Heidenheim „Nach Rubens“ bietet mehr als dicke Weiber

Sammelt „nach Rubens“ mit Leidenschaft, Verstand und rheinischem Humor: der Kunsthistoriker Dr. Wolfgang Vomm, hier vor der Allegorie „Triumph der Eucharistie über den Götzendienst“, die zur Schau gehört, die Samstag im Kunstmuseum eröffnet wird.
Sammelt „nach Rubens“ mit Leidenschaft, Verstand und rheinischem Humor: der Kunsthistoriker Dr. Wolfgang Vomm, hier vor der Allegorie „Triumph der Eucharistie über den Götzendienst“, die zur Schau gehört, die Samstag im Kunstmuseum eröffnet wird. © Foto: Natascha Schröm
Heidenheim / Manfred F. Kubiak 10.10.2018
Übermorgen wird im Heidenheimer Kunstmuseum die Ausstellung mit Druckgraphiken des bekannten Künstlers aus der Sammlung von Wolfgang Vomm eröffnet.

Frauen – nackt, üppig. Fällt das Stichwort Rubens, spielt im Kopfkino immer derselbe Film. Zu Unrecht, schon klar. Aber so ist das nun einmal. Die „Rubensfigur“ hat es vom Ölgemälde der Barockzeit bis in den aktiven Wortschatz des Volksmundes selbst des digitalen Welttheaters geschafft. Und nun kommt Rubens nach Heidenheim. Um genau zu sein, kommt „Nach Rubens“. So heißt eine Ausstellung, die am kommenden Samstag im Kunstmuseum eröffnet wird.

Der Name der Schau deutet bereits an, dass sie sich, wenn man so will, nicht direkt mit dem über 1000 Gemälde umfassenden malerischen Œuvre des Peter Paul Rubens auseinandersetzt.

Verbreitung und Rezeption

Vielmehr gilt es im Kunstmuseum dem Einblick in dieses Werk und dabei nicht zuletzt dem Einblick in dessen Verbreitung und Rezeptionsgeschichte im Verlaufe dreier Jahrhunderte, aus denen auch die 150 Druckgraphiken aus der Sammlung von Dr. Wolfgang Vomm stammen, die die Ausstellung präsentiert und die folglich ebenso von Rubens autorisierte Kupferstiche aus eigener Werkstatt beinhalten wie in anderen graphischen Techniken gehaltene Reproduktionen seiner Werke aus späterer Zeit.

Das geht bis hin zur Zeitungsgraphik ab Mitte des 19. Jahrhunderts, der sich die Schau gewissermaßen in einem Spezialwinkel auf der Galerie des Kunstmuseums widmet. Nebenbei bemerkt, gelingt es dieser Ausstellung ebenso en passent auch, den Stellenwert der gern etwas mokant betrachteten Druckgraphik nicht nur als Medium, mit der man Kunst letztendlich jedermann zugänglich machen konnte, ins verdient rechte Licht zu rücken, sondern auch als das Medium, das es Künstlern erlaubte, innovative Bilderfindungen zu verbreiten.

Geschenke und Multiplikatoren

Im Falle Rubens heißt das, sein Werk in ganz Europa zu verbreiten. Und auf andere Weise, als dies vor ihm etwa Dürer tat oder kurz nach ihm Rembrandt, die selbst gravierten.

Peter Paul Rubens, der es als Chef der größten Malerwerkstatt seiner Zeit gewohnt war, nicht alles, sondern in vielen Fällen nur das wichtigste selber machen zu müssen, organisierte selbstverständlich die Herstellung seiner Druckgraphiken ebenfalls arbeitsteilig. Nur dass er eben, anders als beim Malen, hier nicht selbst Hand anlegte.

Bei ihm fertigte zunächst der beste Künstler seiner Werkstatt eine Zeichnung des zur Reproduktion vorgesehenen Rubens-Gemäldes an, die dann, nach der Korrektur durch den Meister, als Vorlage für den Kupferstecher diente. Für diese Originalgraphiken erwirkte Rubens in mehreren Ländern sogar exklusive Veröffentlichungsrechte.

Nichts so kommerziell wie gedacht

Geschäftstüchtig, würde man so etwas heute nennen. Trotzdem war die Kupferstecherei nicht so sehr auf kommerzielle Zwecke ausgerichtet, wie man vermuten könnte.

In vielen Fällen waren die Graphiken aus dem Hause Rubens Geschenke an solvente Kunden, die beim Chef Gemälde in Auftrag gegeben hatten, oder an einflussreiche Persönlichkeiten, die als Multiplikatoren ausgeguckt worden waren.

Und die PR-Strategie ging auf. Rubens wurde noch bekannter – und die Druckgraphiken zementierten seinen Erfolg und verbreiteten seine Bildideen in allen europäischen Landen. Nach seinem Tod verbreiteten zunächst seine Kupferstecher, später fremde Verleger Rubens' graphisches Werk immer weiter, neue Medien wie Kunstbücher oder Zeitschriften hinzu.

Das alles erzählt und zeigt die Ausstellung ebenfalls. Und von was sie unter anderem noch kündet, ist die große Kunst des Kupferstichs, dessen Protagonisten zu ihrer Zeit als regelrechte Stars gehandelt wurden. Peter Paul Rubens beschäftigte selbstverständlich nur die besten ihrer Zunft für diese unvorstellbar aufwendige handwerkliche und in ihrer ganz eigenen Kategorie auch künstlerische Arbeit.

Nicht plakativ, sondern intim

Um ein Blatt von der Qualität etwa der Allegorie „Triumph der Eucharistie über den Götzendienst“ herzustellen, braucht es Jahre, und Fehler in der Bildkomposition sind dabei eigentlich nicht vorgesehen, denn anders als der Maler, kann der Kupferstecher sein Tun nicht mehr korrigieren.

Wie filigran dabei gearbeitet wurde, kann der Betrachter eigentlich nur ermessen, wenn er ab und zu zur Lupe greift, die man vor Ort übrigens gegen ein Pfand ausleihen kann. Und wer durchs Vergrößerungsglas blickt, kann verstehen, was Dr. Wolfgang Vomm meint, wenn er sagt: „Das ist keine plakative, sondern eine intime Kunst. Man muss schon genau hinschauen.“

Seit 20 Jahren sammelt der Kunsthistoriker aus Bergisch Gladbach Druckgraphik in Sachen Rubens. Auslösendes Erlebnis war die Begegnung mit dem bereits erwähnten „Triumph der Eucharistie über den Götzendienst“ in einem Bonner Antiquariat. „Der Inhaber meinte, ich solle das Blatt ruhig mitnehmen, es sei auch nicht teuer, da religiöse Thematik in schwarz-weiß seine Kundschaft ohnehin nicht sonderlich interessiere.“

Das war der Beginn der Leidenschaft. Inzwischen umfasst die Graphik-Sammlung von Wolfgang Vomm rund 1500 Blätter „nach Rubens“, die sich thematisch mit Porträts, Landschaften, Altem und Neuem Testament oder der antiken Mythologie befassen.

Der Beginn der Leidenschaft

Letztgenannten Themenschwerpunkt nennt Wolfgang Vomm scherzhaft „die Abteilung Wein, Weib und Gesang“. Womit wir gewissermaßen wieder am Beginn der Geschichte angelangt wären und Wolfgang Vomm mit Fug und Recht und in liebevoll zu verstehender rheinischer Manier lachend konstatiert: „Rubens ist mehr als dicke Weiber.“

„Nach Rubens“ in Heidenheim: ein bisschen exotisch, aber auch einmalig

Peter Paul Rubens wurde am 28. oder 29. Juni 1577 in Siegen geboren und war flämischer Herkunft. Er war einer der bekanntesten Barockmaler und galt auch als Maler der Gegenreformation. Darüber hinaus war er ein Universalgelehrter, hatte Kontakte in alle europäischen Königshäuser und war Diplomat der spanisch-habsburgischen Krone. Er starb am 30. Mai 1640 in Antwerpen.

In der Ausstellung „Nach Rubens“, die am Samstag, 13. Oktober, um 17 Uhr im Kunstmuseum eröffnet und dort bis zum 10. Februar zu sehen sein wird, werden 150 Druckgrafiken aus der das Zehnfache an Werken umfassenden Sammlung des Kunsthistorikers Dr. Wolfgang Vomm gezeigt.

Die Sammlung wird in Heidenheim zum ersten Mal überhaupt in größerem Rahmen präsentiert. „Es ist ein bisschen exotisch, was wir hier machen“, sagt Kunstmuseumsdirektor Dr. René Hirner, „aber auch einmalig

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