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Leserbrief zum Kommentar „Eingreifen erfordert“ vom 15. April

aut WHO liegt in entwickelten Ländern die Letalität der Masern bei 0,05 bis 0,1 Prozent (Quelle: Robert-Koch-Institut). Und Sie bezeichnen Masern als tödliche Krankheit? Nicht Ihr Ernst. Zitat von Erich Kästner: „Leben ist immer lebensgefährlich!“ Jede Krankheit kann tödlich enden – die Frage ist die Häufigkeit, mit der diese Krankheit zum Tode führt.

Und da ist bei Masern die Verhältnismäßigkeit für eine Impfpflicht aus o.g. Letalitäts-Rate und aus folgenden Gründen nicht gegeben:

2017 gab es in Deutschland einen (!) Todesfall durch Masern. 2017 starben 7,3 Prozent (= 231 Menschen) aller tödlich Verletzten Verkehrsteilnehmer in Deutschland infolge eines Alkoholunfalls – nach Ihrer Logik müsste dann die Promillegrenze auf 0,0 gesetzt werden.

2017 gab es 382 Fahrradtote in Deutschland, wobei davon 95 Prozent keinen Helm trugen – dann müsste die Helmpflicht eingeführt werden.

Jedes Jahr gibt es ca. 300.000 (plus eine große Dunkelziffer) Neuerkrankungen an Diabetes. Die meisten davon an dem Typ 2. Zitat aus dem Gesundheitsbericht 2017 der Deutschen Diabetes-Gesellschaft: „Nach Datenlage kann die kausale Beziehung zwischen Saccharose-Konsum, Übergewicht/Adipositas und Diabetesrisiko als gesichert gelten.“

Da müsste man ja dann den Zucker verbieten!

Im Artikel 2 des Grundgesetzes steht in Absatz 2: „Jeder hat das Recht auf Leben und körperliche Unversehrtheit. Die Freiheit der Person ist unverletzlich. In diese Rechte darf nur auf Grund eines Gesetzes eingegriffen werden.“

Das bedeutet, das Grundgesetz müsste für eine Impfpflicht geändert werden. Also: Lassen wir doch die Kirche im Dorf! Es geht hier nicht darum, ob man für oder gegen Impfungen ist, es geht hier um die Verhältnismäßigkeit – denn eine Impfpflicht ist ein gravierender Eingriff in die Persönlichkeitsrechte!

Linda Mosch, Heidenheim