Heidenheim „Reap the Storm“ lässt Aufhorchen

„Undertow“: Andreas Hund, Joachim Baschin, Oliver Rieger, Markus Brand (von links).
„Undertow“: Andreas Hund, Joachim Baschin, Oliver Rieger, Markus Brand (von links). © Foto: Cindy Kroeger
Heidenheim / Jens Eber 22.09.2018
Fast fünf Jahre zogen ins Land, ehe die Metal-Band „Undertow“ ein neues Album herausbrachte. Nun ist „Reap the Storm“ auf dem Plattenmarkt und lässt aufhorchen

Wenn ein Musiker die Kritiken zu seinem neuesten Album liest, ist es wahrscheinlich wie bei einem Kind, das vor den Sommerferien den ersten Blick ins Zeugnis wagt. Jedenfalls gewinnt man diesen Eindruck, wenn man Joachim Baschin dabei zusieht, wie er in der druckfrischen Ausgabe des Musikmagazins „Slam“ blättert.

In der Bewertungsrubrik angekommen, blättert er bis zum Buchstaben „U“, liest ein paar Sekunden und beginnt zu strahlen. „Undertow war, ist und bleibt eine der besten, wenn nicht die beste Was-auch-immer-Metalband des Planeten“, steht da als Fazit der Kritik zum Album „Reap the Storm“.

„Joschi“ Baschin, Mitbegründer, Sänger und Gitarrist von „Undertow“ fasst es noch knapper zusammen, wie sich die ersten Reaktionen auf das mittlerweile achte Album anfühlen: „Brutal geil!“. Das Lob für die neuerliche Bandleistung scheint in diesen Tagen, in denen die Band auch das 25-jährige Bestehen feiert, nicht abzureißen.

Neuer Bassist

Zwar gehörte die Band aus dem Kreis Heidenheim nie zu den allerschnellsten Komponisten, dass diesmal aber fast fünf Jahre zwischen dem „Reap the Storm“ und dem Vorgänger „In Deepest Silence“ lagen, hatte allerdings gleich mehrere Gründen.

Anfang 2017 schied Bassist und Gründungsmitglied Thomas Jentsch nach 23 Jahren aus. Danach stand ein Wechsel der Plattenfirma an. Außerdem hatte Produzent Roger Grüninger so viel zu tun, dass sich die Aufnahmen in die Länge zogen.

Die Herausforderungen ließen sich allem Anschein nach aber bewältigen. Als neuen Tieftöner verpflichtete die Band Andreas Hund, der mit seinem verzerrten Bass-Sound eine neue Facette ins Klangbild des Quartetts bringt.

Neue Plattenfirme mit räumlichem Bezug

Einen neuen Hafen fand „Undertow“ zudem bei El Puerto Records, dem Label um den „Brainstorm“-Gitarristen Torsten Ihlenfeld. „El Puerto hat uns die besten Konditionen geboten“, sagt Baschin, außerdem habe die räumliche Nähe zur in Gerstetten ansässigen Plattenfirma Vorteile: „Wenn wir etwas zu besprechen haben, treffen wir uns einfach persönlich.“

Der Höreindruck von „Reap the Storm“ lässt sich so zusammenfassen: Man erkennt „Undertow“ sofort, im Detail klingt dennoch manches anders.

Das Schlagzeug von Oliver Rieger, wie immer zwischen wieselflink und wuchtig gespielt, klingt diesmal sehr viel organischer als auf den letzten Aufnahmen. Gitarrist Markus Brand hat sich nicht nur verstärkt ins Songschreiben eingebracht, sondern steuert auch viele spannende Kleinigkeiten in den gewohnt druckvollen Sound ein.

Überraschung inklusive

Auf der brachialen Seite gibt es Songs wie „Zero Type X“ oder „Dunning Krueger“, die zwischen rasenden Strophen und hochmelodischen Refrains pendeln. Dazwischen zementiert der Titelsong eine Art Alternativ-Thrash, „Thieves &Liars“ ist hitverdächtiger Modern-Metal.

Ein Gastauftritt von „End-of-Green“-Sänger Michelle Darkness ist bei „Undertow“ schon fast Tradition, diesmal erhebt er seine Grabesstimme beim großartigen Schleicher „Empire“. Und mit „11 Hours“ gibt es auch einen rein akustischen Song zu hören.

Eine kleine, augenzwinkernde Überraschung wartet kurz vor Schluss: Mit „I turn to you“ hat die Band ein Cover des 2000er Hits von Ex-Spice-Girl Mel C aufgenommen, das auch als bleischwere Doom-Nummer funktioniert. Da mischt sich ein Schmunzeln in den Ohrwurm.

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