Vortrag „HZ im Gespräch“ über lukrative Geschäfte mit Krebsmedikamenten

Silja Kummer 10.01.2018
Die Journalisten Oliver Schröm und Niklas Schenck berichten in der Reihe „HZ im Gespräch“ von ihrem neuen Buch und ihren Recherchen im Vorfeld.

Das Thema Krebs betrifft sehr viele Patienten, jährlich erkranken in Deutschland 500 000 Menschen neu. Wenn jemand diese lebensbedrohliche Situation nutzt, um Geschäfte zu machen, löst das großes Entsetzen aus. Die Journalisten Oliver Schröm und Niklas Schenk haben fast drei Jahre lang an dem Thema gearbeitet und jetzt das Buch „Die Krebsmafia“ veröffentlicht. Dabei geht es um die Milliardengeschäfte, die Apotheken, Pharmahändler und Onkologen mit Zytostatika, sehr teuren Medikamenten für die Chemotherapie, machen.

Riesige Gewinnspannen

Ausgangspunkt der Recherchen war ein Apotheker, der sich Ende 2014 beim Recherchezentrum Correctiv meldete. Er schilderte, wie das lukrative Geschäft funktioniert. Dabei geht es um Ärzte, die sich ihre Verschreibungsmacht teuer bezahlen lassen, um Apotheker, die zweifelhafte Medikamente in Umlauf bringen und Händler, die mit Importen aus Drittstaaten die Patente der Hersteller unterlaufen. „Die Gewinnspannen sind höher als bei Drogen“, so ein Fazit der Autoren. Rund vier Milliarden Euro jährlich kosten Therapien für Krebskranke in Deutschland, nur rund 200 Apotheken haben ein lizenziertes Reinraumlabor, in dem sie die Infusionen für Chemotherapien herstellen dürfen.

Im Buch geht es um einen Fall, bei dem 80 Apotheken über einen Pharmahändler illegale Re-Importe aus Ägypten billig einkauften und teuer bei den Krankenkassen abrechneten. Dadurch entstand ein Schaden im zweistelligen Millionenbereich. Um einen Apotheker in Hamburg, der ein ganzes Ärztezentrum unter seine Kontrolle brachte, um mehr Umsätze machen zu können. Und um den bekanntesten Fall des Apothekers Peter Stadtmann aus Bottrop, der über Jahre hinweg bei den Chemotherapie-Zubereitungen panschte und der seit November vor Gericht steht.

„Neben den Enthüllungen zu den unglaublichen Machenschaften der Krebsmafia ist das auch ein Buch über investigativen Journalismus, weil wir ganz transparent schreiben, wie wir recherchierten und wie wir auch an Grenzen stießen beziehungsweise, welche Fehler wir gemacht haben“, sagt Oliver Schröm. Darum soll es auch bei der Veranstaltung am Freitag, 26. Januar, um 19 Uhr in Heidenheim gehen (Margarete-Hannsmann-Saal der Stadtbibliothek): Natürlich um das spannende Thema des Buches, aber auch darum, wie Journalisten auf solche Themen kommen, wie man auch das öffentlich macht, was andere gerne geheim halten würden und welche Fehler dabei passieren können. Bei der Veranstaltung in der Reihe „HZ im Gespräch“ ist der Eintritt frei, es stehen ca. 150 Sitzplätze zur Verfügung.

Oliver Schröm, Jahrgang 1964, hat nach dem Abitur am Hellenstein-Gymnasium von 1988 bis 1990 bei der Heidenheimer Zeitung volontiert. In dieser Zeit erregte er großes Aufsehen in der Stadt, als er zusammen mit seinem Kollegen Stefan Scheytt den flüchtigen Busunternehmer Fritz Wahl in Mexiko interviewte. Danach wurde er Stipendiat der Michael-Jürgen-Leisler-Kiep-Stiftung in den USA, war danach als freier Journalist für den „Stern“, „Die Zeit“ und die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung tätig. 2010 gründete er das Team „Investigative Recherche“ beim Magazin Stern, im November 2017 wechselte er als Chefredakteur zum Recherchezentrum Correctiv. Schröm hat mehrere Bücher veröffentlicht, unter anderem über Geheimdienste, Terrorismus und die Ermittlungen gegen den Waffenhändler Karlheinz Schreiber.

Schröm arbeitete für „Die Krebsmafia“ zusammen mit Niklas Schenck, der ebenfalls aus Heidenheim stammt und sein Abitur am Hellenstein-Gymnasium gemacht hat. Der 34-Jährige hat Geographie, Umweltgeochemie und VWL in Heidelberg studiert und parallel eine Ausbildung in der Journalistenakademie (JONA-Programm) bei der Konrad-Adenauer-Stiftung absolviert. Schenck arbeitete als freier Mitarbeiter vor allem für die Frankfurter Allgemeine Zeitung, dem Deutschlandfunk und das Fernsehen des Südwestrundfunks. Ab 2012 absolviert er eine Ausbildung an der Henri-Nannen-Schule in Hamburg. Im Rahmen dieser Ausbildung machte er ein Praktikum beim „Stern“ und lernte dort Oliver Schröm kennen. Mittlerweile ist Schenck ein ausgezeichneter Dokumentarfilmerm, er erhielt den Axel-Springer-Preis (2010), den Wächterpreis (2012) und wurde für einen Grimme-Preis (2013) nominiert. Zuletzt hat Schenck ein Jahr in Kabul gelebt und den 2017 erscheinenden Kino-Dokumentarfilm „True Warriors“ produziert, der auch in Heidenheim zu sehen sein wird.