Heidenheim/Berlin / Joelle Reimer Musik, Schauspiel und Sprechrollen: Die 38-jährige Eva Meckbach aus Heidenheim hat im März den Deutschen Hörbuchpreis gewonnen. Im Interview erzählt sie, warum sie nach 13 Jahren die Berliner Schaubühne verlässt und warum sie in Heidenheim nicht mehr als echte Schwäbin durchgeht.

Von der ersten Klasse bis zum Abitur: 13 Jahre. Ein beachtlicher Zeitraum. Genau so lange war die Schauspielerin und Sprecherin Eva Meckbach, die in Heidenheim aufgewachsen ist und kürzlich den Deutschen Hörbuchpreis bekommen hat, an der Schaubühne in Berlin tätig. Nun schlägt sie neue Wege ein: Ab Juli ist sie freischaffende Schauspielerin – und freut sich vor allem auf mehr Selbstbestimmung.

Der Roman „Deutsches Haus“ von Annette Hess wird derzeit in der HZ abgedruckt. Sie haben das Hörbuch dazu eingesprochen – und stammen aus Heidenheim. Da haben wir doch schon die erste Verbindung.

Eva Meckbach: Genau. Und erst vor ein paar Tagen bin ich aus Köln zurückgekommen, weil ich dafür den Deutschen Hörbuchpreis in Empfang genommen habe.

Herzlichen Glückwunsch! Sie wurden als „Beste Interpretin“ ausgezeichnet. Hätten Sie sich das vor ein paar Jahren vorstellen können?

Ich war vor zwei Jahren schon mal nominiert, da habe ich aber nicht gewonnen. Dass es dieses Jahr geklappt hat, war natürlich eine große Freude.

Haben Sie als Wahl-Berlinerin noch Kontakt zu Ihrer Heimatstadt?

Mein Vater lebt in Heidenheim, ein paar alte Klassenkameraden auch, mein Patenkind lebt dort, und ich habe sogar noch Kontakt zu ein paar Lehrern von damals.

Frau Meckbach, unser Archiv verrät mir, dass wir ab und an über Ihre größeren Auftritte als Schauspielerin berichtet haben. Letzter Eintrag: Eva Meckbach spielt im Tatort „Maulwurf“ mit. Das war 2014. Erinnern Sie sich?

Ah, ja! Natürlich!

Was hat sich seither getan?

Da muss ich überlegen. Ich bin an der Schaubühne Berlin engagiert, da habe ich seither sehr viele Rollen in tollen Stücken gespielt. Ich bin viel gereist. Die Schaubühne ist dafür bekannt, dass sie sehr viel im Ausland tourt. Ich bin also eigentlich seit Jahren auf Welttournee.

Das klingt nach einem vollen Terminkalender. Und neben der Schauspielerei gehören auch das Singen und die Tätigkeit als Sprecherin zu Ihren Leidenschaften, stimmt’s?

Ja. Seit meiner Kindheit wusste ich nie so richtig: Will ich Sängerin werden oder Schauspielerin? Als ich auf die Schauspielschule nach Berlin kam, war es toll, in die Schauspielerei voll und ganz einzutauchen, aber gleichzeitig schade, dass die Musik in den Hintergrund geriet.

Sie singen also nicht mehr?

Vor ein paar Jahren habe ich einen Liederabend an der Schaubühne gemacht. Das hat Spaß gemacht, denn diese Seite in mir, die so gerne singt und Instrumente spielt, die wurde ganz schön vernachlässigt. Im Moment steht die Schauspielerei wieder im Mittelpunkt, aber ich bin auch als Sprecherin tätig: Hörbücher, Features, Literatursendungen, Wissenschaftssendungen. Ganz aktuell habe ich an der Schaubühne gekündigt – nach 13 Jahren Festengagement. Diesen Sommer will ich mich als freischaffende Schauspielerin weiterentwickeln.

Große Neuigkeiten . . .

Ich brauche einen neuen Lebensschritt, möchte mehr Selbstbestimmung. Außerdem habe ich voriges Jahr an der Hochschule für Film und Fernsehen in Potsdam unterrichtet. Es ist ein wunderschönes Gefühl, dass ich jetzt mit 38 Jahren merke: Ich kann ganz schön viel abgeben. Meine Erfahrungen teilen.

Und als Preisträgerin des Deutschen Hörbuchpreises sind Sie um eine weitere Erfahrung reicher. Chanson-Sängerin, Schauspielerin, Sprecherin. Gibt es Gemeinsamkeiten?

Bei meiner Sprechertätigkeit habe ich manchmal das Gefühl, es ist wie ein Bindeglied zwischen Musik und Spielen. Es geht ums Hören. Ich finde es total spannend, wenn die Augen mal keine Rolle spielen.

Aber Mimik, Gestik, das Sich-Hineinversetzen – all das wirkt sich doch auch beim Sprechen aus, oder?

Natürlich. Je mehr ich in der Situation bin, desto spannender für die Zuhörer. Bei der Musik ist es genauso. Wenn ich weiß, warum ich ein Lied singe, oder für wen – dann kann ich das transportieren und dann kommt es auch an. Wenn ich etwas erzählen möchte, ist es egal, ob Schauspielerei oder Musik oder Hörbuch.

Apropos Gemeinsamkeiten: Heidenheim, Berlin – haben die Städte tatsächlich etwas gemeinsam?

Ich freue mich, wenn ich ein Auto mit HDH-Kennzeichen durch die Straßen fahren sehe. Aber Gemeinsamkeiten? Da fällt mir spontan nur das Klischee ein, dass scheinbar im Stadtteil Prenzlauer Berg so viele Schwaben leben. Mir ist das noch gar nicht aufgefallen, ehrlich gesagt.

Aber Sie sprechen Schwäbisch?

Ja natürlich, ich liebe es! Eine meiner besten Freundinnen kommt aus der Nähe von Tübingen, und wenn ich mit ihr rede, rutschen wir sofort ins Schwäbische. Ich muss mich richtig zusammenreißen, da dann wieder rauszukommen. Wobei, als ich vergangenen Sommer in Heidenheim war, habe ich einen alten Freund getroffen. Als ich dann in einen schwäbischen Singsang verfallen bin, meinte er nur: Eva, hör auf. Das geht gar nicht.

Das merken sicher nur echte Schwaben. Wenn wir schon bei Klischees sind: Schauspieler gelten ja als unnahbar, abgehoben, in einer anderen Welt. Sie wirken nicht besonders eigenbrötlerisch. Alles nur Klischee?

Ja. Ich meine, man findet überall Klischees bestätigt, das ist ja klar. Aber das bezieht sich auf jede Branche. Natürlich gibt es unter Schauspielern auch die mega eitlen Gockel und die Rampensäue und die Diven, aber das findet man unter Managern, Bankern oder Lehrern genauso.

In einem Porträt über Sie steht, dass Sie das Tagebuchschreiben begonnen haben. Wenn ich fragen würde: Wer ist Eva Meckbach? – Würde ich darin die Antwort finden?

Nein, nur einen Teil, wahrscheinlich. Das Tagebuchschreiben hat mir meine Freundin empfohlen, als ich überlegt habe, welche Veränderung ich brauche. Da wusste ich noch nicht genau, ob ich kündigen möchte, aber ich habe gespürt: Irgendwas braucht’s, damit ich nicht stagniere. Eine neue Herausforderung, die über dieses „Spielste mal ne neue Rolle“ hinausgeht. Wenn Sie also meine Tagebücher lesen dürften, würden Sie vor allem etwas über meine Entscheidungsfindung diesbezüglich erfahren.

Bleiben wir noch kurz dabei: Sie sind nun 13 Jahre an der Schaubühne, haben direkt nach dem Studium dort angefangen . . .

Wahnsinn! Wo Sie es sagen: Das ist ja wie eine komplette Schulzeit. Erste Klasse bis zum Abi.

Was hat Sie daran so fasziniert?

Schon als Studentin habe ich viel Theater in Berlin angeschaut. Meine erste Zuschauererfahrung an der Schaubühne: Ich saß ganz hinten, auf den billigen Plätzen, und dachte: Hier mal zu spielen, wäre der absolute Hammer. Mitten im Studium hat mich ein Bekannter für ein Vorsprechen angemeldet, ohne dass ich es wusste – als ich eingeladen wurde, bin ich fast gestorben. Ich habe die Nacht davor kein Auge zugetan, habe schnell noch Monologe gelernt, und na ja – es hat geklappt.

Und seither hatten Sie eine Rolle nach der anderen?

Anfangs war es überhaupt erst mal toll, an der Schaubühne zu sein. Dann wünscht man sich tolle Rollen. Meine erste große Rolle war die Kriemhild in den „Nibelungen“ in der Regie von Marius von Mayenburg. Das war 2009. Eine echte Herausforderung; es hat unglaublich Spaß gemacht. Und dann entwickelte sich das Reisen.

Jetzt machen Sie sich selbstständig. Erst mal also keine Welttourneen mehr. Sind Sie genug gereist?

Ja und nein. Also ehrlich gesagt, dieses weite Verreisen, Langstreckenflüge, das brauche ich nicht mehr so sehr. Dass man zum Beispiel nur für fünf Tage nach Australien reist, ist natürlich irre. Wahnsinnig anstrengend und auch ganz toll, aber ich bin des Fliegens etwas überdrüssig. Nicht falsch verstehen: Das Reisen an sich ist etwas Großartiges, es erweitert den Horizont.

Mehr Selbstbestimmung bedeutet mehr Freiheit, aber auch mehr Unsicherheit. Haben Sie Angst davor?

Nein. Gar nicht. Mit der Angst habe ich mich beschäftigt, ich habe mich mit dem Gedanken der Kündigung eineinhalb Jahre sehr intensiv auseinandergesetzt. Damit ich es nicht bereue und mir ganz sicher bin. Und man muss sagen, ich bin ja noch an der Schaubühne, mein Vertrag läuft Ende Juli aus, und selbst danach werde ich meine Rollen dort erst mal weiterspielen.

Es ändert sich also nicht alles von heute auf morgen.

Nein. Und zudem tun sich ganz neue Filmprojekte auf. Ich bin gerade in Vorbereitung auf eine neue Serie, in der ich eine Hauptrolle übernehmen darf. Es tut sich viel Schönes auf, was vorher gar nicht möglich war, weil ich so viel gespielt habe und so viel auf Tour war, dass ich gar nicht die Zeit hatte, groß ins Filmgeschäft einzusteigen.

Ihre Rollen an der Schaubühne, die neue Serie – gibt es weitere Pläne für die Zeit nach Juli?

Noch nicht. Es warten einige Projekte in der Pipeline, aber beim Film weiß man nie, wann das nun genau gedreht wird. Deswegen halte ich mir größere Zeitfenster offen. Aber generell freue ich mich auf die Selbstbestimmung – und eine freiere Zeiteinteilung. Wenn normale Menschen frei haben, Pfingsten, Ostern, Wochenende, Weihnachten, da stand ich eigentlich immer auf der Bühne. Auch das wird sich ändern.

Zur Person

Eva Meckbach ist als Schauspielerin und Hörbuchsprecherin bekannt. 2019 bekam sie den Deutschen Hörbuchpreis als beste Interpretin. Geboren ist sie 1981, ihre Kindheit verbrachte sie in Heidenheim. Sie ging in die Waldorfschule, machte Abitur und lebte in Heidenheim bis zum Jahr 2000, bevor sie nach Berlin ging, um dort an der Universität der Künste von 2003 bis 2006 Schauspiel zu studieren. Während ihrer Zeit an der Schaubühne wirkte sie außerdem bei Hörbüchern und Radioproduktionen mit und spielte in Kino- und Fernsehfilmen.