Theater "Ein Job, ebenso reizvoll wie fordernd"

„Investiert haben wir nicht nur in unsere Baulichkeiten“: Helga Banz war sechs Jahre lang Vorsitzende des Heidenheimer Naturtheaters – eine Zeit großer Erfolge. Jetzt kandidiert sie nicht mehr.
„Investiert haben wir nicht nur in unsere Baulichkeiten“: Helga Banz war sechs Jahre lang Vorsitzende des Heidenheimer Naturtheaters – eine Zeit großer Erfolge. Jetzt kandidiert sie nicht mehr. © Foto: Hendrik Rupp
Heidenheim / Manfred Allenhöfer 03.10.2014
Helga Banz war sechs Jahre lang Vorsitzende des Kulturvereins mit der zweitgrößten Naturbühne im Lande, die, wie der letzte Landesamateurtheater-Verbandsvorsitzende mal gemeint hat, „in seiner Liga quasi der FC Bayern ist.“

„Das Naturtheater ist schon eine geniale Einrichtung – und dort vorne dran zu stehen, ist eine großartige, aber auch sehr anspruchsvolle und fordernde Aufgabe“: Helga Banz war sechs Jahre lang Vorsitzende des Kulturvereins mit der zweitgrößten Naturbühne im Lande, die, wie der letzte Landesamateurtheater-Verbandsvorsitzende mal gemeint hat, „in seiner Liga quasi der FC Bayern ist.“

Vor einem Jahr, bei der letzten Mitgliederversammlung des Vereins, hat die 54-jährige Heidenheimerin angekündigt, für eine neue Amtszeit als Vorsitzende nicht mehr zur Verfügung zu stehen: Sie hat das so rechtzeitig getan, damit Zeit bleibt für eine Nachfolge, die ja auch möglicherweise von außerhalb kommen kann. „Das ist eine zwar sehr reizvolle, aber zugleich auch ungemein beanspruchende Tätigkeit, bei der man Vielseitigkeit wie Aufwand nicht unterschätzen darf.“

Am 9. Oktober wird der neue Vorsitz bestimmt. Drei mal zwei Jahre hat Helga Banz dann das Amt innegehabt; und es war immer ihr Anspruch, „ganz oder gar nicht“ dazusein für den Verein. Wobei „gar nicht“ nach ihrem Entschluss, Vorsitzende zu sein, eigentlich keinen Moment infrage kam: „Gut, es gab schon Augenblicke, in denen man sich gefragt hat, warum man sich das antut. Aber ich hab' das nie länger bereut“, lacht Banz, die erklärt, dass sie „immer wieder überwältigt“ war von dem, „was da oben auf der Bühne und auch daneben und dahinter möglich ist“.

Da herrsche, klar, zumal „bei Menschen mit künstlerischem Anspruch“, durchaus nicht immer „Friede, Freude, Eierkuchen“. Aber das gelte letztlich für jeden Verein und sei im Naturtheater auch nicht ausgeprägter als anderswo. „Es ist einmalig, was da oben möglich ist. Wenn's drauf ankommt, sind alle da, dann sind alle Differenzen vergessen“, hat die gelernte Juristin vielfach erfahren.

Und sie nennt ein Beispiel, indem sie auf die Jugend verweist: „Wie die, weitestgehend selbstständig, unlängst das Projekt ,Romeo und Julia' durchgezogen haben, das ist schon grandios.“ Und sie nennt die Jugendfreizeiten mit vielen Mitwirkenden auf vielen Ebenen. Oder eben, „was immer funktioniert hat und doch keine Selbstverständlichkeit ist“: Den Einsatz vieler Ehrenamtlicher bei den Sommerstücken, die in den letzten Jahren „ja immer über 40 000 Zuschauer gelockt haben“ und so, „gerade im Servicebereich“, großen Aufwand erfordert haben. Und die auch außerhalb Heidenheims, auch und gerade in der Theaterszene, bemerkt wurden.“ Banz nennt ein Beispiel: In Dinkelsbühl wurden heuer „Kohlhiesels Töchter“ gespielt – aufbauend auf Heidenheimer Erfahrungen. Und in Donauwörth gab's „Piroschka“ – und das gar mit Kostümen aus Heidenheim.

„Die Heidenheimer dürfen schon noch ein bisschen mehr stolz sein aufs Naturtheater.“ Für manche sei der Naturtheaterbesuch „eine liebgewordene Gewohnheit“, die Helga Banz zu dem Vergleich veranlasst: „Wie bei einer warmen Strickjacke, die man halt hat.“ Und so sei es ihr Anliegen gewesen in den sechs Jahren Amtszeit, „unser Theater auch für neue Besuchergruppen zu öffnen.“ Was beispielsweise mit den Kleinkunstgalen mit Landespreisträgern gelungen sei: „Da waren schon einige noch nie im Naturtheater – und danach sehr angetan von dem, was sie da oben erlebt haben.“

Überhaupt: Fragt man Banz nach dem „schönsten Erlebnis“ in den sechs Jahren, meint sie, nach einigen lächelnden Momenten des Überlegens: „Es ist immer wieder großartig, wenn man an lauen Sommerabenden zufriedene Zuschauer in die Nacht entlassen kann“ – das lohne den großen Einsatz der vielen Aktiven im Naturtheater.

Ohne diese Mitarbeiter hätte sie, meint Banz, ihre Arbeit auch nicht leisten können: „Unglaublich“ sei der Einsatz vieler Ehrenamtlicher, „und da kann man ja nichts anordnen, die müssen das schon wollen.“ Und dann seien da, mit Uwe Michalk und Stefan Feth, auch noch zwei Vollzeitkräfte und mehrere in Teilzeit Arbeitende sowie einige geringfügig Beschäftigte. Das sei schon wie in einem kleinen Betrieb.

„Da müssen dann auch die Finanzen stimmen“, verweist Banz auf einen wichtigen Aspekt ihrer Arbeit. Nach außen sei das sichtbar geworden durch einige bauliche Investitionen wie Verwaltungsbau und Garderobe oder die Renovierung des Saals. Aber man müsse eben auch „zuverlässig die Gehälter überweisen können, auch wenn es gerade keine Kartenverkäufe gibt.“

Und die Theaterarbeit koste auch Geld – egal, ob das fürs Bühnenbild ausgegeben wird (das unter ihrem Vorsitz eine dauerhafte architektonische Basis erhalten hat) oder für eine Band, wie sie bei Musicals notwendig ist. „Und dann war mir als Vorsitzender immer wichtig, dass auch Workshops möglich waren.“ Wenn für irgendeine Inszenierung oder auch für Nachwuchsarbeit etwa eine sprachliche oder eine schaukämpferische Ausbildung gewünscht wurde und dafür dann evtl. auch Profis verpflichtet wurden, habe sie geschaut, dass das „dann auch finanziert werden konnte“.

Und lächelnd gibt sie zu: „Dank der erfolgreichen Inszenierungen der letzten Jahre war das ja auch nicht mehr ganz so schwierig – sonst hätte hier ja womöglich Missmanagement geherrscht.“ Jetzt übergebe sie den Verein, und das nicht nur finanziell, „in geordneten Verhältnissen.“

Als ein wesentliches Momentum ihrer Vorstandstätigkeit nennt sie den Begriff „Vertrauen“: Regisseure und andere Aktive „konnten immer zu mir kommen und vorbehaltlos mit mir reden.“ Das sei, „klar, nicht jedes Mal einfach, immer aber spannend gewesen“, erinnert sich Banz.

Aber nach sechs Jahren dürfe man da den Stab schon auch weitergeben und den Verein, wie das ja auch schon bei der Stückwahl geschehen ist, neu aufstellen – Arthur Millers „Hexenjagd“ stehe nicht unter dem Druck, so viele Besucher wie etwa die „Blues Brothers“ liefern zu müssen, „aber es soll und wird eine gute Inszenierung werden.“ Und auch ein neuer Vorsitzender „mag ja vielleicht auch das eine oder andere anders machen und sich für alternative Strömungen öffnen.“

Die dreifache Mutter sei ja auch „so halb“ von außen gekommen und angesprochen worden auf den Vorsitz des Hauptvereins als stellvertretende Chefin des Fördervereins. Ihre drei Kinder waren dem Theater immer verbunden; der jüngste, der in Karlsruhe studiert, engagiere sich immer noch im Naturtheater und komme als Spieler im Volk oder für den Einsatz im Service häufig auf den Schlossberg.

Sie ziehe sich jetzt zurück, stehe zwar zur Verfügung, wenn man sie anspreche. „Aber ich will keine Strippen ziehende graue Dame im Hintergrund sein. Nach sechs ebenso schönen wie anstrengenden Jahren darf ich jetzt schon auch mal einfach ein bisschen durchschnaufen.“

 

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