Austritt "Brexit": Was zwei Briten aus Heidenheim dazu sagen

Der gebürtige Nordire Tobias Elsholtz lebt mittlerweile in Sontheim und ist gegen einen „Brexit“. Auch Waliserin Lauren Francis aus Giengen hofft auf die Vernunft ihrer Landsleute.
Der gebürtige Nordire Tobias Elsholtz lebt mittlerweile in Sontheim und ist gegen einen „Brexit“. Auch Waliserin Lauren Francis aus Giengen hofft auf die Vernunft ihrer Landsleute. © Foto: privat
Heidenheim / Stefanie Kirsamer 22.06.2016
Heute stimmt Großbritannien über den EU-Austritt ab. Was halten in Heidenheim lebende Briten von der Diskussion um den „Brexit“?

64 Millionen wahlberechtigte Briten stimmen heute über einen Austritt Großbritanniens aus der Europäischen Union („Brexit“) ab. Schon seit Monaten scheint die Insel in zwei Lager gespalten. Sowohl die „Brexit“-Befürworter als auch die Gegner beschwören den Untergang Großbritanniens, sollte die Wahl nicht nach ihren Gunsten ausgehen.

Die Situation im Land ist angespannt – vor allem seit vergangenen Donnerstag die britische Abgeordnete Jo Cox, die gegen den „Brexit“ gekämpft hatte, auf offener Straße erschossen wurde. Ob ihre politische Überzeugung für ihren Tod verantwortlich ist, konnte bisher weder bestätigt noch ausgeschlossen werden. So kurz vor dem EU-Referendum liegt ein Zusammenhang aber nahe.

„Die ganze Diskussion um den 'Brexit' ist doch Wahnsinn“, sagt Lauren Francis. Die gebürtige Waliserin wohnt seit über 13 Jahren mit ihrem Mann Franz Garlik in Giengen. Vor allem stört die Opernsängerin, dass die Debatte viel zu emotional geführt wird. „Mittlerweile lassen sich viel zu viele von ihrer Angst leiten.“

Vor allem würden sich die Briten vor noch mehr Fremdbestimmung fürchten. Auch die Flüchtlingskrise spiele eine große Rolle. „Ich höre immer wieder das viele Briten glauben, Flüchtlinge werden ihnen ihre Jobs wegnehmen“, erklärt Francis. Sie ist allerdings der Meinung, dass es Großbritannien deutlich schlechter gehen wird, sollte das Land aus der EU austreten. „Viele wollen das aber nicht sehen, sie träumen immer noch von der alten Stärke des Empires“, sagt sie.

Weil Francis seit über 15 Jahren nicht mehr in Großbritannien lebt, darf sie heute keine Stimme abgeben. „Das frustriert mich sehr“, so die Giengenerin. Sie hofft, dass viele Briten wählen und die Mehrheit noch rechtzeitig versteht, dass sie nur verlieren, wenn Großbritannien tatsächlich aus der EU austritt.

Darauf spekuliert auch Tobias Elsholtz, der mit seiner Frau in Sontheim lebt. Doch der gebürtige Nordire mit englischen Wurzeln rechnet mit einem sehr knappen Ergebnis. An einen „Brexit“ glaubt der 49-Jährige aber nicht. Obwohl seine Mutter Engländerin ist und sein Vater sowie seine Geschwister in Großbritannien leben, ist Elsholtz emotional wenig mit der Insel verbunden. „Die Briten sollen machen was sie wollen, aber für die EU wird es schwierig“, sagt er. Nicht nur für die anderen EU-Staaten wird der Austritt Großbritanniens Folgen haben, sondern auch für die Briten, die in anderen EU-Ländern leben. Für Elsholtz wird das Wahlergebnis, egal wie es ausfällt, aber keine Folgen haben. Denn seinen britischen Pass hat der Sontheimer mittlerweile gegen einen deutschen eingetauscht.

Auch für Lauren Francis sollte es keine Konsequenzen geben, sollte Großbritannien austreten. „Ich bin seit über zehn Jahren mit meinem Mann, der gebürtiger Deutscher ist, verheiratet“, sagt sie. Doch sollten sich ihre Landsleute tatsächlich für einen „Brexit“ aussprechen, würde sich die gebürtige Waliserin dafür schämen. „Ich bin eben trotzdem noch Britin“, sagt sie.

Menschen mit britischen Wurzeln sind in Deutschland eine Minderheit. Gerade einmal 106 000 Briten leben momentan in Deutschland. Im Kreis Heidenheim sind es nicht ganz 100 Personen. Nicht alle von ihnen sind verheiratet oder haben einen deutschen Pass. Was mit ihnen nach einem Austritt passiert, darüber wird wohl erst nach dem Referendum gesprochen.

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