Heidenheim „Die Arbeitslosen in der Zukunft werden Frauen sein“

Gewerkschafterin Inge Goerlich fordert die bessere finanzielle Anerkennung der Erziehungsarbeit und erhält vom fast durchweg weiblichen Publikum dafür Applaus.
Gewerkschafterin Inge Goerlich fordert die bessere finanzielle Anerkennung der Erziehungsarbeit und erhält vom fast durchweg weiblichen Publikum dafür Applaus. © Foto: Sabrina Balzer
Heidenheim / Holger Scheerer 13.03.2018
Die Gleichstellung der Frau bleibt ein stetiges Thema, das der Deutscher Gewerkschaftsbund am Frauentag aufgriff.

Wir haben zwar die rechtliche Gleichberechtigung von Mann und Frau, von einer tatsächlichen sind wir aber weit entfernt“, dies war die Grundfeststellung von Inge Goerlich, im Vorstand der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft zuständig für den Fachbereich Tarif-, Beamten- und Sozialpolitik. Was die engagierte Gewerkschafterin zu berichten wusste, machte insbesondere im statistischen Teil einen starken Eindruck auf die Anwesenden.

Frauen in der Teilzeitfalle

So sind drei Viertel aller berufstätigen Frauen nicht in Voll-, sondern in Teilzeit und geringfügigen Beschäftigungen tätig. Auch deshalb bekommen die Frauen wesentlich weniger Rente. Im Durchschnitt bekommt eine Frau in Deutschland 606, ein Mann 1078 Euro Rente. Berauschend klingen beide Beträge nicht. Wenn man bedenke, dass hiervon noch die Beiträge für die Kranken- und Pflegeversicherung abzuführen seien, so Goerlich, komme man sehr schnell zu dem Schluss, dass das Thema Altersarmut bei den Frauen besonders akut sei.

Eine Hauptursache für diese verheerende Situation machte Goerlich in der Tatsache aus, dass es für Frauen immer noch sehr schwer sei, Familie und Beruf unter einen Hut zu bekommen. Erziehungsarbeit sei in Deutschland in der Hauptsache immer noch Frauensache, wobei der Haken an dieser Feststellung darin liege, dass diese Arbeit gesellschaftlich weder als solche gewertet, noch entsprechend entlohnt würde.

Am Beispiel der Elternzeit zeigte Goerlich auf, wie an sich gut gemeinte und generell zu begrüßende Gesetzesinitiativen von der Wirklichkeit zu Staub zermahlen würden. Die Verbesserung, die das Gesetz zur Elternzeit bewirkt habe, bewege sich „im Nullkommabereich“, so Goerlich.

Einen Hauptgrund für das Scheitern des Gesetzes an den Klippen der Wirklichkeit, sah Goerlich in der Rechtsunsicherheit, die auf die Väter nach Beendigung der Elternzeit warte. Zwar habe man einen Anspruch auf Weiterbeschäftigung, dies sei aber mitnichten ein Garant dafür, dass man sich tatsächlich an seinem alten Arbeitsplatz wiederfände. Oft lande der Vater auf einer geringeren Position. Diesen Vorgang empfand Goerlich als teilweise diskriminierend.

An die Politik richtete sie die Forderung, diesen Missstand abzustellen, um dem Gesetz damit doch noch zum Durchbruch zu verhelfen. Goerlich forderte zudem die Aufstockung des Elterngeldes von 1800 auf 2000 Euro.

Hauptthema blieb für die Gewerkschafterin die Frage der finanziellen Anerkennung der Erziehungsarbeit.

Auch bei der Mütterrente kam die Referentin zu dem Fazit, dass sich zunächst richtig angestellte Überlegungen in der Wirklichkeit als unzureichend erweisen würden, in diesem Falle sogar als „richtig, richtig schlecht“. Dass hier mehr Geld in die Hand genommen werden müsse war für die Referentin ebenso klar, wie dass diese steuerfinanziert werden müssten und nicht aus der Rentenkasse.

Goerlich warf dabei vor allem einen Blick auf internationale Großkonzerne, die in Deutschland tätig seien, ohne entsprechend Steuern abzuführen. In diesem Punkt sah Goerlich dringenden Handlungsbedarf, nicht zuletzt deshalb, weil sie befürchtete, dass die Folgen der Digitalisierung vor allem die Frauen in negativen Sinne treffen würden: „Die Arbeitslosen in der Zukunft werden Frauen sein.“

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel