Heidenheim Bürgerpreis 2018: „Der Preis lebt von der Gegend“

Hoffen auf viele Bewerbungen und Vorschläge für den Bürgerpreis 2018: Kreissparkassen-Vorstandschef Dieter Steck (links) und Meinrad Schad von der Hanns-Voith-Stiftung.
Hoffen auf viele Bewerbungen und Vorschläge für den Bürgerpreis 2018: Kreissparkassen-Vorstandschef Dieter Steck (links) und Meinrad Schad von der Hanns-Voith-Stiftung. © Foto: Hendrik Rupp
Heidenheim / Hendrik Rupp 01.06.2018
Kreissparkassen-Vorstandschef Dieter Steck und Meinrad Schad (Hanns-Voith-Stiftung) über die neue Ausschreibung und die wackeligen Aussichten auf Bundesebene.

Vor Ort ist er ein Erfolgsmodell: Zum sechsten Mal läuft seit April die Ausschreibung für den Bürgerpreis „Für mich, für uns, für den Landkreis Heidenheim“, seit Jahren zählt man mehr als 200 Bewerbungen und Vorschläge. Dass es anderswo nicht ganz so gut läuft ist für die lokalen Initiatoren der Hanns-Voith-Stiftung und der Kreissparkasse kein Grund, etwas am bewährten Modell zu verändern.

Herr Steck, Herr Schad, in Sachen Bürgerpreis 2018 kommt von auswärts keine gute Nachricht: Die Zukunft des bundesweiten Wettbewerbs wackelt.

Dieter Steck: Das stimmt leider. Unser Dachverband, der Deutsche Sparkassen- und Giroverband, hat sich zu unserem Bedauern dazu entschlossen, den Bürgerpreis auf Bundesebene 2018 nicht durchzuführen. Das ist schade, aber umso mehr freuen wir uns darüber, dass wir unseren Bürgerpreis im Landkreis Heidenheim weiterführen - auch in den kommenden Jahren. Und ich muss schon sagen: Der Bürgerpreis lebt hier vor allem vom Widerhall in der Gegend, die Möglichkeit einer Teilnahme am Bundesentscheid war immer ein zusätzlicher Anreiz, aber sicher nicht zentral.

Kamen frühere Preisträger aus Heidenheim denn überhaupt einmal in die Nähe eines Bundespreises?

Meinrad Schad: Bundespreise hat noch kein Heidenheimer Preisträger gewonnen. Aber wir hatten schon ausgezeichnete Ehrenamtliche, die es zumindest bis in die engere Auswahl auf Bundesebene geschafft haben.

Der Deutsche Bürgerpreis ist damit nicht mehr so deutsch, wie er schon war?

Schad: Ganz ehrlich: Wenn er etwas weniger deutsch ist, ist das gar nicht schlimm. Wir haben gehört, dass es da schon Missverständnisse gab und zum Beispiel ausländische Vereine dachten, Sie dürften bei dem Preis nicht mitmachen, weil er nur für Deutsche sei. Dabei ist der Bürgerpreis natürlich für alle gedacht, die sich ehrenamtlich einbringen – gleich welcher Herkunft. Jeder darf sich bewerben, jeder darf vorgeschlagen werden.

Und das dieses Jahr ja ganz besonders. Das Motto lautet „Zukunft braucht Zusammenhalt“, und in der Ausschreibung geht es ausdrücklich um Projekte, die verschiedene Alters- und Bevölkerungsgruppen zusammenbringen. Das hat unter dem Strich ja auch sehr viel mit Integration zu tun.

Schad: Genau, wobei auch das umgekehrte Motto richtig ist: Zusammenhalt braucht Zukunft. Es wird ja oft beklagt, dass der Zusammenhalt nachlässt in unserer Gesellschaft. Ich nehme das in unserer Gegend nicht wahr, aber wir wollen den Zusammenhalt unterstützen, auch mit diesem Preis. Denn Zusammenhalt brauchen wir mehr denn je, erst Recht in einer immer komplizierteren Welt. Steck: In einer Welt, in der viele immer mehr zuhause sitzen, die Welt nur noch über das Internet erleben, ist es ja auch wichtig, einfach mal raus zu gehen, andere Menschen zu treffen, gemeinsam etwas zu machen und zu gestalten. Auch das ist Zusammenhalt, den wir brauchen. Darum freuen wir uns auf viele Bewerbungen und Vorschläge.

Die Bewerbungsfrist begann im April und dauert noch bis Ende Juni, die ersten Wochen haben wir schon hinter uns gebracht: Wie sieht es denn mit den Bewerbungen aus?

Steck: Es sieht ganz gut aus, nochmals besser als in den Vorjahren. Das Thema mit dem Zusammenhalt ist sehr griffig, da hatten wir im Vorjahr mit dem digitalen Motto ja durchaus teilweise Interpretationsprobleme. Im Moment haben wir etwa 80 Bewerbungen, das ist sehr beachtlich und mehr als doppelt so viel wie zum gleichen Zeitraum in den Vorjahren. Und in der zweiten Hälfte der Bewerbungsfrist geht es ja erst noch richtig los.

Den Bürgerpreis gibt es auch in anderen Städten in Baden-Württemberg, doch in Heidenheim gilt er als etwas ganz Besonderes. Warum eigentlich?

Steck: In der Tat ist der Preis nicht einzigartig. Aber er ist in Heidenheim sehr populär und die Bewerbungszahlen sind sehr hoch. Das hat sicher auch mit der Zusammenarbeit mit der Heidenheimer Zeitung zu tun, die das gut transportiert. Es hat aber vor allem auch mit dem Kreis Heidenheim zu tun, der eben wirklich eine Hochburg des Ehrenamts ist. Wir haben einfach sehr viele Menschen, die für ihr Engagement einen Preis verdient haben. Schad: Etwas Besonderes ist sicher auch die Zusammenarbeit zwischen der Hanns-Voith-Stiftung und der Kreissparkasse, so eine Konstellation kenne ich aus keinem anderen Ort. Und wenn die gute Zusammenarbeit zwischen der Stiftung, der Kreissparkasse und der Heidenheimer Zeitung weiterhin so gut funktioniert, ist das auch ein Aushängeschild für die ganze Bewegung.

Etwas Besonderes ist auch die Preisverleihung, im Vorjahr waren Hunderte von Gästen im Sparkassen-Business-Club, gefühlt war es die größte Verleihung, die es bisher gab.

Steck: In der Tat ist es etwas Besonderes, dass wir zur Preisverleihung nicht nur die Preisträger, sondern immer alle Nominierten einladen. Das ist aber auch gut und richtig so. Erstens wollen wir uns nicht nur bei den Preisträgern bedanken, sondern bei allen, die für den Preis vorgeschlagen wurden. Und zweitens kommen an diesem Abend engagierte Ehrenamtliche aus dem ganzen Landkreis und aus allen Gebieten zusammen. Dass sie sich an diesem Abend austauschen, kennenlernen können, ist genauso wichtig wie die Preisverleihung selbst. Das wird dieses Jahr wieder so sein, am 24. Oktober, der Termin steht schon. Wo, werden wir noch auswählen. Schad: Wir sind ja nun zum sechsten Mal dabei, und ich habe immer wieder gehört, dass aus dem Kennenlernen an diesen Abenden richtige Netzwerke entstanden sind. Man tauscht sich aus, hilft sich weiter.

Und die preisverdächtigen Ehrenamtlichen gehen ja nicht aus.

Schad: Lachen Sie nicht, aber als wir mit dem Preis an den Start gingen, hatte ich da anfangs wirklich Bedenken. Würden wir auch nach einigen Jahren immer neue geeignete Preisträger aus dem Ehrenamt finden? Heute weiß ich längst, dass das völlig unnötig war. Das Engagement ist unglaublich vielgestaltig und umfangreich. Steck: Eben. Es ist umgekehrt eher so, dass ich dankbar für die klaren Kategorien in dem Preis bin: Alltagshelden und Lebenswerk, engagierte Unternehmer und die Gruppe U21. Dazu jedes Jahr ein neues Motto, an dem man sich orientieren und jährlich neue Akzente setzen kann. Das hilft, in der sehr großen Zahl sehr guter Projekte eine Auswahl treffen zu können.

„Zukunft braucht Zusammenhalt“: Der Bürgerpreis 2018 auf einen Blick

Zum 6. Mal schreiben die Hanns-Voith-Stiftung und die Kreissparkasse den Bürgerpreis für den Landkreis Heidenheim aus.

„Zukunft braucht Zusammenhalt“ lautet 2018 das Motto, an dem sich auch die Jury orientieren wird. In diesem Jahr geht es besonders um Personen, Projekte und Unternehmer, die mit ihrem ehrenamtlichen Engagement Alters- und Bevölkerungsstrukturen zusammenbringen. Das können Vereine oder Initiativen, aber auch Betriebe, Jugendgruppen oder einfach engagierte Privatpersonen sein.

In vier Kategorien wird der jeweils mit 2000 Euro dotierte Bürgerpreis vergeben:

Die Kategorie U 21 richtet sich an junge engagierte Einzelpersonen oder Gruppen im Alter von 14 bis 21 Jahren.

In der Kategorie Alltagshelden werden Privatpersonen, die älter als 21 Jahre sind, Gruppen und Vereine ausgezeichnet.

In der Kategorie Lebenswerk wird der Bürgerpreis an Personen verliehen, die sich seit mindestens 25 Jahren ehrenamtlich engagieren. Nur in dieser Kategorie kann man sich nicht selbst bewerben, sondern muss vorgeschlagen werden.

Die Kategorie Engagierte Unternehmer ist selbsterklärend. Auch hier kann man vorschlagen.

Bewerben kann man sich für den Bürgerpreis noch bis zum 30. Juni 2018. Dabei können eigene Projekte ebenso vorgeschlagen werden wie andere ehrenamtlich Tätige aus dem Kreis Heidenheim. Das ist wichtig, denn viele preiswürdige Ehrenamtliche sind oft einfach zu bescheiden, um sich selbst vorzuschlagen.

Detailinformationen zur Bewerbung und den Kategorien gibt es unter ksk-heidenheim.de/buergerpreis

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