ich jetzt irgendetwas brauche, was wir selbst nicht dabei haben, wird sich keiner von den Großen umdrehen und uns im Regen stehen lassen.“ Der Gedanke einer großen Familie, er kommt hier nicht unter die Räder.

Draußen freilich, auf der Strecke, zählt allein die Konkurrenz. „Drei, zwo, eins, Start“. Zweimal führte die Rallye am Samstagvormittag alle Teams in den Raum Amstetten und Weidenstetten, und am Nachmittag ging es erneut je zweimal Richtung Großkuchen, Nattheim und Giengen, wo die abgesperrten Wertungsstrecken ausgewiesen waren. Die kurzen und schnellen Verbindungsetappen zu den Wertungssprüfungen sind ein weiteres Pré, das Heidenheim aus Sicht der Veranstalter auszeichnet. Zudem sind die Strecken so ausgestaltet, dass alle Fahrkonzepte zum Tragen kommen und jeglichen Kategorien Rechnung getragen wird. Denn auch im Rallye-Sport ist's wie im richtigen Leben: Die einen lieben die schnelle Gerade, die anderen fahren eher auf holprige Strecken ab.

Zur guten Infrastruktur Heidenheims zählen die Rallye-Macher auch die Hotellerie, die ihrerseits mit einer solchen Großveranstaltung nicht schlecht gebettet ist. Jedes Fahrer-Team, ob aus Schleswig-Holstein, der Schweiz oder der Tschechei, kommt mit einem Gefolge von durchschnittlich fünf bis sechs Leuten nach Heidenheim, die zwei bis vier Tage bleiben und darüber hinaus Tagesgäste im von Jahr zu Jahr wachsenden vierstelligen Bereich ins Kreisgebiet locken. Ihr Hauptquartier hatte die Führungs-Crew einige Kilometer vom Rennstall entfernt unterm Dach des Hotels „Zum Kreuz“ in Steinheim aufgeschlagen. Eine mit Rechnern, Bildschirmen und Video-Wänden ausgestattete Operationszentrale, von der aus das gesamte Geschehen koordiniert wurde.

Und wo am Samstagabend nach Auswertung aller Daten auch die Sieger feststanden. Die durften das motorsportinteressierte Publikum dann auch beim offiziellen Zieleinlauf vorm Heidenheimer Rathaus von Angesicht zu Angesicht in Augenschein nehmen. Den Gesamtsieg holte sich mit Rainer Noller aus Abstatt ein Lokalmatador. Er konnte sich mit Co-Pilot Stefan Kopczyk in einem 400 PS starken Porsche 997 GT3 durchsetzen. Wolfgang Heinecker von der Stadtverwaltung und Heidenheims Volksbank-Vorstandsvorsitzender Oliver Conradi gratulierten dem Sieger aus Schwaben, der ein schwäbisches Auto fährt.

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