Heidenheim / Günter Trittner Prof. Dr. Volker Wulfmeyer sieht als Physiker und Meteorologe immer noch Chancen, dass die Klimaerwärmung gebremst werden kann.

Es gibt noch Hoffnung, dass die 2015 in Paris vereinbarten Klimaschutz-Ziele eingehalten werden können. Dieser Auffassung ist Prof. Dr. Volker Wulfmeyer. Der Direktor des Instituts für Physik und Meteorologie an der Universität Hohenheim war am Donnerstagabend Gastredner beim Jahresempfang der Industrie- und Handelskammer Ostwürttemberg.

Damit sich das Klima bis 2050 um nicht mehr als 1,5 Grad erwärmt, verlangte der Forscher im Kreis der über 400 geladenen Gäste eines: sofortiges Handeln. „Nicht die Energiewende wird teuer, sondern wenn wir diese verschlafen.“

Deutschland, das Platz 7 der weltweit größten Emittenten von Treibhausgasen einnimmt, sieht Wulfmeyer wie Europa und die USA in einer besonderen Verantwortung. „Wenn Deutschland Maßnahmen ergreift, ist dies für das Klima signifikant und wird Zeichen setzen.“ Für 30 Prozent der Klimaerwärmung ist die Wärme- und Energiegewinnung ursächlich. Wulfmeyers Forderung: bis 2030 kein Verstromen von Kohle mehr und bis 2050 überhaupt keine Kohle mehr in industriellen Prozessen. Wer dafür sorgen muss? Wulfmeyers Antwort: die Bundesregierung.

Ursache eindeutig

Entschieden wies Wulfmeyer Behauptungen zurück, es gebe andere, sogar natürliche Quellen für die Erderwärmung. Diese Einwände dienten nur dazu notwendiges Handeln zu verzögern. Die wissenschaftlichen Analysen zeigten eindeutig, dass die Klimaerwärmung auf Treibhausgase zurückzuführen und also menschengemacht sei. „Die Vernunft verbietet Zweifel.“

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Wulfmeyer zeigte anhand von an seinem Institut erarbeiteten Hochrechnungen, was 2100 sein wird, wenn keine Wende einleitet wird. Im Mittel werde sich die Erde um vier Grad erwärmen. Für Landfläche bedeute dies eine um fünf bis acht Grad höhere Temperatur, für die Pole einen Anstieg um zehn Grad. Die Dürre im vergangenen Sommer sei nur ein kleiner Vorgeschmack. „Wir werden mehr Regen haben und zugleich extreme Trockenheit.“ Die wahrscheinlich gefährlichste Folge bei alledem? „Die Landwirtschaft bricht zusammen. Die Menschheit wird sich nicht mehr ernähren können.“ Aber auch heute schon gilt: „Der Klimawandel ist in Süddeutschland angekommen. Wir haben klar wärmere Temperaturen, ganz kalte Winter gibt es so gut wie gar nicht mehr.“

Noch ist es für Wulfmeyer nicht zu spät zum Handeln. „Wenn wir Paris ernst nehmen, dann ist die Situation zu beherrschen.“ Ein Veto der Bürger fürchtet Wulfmayer nicht. Die Menschen hätten ein Bewusstsein für die Situation.

IHK-Hauptgeschäftsführerin Michaela Eberle hatte es organisiert, dass angehende Abiturienten des Werkgymnasiums, welche den Vortrag verfolgt hatten, Fragen weiterreichen konnten.

Schüler fragen

„Hände weg vom Geo-Engineering“ beantwortete Wulfmeyer die Frage, ob nicht mit einem nuklear erzeugten künstlich Winter die Klima-Uhr zurückgedreht werden könnte. „Das ist extrem gefährlich“, so der Wissenschaftler, niemand wisse, was Eingriffe dieser Art bewirkten. Atomstrom ist für Wulfmeyer keine Alternative zur Kohle. „Wir schaffen mit dieser unglaublich gefährlichen Strahlung Ewigkeitslasten.“ Seine Ziel ist die völlige Umstellung auf erneuerbare Energien mit einem dezentralen Versorgungsnetz. „Das macht die Erde lebenswerter.“ Gerade bei dieser Energiewende sah Wulfmeyer für mittelständische Unternehmen viel Terrain, um mit Innovationen am Markt zu punkten. Außer Frage steht für ihn auch, dass der Verkehr emissionsfrei werden müsse. „Das muss gemacht werden.“ Auch hier gebe es für Unternehmen neue Chancen.

IHK- Präsident Markus Maier wirbt für ein starkes Europa ohne Barrieren und benennt weitere Voraussetzungen, damit die Wirtschaft gut funktionieren kann.