Musik "Normahl": Die Punk-Rocker melden sich zurück

„Friede den Hütten – Krieg den Palästen“ heißt die neue CD der in die Jahre gekommene Punkgruppe „Normahl“. Hinten mit gereckter Faust der in Heidenheim lebende Sänger Lars Besa.
„Friede den Hütten – Krieg den Palästen“ heißt die neue CD der in die Jahre gekommene Punkgruppe „Normahl“. Hinten mit gereckter Faust der in Heidenheim lebende Sänger Lars Besa.
Heidenheim / 03.06.2015
„Friede den Hütten - Krieg den Palästen“: Gerade ist nach zehn Jahren Pause das erste Studio-Album der Punkgruppe "Normahl" um den Heidenheimer Sänger Lars Besa erschienen.
Die Indizierungen von mehr als 30 Jahre alten Songs und eines Albums der Gruppe im vorigen Jahr hat den Punkvierer noch stärker zusammengeschweißt - und zu ihrem wohl stärksten musikalischen Manifest geführt. „Es ist mehr als nur eine Platte“, sagt der in Heidenheim lebende Sänger Lars Besa, bei dem vor zwei Jahren die Wohnung polizeilich durchsucht wurde.

Zwölf Songs, sechs eigene, sechs Bearbeitungen, sind in der neuen CD zusammengefügt zu einem „rauen gesellschaftspolitischen Statement zur Zeit“, wie Besa meint.

„Friede den Hütten – Krieg den Palästen“ ist kein Album fürs Nebenbei hören. Es fordert, es mahnt: Zuhören. Ob bei den Eigentracks wie „Freiheit“, „Spaß“ oder „Sommer“ oder bei den Neubearbeitungen von eigentlich leisen Liedern wie „Narrenschiff“ (Reinhard Mey), dem „Kapitalistenlied“ (Georg Kreisler) oder „Es ist an der Zeit“ (Hannes Wader). Die Musiker empfinden ihre Songs als „provokant, prägnant, hart“.

Ziemlich genau 35 Jahre, nachdem die Vier ihr erstes Demo aufs Band eines Kassettenrekorders einprügelten und als Teenager ihren „Frust herauskotzten“, krönen die Urgesteine des Deutsch-Punks ihre Karriere nun „mit einem satten Linkschuss ins Herz aller konservativen Pegida-Verharmloser und dumpfer Rechtspopulisten“.

Rund ein Jahr haben die Jungs an diesem Album gearbeitet. So lange wie nie zuvor - und so inspiriert wie selten.

1980 galt „Normahl“ als Wegbereiter des Deutsch-Punks; 1992 waren sie mit „Kein Hass im Wilden Süden“ Mahner gegen Ausländerfeindlichkeit. Und wie groß die Fanbase auch heute noch immer ist, zeigt ein Beispiel vom vorigen Jahr: Nach der Indizierung eines 32-jährigen Songs hatte eine Welle der Solidarität Deutschlands dienstälteste Punkband erfasst. Fans gründeten eine Facebookseite und hievten den Track, zwischenzeitlich auf die Position 1 der Amazon-Rock-Charts und bis auf Platz 3 der „I-Tunes-Charts“.

Nachdem die Polizeiaktion nachträglich als „absolut rechtswidrig“ eingestuft wurde, kam drei Monate später prompt die Retourkutsche: 2014 später wurden neben „Bullenschweine“ noch drei weitere über 30 Jahre alte Songs indiziert sowie die Alben „Ein Volk steht hinter uns“ und „Verarschung Total“.

Ihre Gefühlslage angesichts von Wohnungsdurchsuchungen und Indizierungen haben die Punker in einem der wichtigsten Stücke des Albums verarbeitet. In „Freiheit“ heißt es: „Ich will nicht jubeln, ich will nicht schrein, für ein Land, das mich nicht liebt. Denn ein Vaterland kann mir nur sein: ein Land, wo es Freiheit gibt”.

Bandmitglieder sind neben Sänger Lars Besa noch Mick Scheuerle (Gitarre), Manny Rutzen (Bass) und Scobo Skobowski (Schlagzeug).

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