Heidenheim #Reportertausch (3): Breschtlingsgselz fürs Marmalaad-Aamerla

„Brauchat Sie a Guck?“ - mit dieser Frage stellte Alexandra Mack die Tauschreporterin auf die Probe.
„Brauchat Sie a Guck?“ - mit dieser Frage stellte Alexandra Mack die Tauschreporterin auf die Probe. © Foto: Sabine Christofzik
Heidenheim / Sabine Christofzik 24.05.2018
Verstehen sich Franken und Schwaben? Tauschreporterin Sabine Christofzik vom Fränkischen Tag in Bamberg hat den Test gemacht.

Dass ich mir Radiowerbung anhören muss, als ich mich im Vorfeld der Reise nach Heidenheim im Bekanntenkreis umgehört habe, was den Leuten zum Thema schwäbischer Dialekt einfällt, ist krass. Hatte doch ein nicht unbeträchtlicher Teil der Befragten wahrhaftig (nur) „Woisch, Karle, des is ebbes Guuds“ zu bieten. Müsli-Reklame bildet also.

Sie kommt jedoch nicht aus dem Teil Baden-Württembergs, in dem Heidenheim liegt. Andererseits: Wie viele Menschen wird es wohl geben, die Franken generell mit „Allmächd“ in Verbindung bringen?

Dieser Ausruf mit dem eigentümlich zwischen Zunge und Gaumen zerquetschten Doppel-L-Laut kommt dem schwäbischen Heidenei in der Bedeutung sehr nahe. Auch er kann sowohl Verwunderung („Allmächd, ist des a Riesnding“) als auch Missbilligung (Allmächd, jetzt stell dich halt net gar so blöd an“) ausdrücken. Tatsache jedoch ist, dass kein Ober- und kein Unterfranke Allmächd sagt. Selbst in weiten Teilen Mittelfrankens wird es nicht gebraucht. Allmächd, das ist: Nürnberg und Umgebung.

Verstehen wir uns? Das lässt sich ganz einfach testen. „Sagen Sie mir doch bitte einen Satz, in dem ein typisch schwäbisches Wort vorkommt, dessen Bedeutung ich zu erraten versuche“, habe ich nebenbei bei der Recherche für zwei andere Geschichten zwei Frauen und einen Mann gebeten.

Im Gegenzug bekamen auch sie eine kleine Aufgabe: einen im Bamberger Raum oft gebrauchten Test-Satz für Auswärtige, der umso wirksamer ist, je schneller man ihn spricht: „Amarmalaadaamerlahamaaada“.

Gabi Fröscher aus Giengen lacht. Beim ersten Versuch erkennt sie nichts. Doch beim zweiten hat sie schon die Marmelade herausgepickt. „Irgendwas mit Marmelade da haben, gell?“. Ja, das ist schon mal recht nah dran. Und dann kommt der – erbetene – Konter: „S‘ Breschtlingsgselz hot au scho widdr oiner lee g’macht!“

Auweh. Das ist eine harte Nuss. „Hat auch schon wieder einer leer gemacht“ ist leicht zu erkennen. Aber Breschtlingsgselz? Gselz, das hört sich nach etwas Würzigem an. Aber gerade deswegen, weil das Wort so an Gesalzenes oder Geselchtes erinnert, wird es das gerade nicht sein. Breschtling weckt absolut keine Assoziationen. Erdbeermarmelade soll das heißen? Interessant!

Alexandra Mack hat ein Rätsel für mich, bei dem ich es bin, die kichern muss. „Brauchat Sie a Guck?“ Ob ich was brauche? Was immer es sein mag, es ist genial und ich werde es in meinen Wortschatz aufnehmen. „Noch besser wäre natürlich: guck a Guck!“ schmunzelt die Nattheimerin. „Schau, eine Tüte!“

Vor lauter Amüsement vergesse ich meinen Bamberger Satz anzubringen, hole das aber nach, als ich an der heißen Theke der Metzgereifiliale mein Mittagessen hole. Die Marmelade ist auch diesmal schnell erkannt.

Ich weiß es, ich weiß es! „Ganga m’r a gescheids Viertele Trollinger schlotze.“ Warum aber hebt Andreas Heger aus Heidenheim am Ende dieses Satzes nicht die Stimme an, wie bei einer Frage? „Wenn‘s ums Weintrinken geht, fragt der Schwabe nicht. Das ordnet er für sein Gegenüber quasi an.“

Schlotze habe ich schon mehrfach gehört, auch vor dem Reportertausch. Es steht für genussvolles Schlürfen, aber auch für Schlecken – zum Beispiel Eis.

So spricht man in der Region Bamberg

Und was heißt denn nun „Amarmalaadaamerlahamaaada“? Viel einfacher wird es, wenn man die Wörter trennt, so wie sich’s gehört: A Marmalaad-Aamerla hama aa da. Ein Marmelade-Eimerchen haben wir auch da. Jetzt müsste mir nur noch jemand das Aamerla mit Breschtlingsgselz füllen.

#ReporterTausch2018 – die Woche mit dem Blick von außen

Von Flensburg im hohen Norden bis Backnang im Südwesten, von Frankfurt (Oder) an der deutsch-polnischen Grenze bis Düsseldorf im Rheinland – über 50 Redakteurinnen und Redakteure von 30 Zeitungen aus dem gesamten Bundesgebiet nehmen an der erstmals vom BDZV organisierten Aktion #ReporterTausch2018 teil.

In der Woche vom 14. bis 20. Mai 2018 tauschen die teilnehmenden Medienhäuser für fünf Erscheinungstage Reporter, die in Lokalredaktionen in einer fremden Region zum Einsatz kommen.

Dabei wechseln nicht zwei Zeitungen jeweils untereinander ihr Personal, sondern die Redakteurinnen und Redakteure werden im gesamten Pool der teilnehmenden Medienhäuser eingesetzt.

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