Heidenheim Das „neue“ Naturtheater nach dem Umbau

Eine neue Maske (oben links), eine neu eingerichtete Klause (unten links), ein neuer Lagerraum mit Waschküche (unten rechts) und eine vergrößerte Bühne mit Schnürboden und Bandzügen (oben rechts), die die Aufhängung von drei Bühnenbildern ermöglicht.
Eine neue Maske (oben links), eine neu eingerichtete Klause (unten links), ein neuer Lagerraum mit Waschküche (unten rechts) und eine vergrößerte Bühne mit Schnürboden und Bandzügen (oben rechts), die die Aufhängung von drei Bühnenbildern ermöglicht. © Foto: Sabrina Balzer
Heidenheim / Joelle Reimer 16.05.2018
Der Theaterbetrieb auf dem Schlossberg geht seinen gewohnten Gang – mit dem Unterschied, dass nach dem Umbau der Räume nun eine teils schon professionelle Ausstattung vorhanden ist.

In aller Seelenruhe schnurrt die schwarz-weiß gefleckte Katze vor sich hin. Sie hat es sich auf einem Stuhl gemütlich gemacht, im oberen Stockwerk des Gebäudes, in dem unter anderem die Waschküche, die Schneiderei und der Probenraum des Heidenheimer Naturtheaters untergebracht sind. Neben ihr stehen zwei Schüsseln; eine mit Futter, eine mit Wasser.

Die Katze ist eine lebendige Erinnerung daran, dass die Räume auf dem Schlossberg noch vor nicht allzu langer Zeit ganz anders ausgesehen haben. „Das Tier gehört der Dame, die früher in der Wohnung hier oben lebte. Jetzt ist sie in die Stadt gezogen, aber die Katze kommt regelmäßig hier hoch“, sagt Ralf Käpplinger, der seitens der Stadt für die Verwaltung des Grundstückes zuständig ist.

Der Umzug war vor knapp zwei Jahren, als man im Naturtheater mit dem Umbau der Räumlichkeiten begann. Nun ist dieser abgeschlossen, und seither hat sich viel getan: Altes wurde erneuert, anderes kam ganz neu hinzu – nur die Katze, die ist geblieben. „Nun ja, nicht nur sie. Einige Räume haben wir auch belassen, beziehungsweise nur leicht verändert“, erzählt Käpplinger. Insgesamt wurden von Seiten der Stadt und des Vereins, unterstützt vom Landesverband der Amateurtheater Baden-Württemberg, rund 1,24 Millionen Euro investiert.

Vier Bandzüge für die Kulisse

Am meisten getan hat sich im Theatersaal: Die Bühne wurde ein ganzes Stück vergrößert und mit neuester Technik ausgestattet. „In unserem Bühnenturm mit Schnürboden haben wir nun vier Bandzüge, mit deren Hilfe wir die Bühnenbilder anheben und herablassen können“, sagt Norbert Pfisterer, Vorsitzender des Naturtheatervereins. Diese Bandzüge seien extrem leise und würden im Gegensatz zu Seilzügen nicht wackeln – „für ein Amateurtheater ist das schon eine sehr professionelle Ausstattung. Wir können drei Bühnenbilder anbringen“, so Pfisterer. Um all das umsetzen zu können, musste eben jene besagte Wohnung im Obergeschoss aufgegeben und die Decke durchstoßen werden.

Durch den größeren Hinterbühnenbereich konnte nicht nur die Beleuchtungssituation verbessert werden, sondern es ist nun beispielsweise auch mehr Platz, um Schauspieler seitlich auf der Bühne einzuführen oder große Kulissen durch die neuen, doppelflügligen Türen zu transportieren. Doch bei einem Theater, das im kommenden Jahr sein 100-jähriges Bestehen feiern kann, hat auch Altbewährtes seinen Platz. So ist der Bühnenvorhang zwar ein neuer, die Technik jedoch eine alte: es wird von Hand gekurbelt.

Neue Räume, besser ausgestattet

Das „neue“ Naturtheater wurde größtenteils auf den bestehenden Rohbau aufgebaut. Die Sanierung hatte sich schon seit längerer Zeit abgezeichnet, stammen die Bauten doch zum Teil aus den 50er- und 60er-Jahren. „Ein Abriss und kompletter Neubau wäre definitiv teurer gewesen“, so Käpplinger. Neu gestaltet wurden unter anderem die Maske mit neuem Oberlicht und einer durchgehenden Spiegelwand, der dortige Lagerraum für Perücken und Schminke, die Sanitäranlagen und die Umkleidekabinen, wobei der Damenumkleideraum etwas größer geraten ist – „zum einen, weil im Verein mehr Frauen sind, zum anderen, weil deren Kostüme ausschweifender sind“, so Pfisterers Erklärung.

Beeindruckend auch der Blick in den neuen Kostümverleih. Kleiderständer drängt sich an Kleiderständer, Sakkos jeglicher Farbe und Größe reihen sich ein neben mittelalterliche Roben, Hüte und Königsgewänder – unter den 5000 Kleidungsstücken ist alles zu finden, was das Schauspielherz begehrt. „Durch den Umbau haben wir hier 20 Prozent mehr Platz“, so Käpplinger. Der Lager- und Werkraum inklusive Waschküche nebenan wurde komplett neu gebaut, genau wie die Küche im Erdgeschoss.

Vor allem während der Saison 2017 hatten die Mitglieder des Vereins Einschränkungen in Kauf nehmen müssen – beengte Verhältnisse in der Maske, chaotische Lagerräume und fehlende Umkleidekabinen, die dazu führten, dass sich die Akteure in jeder freien Ecke umgezogen haben; wenn nötig sogar im Treppenhaus. „Aber jeder hat das gern gemacht. Die Neugestaltung ist dafür auch richtig gut geworden. Davon träumt manch eine Profibühne“, so Pfisterer. Und ein wenig Improvisation kann im Theater ab und an ja nicht schaden.

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