Heidenheim Firma Kieffer wehrt sich: „Natürlich bezahlen wir nach Tarif“

Ein Job für Fachkräfte: Bei der Reinigung im Klinikum kommt es in allen Bereichen auf die Hygiene an.
Ein Job für Fachkräfte: Bei der Reinigung im Klinikum kommt es in allen Bereichen auf die Hygiene an. © Foto: Fa. Kieffer
Heidenheim / Von Silja Kummer 18.09.2018
Die Steinheimer Reinigungsfirma Kieffer wehrt sich gegen die schlechte Beurteilung ihrer Arbeit im Heidenheimer Klinikum durch ein Gutachten.

Klaus Kieffer ist empört. Der Geschäftsführer der gleichnamigen Steinheimer Reinigungsfirma wehrt sich gegen die Behauptungen, die in einem Gutachten der Beratungsfirma Medcura über die Arbeit seiner Firma im Klinikum aufgestellt wurden.

„Es steht außer Frage, dass wir unsere Mitarbeiter nach Tarif bezahlen“, sagt er. Und wenn der Fachbetrieb die Arbeit im Klinikum nicht richtig machen würde, wäre er dort sicherlich nicht seit 22 Jahren als Dienstleister tätig, so der Firmenchef.

Hintergrund des Gutachtens ist, dass das Klinikum zum 1. Januar 2019 eine Servicegesellschaft gründen will, in die Bereiche wie Wäscherei und Küche ausgelagert werden sollen.

Die Reinigung, für die Kieffer mit rund 50 Mitarbeitern als externer Dienstleister sorgt, soll in diese Gesellschaft und damit in die Hände des Klinikums zurückgeholt werden. Zur Bewertung dieses Vorhabens hat die Klinikgeschäftsführung das Gutachten bei Medcura in Auftrag gegeben.

Keine Beschwerden vom Zoll

Die Beratungsfirma hat sich den Stundenverrechnungssatz von Kieffer und die Leistungen, die erbracht werden müssen, angeschaut. „Der Wert erscheint sehr niedrig und kann nur erreicht werden, wenn die Mitarbeiter nicht tarifkonform bezahlt werden oder die kalkulierte Leistung nicht erbracht wird“, so der Schluss dieser Betrachtungen.

Für diese Beurteilung, mit der Kieffer bislang auch nicht direkt konfrontiert worden ist, gibt es von seiten der Geschäftsführung nur Kopfschütteln. „Der Zoll hat im Sommer vier Wochen lang mit dem Schwerpunkt Gebäudereinigung kontrolliert“, berichtet Geschäftsführer André Kieffer, dabei wird von der Behörde auch überprüft, ob der tariflich vereinbarte Mindestlohn eingehalten wird.

Mehrere Objekte, in denen Kieffer tätig ist, seien kontrolliert worden. „Es gab keine einzige Beschwerde“, so André Kieffer. Zudem gebe es auch in der Reinigungsfirma einen Betriebsrat, der die Interessen der Mitarbeiter vertritt.

„Das Gutachten soll dem Aufsichtsrat Gründe liefern, um der Servicegesellschaft zuzustimmen“, meint Klaus Kieffer. Er geht davon aus, dass die Klinikgeschäftsführung schon ziemlich sicher mit der Servicegesellschaft rechne. Es sei sogar schon ein Gebäudereinigungsmeister beim Klinikum angestellt worden, so Kieffer.

Längere Frist erbeten

„Natürlich tut das weh, wenn man so einen Auftrag verliert“, sagt der Geschäftsführer. Rund 1,5 Millionen Euro Umsatz habe seine Firma jährlich mit dem Klinikum gemacht. Verärgert ist der Steinheimer aber vor allem darüber, wie man mit ihm umgegangen ist: Im Juli habe er gerüchteweise erfahren, dass das Klinikum die Reinigung wieder selbst übernehmen will, erst im August habe er nach mehrmaliger Nachfrage ein Gespräch mit Landrat Thomas Reinhardt und Geschäftsführer Udo Lavendel führen können.

„Mein Vorschlag war, uns den Auftrag bis Mitte Juni 2019 zu lassen, damit wir den Mitarbeitern fristgerecht kündigen können“, sagt Klaus Kieffer. Er habe sogar angeboten, bei der Implementierung der neuen Gesellschaft zu helfen, was die Organisation der Reinigung betrifft. Eine Reaktion auf diesen Vorschlag habe er bis heute nicht erhalten, so Kieffer. „Der Aufsichtsrat möge sich Zeit nehmen, um das Thema scharfsinnig zu hinterfragen“, ist der Rat von Klaus Kieffer.

Was man jetzt in einer Hau-Ruck-Aktion beschließe, sei nicht mehr so leicht rückgängig zu machen. Eine große wirtschaftliche Ersparnis könne er nicht erkennen. „Aber wenn der politische Wille da ist, kann man da nichts machen“, fürchtet er.

In einem Brief wendet sich der Unternehmer an Landrat Thomas Reinhardt und verwahrt sich gegen die „Unterstellungen des Gutachters“. Er weist darauf hin, dass er als Dienstleister seit 22 Jahren ohne jegliche Beanstandung fürs Klinikum tätig sei. Man sei immer flexibel für das Haus dagewesen, nachts und am Wochenende genauso wie in Ausnahmesituationen wie Umzügen oder dem Umbau.

Mehr als 90 Prozent der im Klinikum eingesetzten Kräfte des Reinigungsdienstes seien sozialversicherungspflichtig angestellt, geringfügig Beschäftigte würden höchstens stundenweise für Aushilfsarbeiten eingesetzt. Das sei keineswegs alltäglich.

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Knapp 100 000 Euro kostet die Reinigung des Klinikums monatlich. Neben den regulären Putzarbeiten gibt es auch einen Bereitschaftsdienst, wenn beispielsweise nachts oder am Wochenende ein OP gereinigt werden muss.

Ersatz für kurzfristig fehlendes Personal in Küche und Wäscherei wird im Klinikum auch von der Firma Kieffer gestellt. Bei diesen Sonderleistungen sieht man laut dem Medcura-Gutachten Einsparpotenzial, wobei weder genau geklärt wurde, worin die Sonderleistungen bestehen noch, wie diese künftig erbracht werden sollen.

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