Heidenheim / MANFRED ALLENHÖFER  Uhr
Das Ensemble? Begeistert. Die Regisseurin? Begeistert. Das Publikum? Kauffreudig. Das Heidenheimer Naturtheater bringt diesen Sommer "die Blues Brothers" auf die Bühne. Eine Vorausschau.

„Das Ensemble ist mit unglaublicher Begeisterung dabei und will noch öfter proben als vorgesehen. Wir sind auch begeistert – und hoffen, dass diese Begeisterung im Sommer dann auch aufs Publikum überspringt“: Sonja Fritz ist Spielleiterin bei den „Blues Brothers“, der Inszenierung des Naturtheaters für den Sommer. Sie liebt den Film schon lange und hat bereits vor Jahren die Idee gehabt, das Stück zu inszenieren für den Schlossberg.

„Das ist eines von zwei Stücken, die ich im Naturtheater mal realisieren möchte – beide mit Musik“. Was das andere Stück ist, will sie eigentlich nicht verraten, das will sie ja irgendwann einmal einreichen und dann fürs Naturtheater umsetzen. Es ist ihre erste Regiearbeit fürs große Naturareal, für den Saal hat sie bereits zweimal inszeniert.

3-köpfiges Regie-Team

Sonja Fritz hat letztes Jahr die „Blues Brothers“ vorgeschlagen, aber sie inszeniert es nicht alleine: Ihr zur Seite stehen der 23-jährige Marc Jahraus, der seit 2001 im Naturtheater engagiert ist und schon bei einer ganze Reihe von Stücken mitgewirkt hat. Auch bei Musicals hat er sich schon engagiert; und auf dem musikalischen wie auch auf dem tänzerischen Bereich sowie auf deren Verknüpfung mit der Szene liegt auch der Schwerpunkt seiner Regiearbeit.

Dritte im Bunde ist die erfahrene Ulrike Valentin, die Fritz lobt als „Superorganisationstalent“. Und Jahraus stimmt ihr auch dabei lächelnd zu: „Womöglich ist das bei einer solchen Inszenierung das Wichtigste“. Es gibt also eine Aufgabenteilung im Team, und, trotz gelegentlicher Meinungsunterschiede in Bezug auf die Inszenierung („ist doch klar und gut so, wir sind ja kein Kindergarten“), eine „fantastische Stimmung“.

Fritz: „Wir wollen und wir können den Film nicht eins zu eins umsetzen“. Das ginge schon aus technischen und finanziellen Gründen nicht: „Wir können ja nicht bei jeder Aufführung 30 Autos verschrotten“. Eine pure Nachahmung, so weit im Naturtheater überhaupt möglich, wäre aber auch künstlerisch „langweilig“ - anstänkern kann man gegen das legendäre Vorbild ohnehin nicht, da könnte eine Theater- und zumal eine Amateurtheaterinszenierung nur verlieren. Fritz: „Unsere Inszenierung hat, hoffentlich, ihren eigenen Charme“. Und Fritz bezeichnet das, was am 27. Juni Premiere hat, als „flottes Gute-Laune-Stück“.

Ein Stück "für alle Generationen"

Die Inszenierung sei gedacht „für alle Generationen“. Wer den 1980 erschienen Film gesehen habe und damals jung war, zähle mittlerweile „auch schon über 50 oder 60 Jährchen“. Denen sei die Musik und seien auch die beiden Typen John Belushi (der schon 1982 verstarb) und Dan Akroyd „noch immer gegenwärtig“. Und auch die heutigen Jungen „kennen die Blues Brothers“. Die Musik sei ja „zeitlos jung“, meint Fritz, und werde auch im Radio immer wieder gespielt: „,Everybody needs somebody' kennt doch jeder“.

18 Songs werden im Naturtheater vorgetragen. Und damit die vielbeschworene „Stimmung“ sich auch gut vermittelt, ist Fritz wichtig, dass auch da „alles live“ ist. Es gibt eine siebenköpfige Band, darunter drei Bläser, die aus Profimusikern besteht. Die Leitung hat der Aalener Markus Braun; hinter dem Schlagzeug sitzt der Heidenheimer Bernd Elsenhans.

Auch ein Chor ist wieder an Bord

Dann gibt es einen Chor, den Alexander Steinke leitet, der auf dem Naturtheaterchor basiert. Es gibt zudem für die Blues Brothers einen achtköpfigen Backgrundchor: „So viele wollten auch hier dabei sein; und so haben wir zweimal acht Sängerinnen aufgeboten“. Insgesamt besteht das Ensemble aus 170 Akteuren.

Es wird also einiger Aufwand getrieben. Auch ein stimmiger Oldtimer darf nicht fehlen. Und auch da hat Sonja Fritz sich selbstbewusst „künstlerische Freiheit“ genommen: Für den Sommer wurde ein Opel Rekord C beschafft, Baujahr 1972. „Wir haben uns bestimmt ein halbes Jahr mit dem Thema Auto beschäftigt“, im Auge hatten die Verantwortlichen auch einen alten Dodge. Fritz aber hält auch den Opel für „amerikanisch angehaucht“ und passend. Und: „Der konnte aus eigener Kraft von Nürnberg nach Heidenheim verbracht werden“. Den Sound eines massigen Achtzylinders könne man nun zwar nicht bieten – „aber vielleicht bauen wir noch den Auspuff um“.

Bei den Proben wird derzeit noch „gefahren“ auf Stühlen; aber man freut sich auf die Spiel-Zeit im Areal am Salamanderbächle. Freilich: „Wie bei uns die Verfolgungsjagd aussieht, verraten wir noch nicht“.

Der Film lebt von der Nahsicht auf die betont coolen Gesichter von Dan Aykroyd und John Belushi. Das wissen die Verantwortlichen natürlich – und auch, dass sie das im weitläufigen Naturtheater nicht bieten können; und eine Übertragung etwa der Gesangsszenen auf eine Großleinwand ist nicht geplant. „Das wird dennoch kein Problem“, ist Fritz überzeugt, „wir haben ja eine neue, taugliche Vorbühne“. Da werden sich entsprechende Szenen abspielen – und vom Publikum aus relativ naher und teils gar nächster Nähe beobachtet werden können.

Proben, proben, proben

„Cool in die Gegend schauen“ wird derzeit von den zweimal zwei Bluesbrüdern eigens geprobt: „Das ist gar nicht so einfach“, verrät Fritz. Und wenn dann die Gesichtszüge die erforderliche Reglosigkeit besitzen, „dann blitzen oft die Augen“. Aber das mache nichts: „Darüber sitzen ja die Sonnenbrillen“.

Sonja Fritz ist gelernte Modedesignerin; aber bei den „Blues Brothers“ wird sie sich mit ihrem Können ein bisschen zurückhalten müssen: „Der schwarze Anzug für die Hauptdarsteller ist ja obligatorisch“. Das Ensemble trage Kleidung, „so wie man sie in den 80ern halt getragen hat“. Und auch bei den Sängerinnen hinter den Bluesbarden wird sie sich nicht ungebührlich austoben.

Die Darsteller von Jake bzw. Elwood Blues sind untereinander austauschbar. Vorgesehen sind, nach sorgsamem Casting, Markus Hirschberger („ich hab' den nach vielen Jahren erstmals ohne Bart erlebt“) und Lars Sörös-Helfert bzw. Matthias Wagner und Uwe Weinrich. „Die leben ihre Rollen schon wunderbar“, freut sich Sonja Fritz: „Und nicht nur die Mimik sitzt“.

Und Fritz freut sich: „Der Vorverkauf läuft phänomenal“. Falsch sei allerdings das „Gerücht“, dass bereits ausverkauft sei. Bei den geplanten 20 Aufführungen „haben schon noch Tausende Platz. Das Naturtheater kann ja gar nicht überfüllt sein“. Aber immerhin sind schon deutlich mehr als die Hälfte der Plätze vorverkauft.